Recht

Optimale Ausnutzung von Ressourcen am Beispiel eines CMD-Diagnostikgerätes

Ärztliche Kooperation in Form von Gerätegemeinschaften

Gerätegemeinschaften basieren auf der Einhaltung rechtlicher Vorgaben – ein Handschlag allein genügt nicht. © Gerd Altmann/AllSilhouettes.com/pixelio.de
Gerätegemeinschaften basieren auf der Einhaltung rechtlicher Vorgaben – ein Handschlag allein genügt nicht. © Gerd Altmann/AllSilhouettes.com/pixelio.de

Der Fortschritt in der medizinischen Technologie eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten für Zahnarztpraxen. Viele Praxen möchten an diesem Fortschritt teilnehmen und zu diesem Zweck moderne Geräte verwenden. Nicht jede Praxis ist aber wirtschaftlich in der Lage, ein neues, modernes Gerät selbst anzuschaffen. Infolgedessen gründen Praxen mit anderen Praxen Gerätegemeinschaften, in denen moderne medizinische Geräte gemeinsam angeschafft und genutzt werden können. Die so erreichte Kostenersparnis ermöglicht den einzelnen Praxen die Teilnahme am technischen Fortschritt und damit auch die erforderliche Qualitätssicherung und -steigerung.

Doch bevor die beteiligten Praxen von der Gründung einer Gerätegemeinschaft profitieren können, sind einige rechtliche Fragen zu klären bzw. Probleme zu lösen. Zunächst muss eine zur Kooperation geeignete Praxis gefunden werden. Mit dieser Praxis (oder mit mehreren Praxen) müssen dann Vereinbarungen über die Finanzierung, Nutzungsmöglichkeiten und -zeiten sowie den Ort getroffen werden, an dem das Gerät aufgestellt werden soll. Da mit einer Gerätegemeinschaft zugleich eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet wird, sind diese Vereinbarungen in einem entsprechenden Gesellschaftsvertrag zusammenzufassen.

Besondere Bedeutung wird der Standortwahl zuteil. Hier wird deutlich, dass sich nicht alle medizinischen Geräte gleich gut für eine Kooperation eignen. Bei einigen Geräten ist die Bedienung durch bzw. eine ständige Anwesenheit des behandelnden Zahnarztes erforderlich. Das bedeutet, dass ein Zahnarzt außerhalb seiner Praxis tätig werden muss, wenn sich das Gerät am Standort der Kooperationspraxis befindet. Besser geeignet sind daher Geräte, die auch von nichtzahnärztlichem, aber entsprechend qualifiziertem Personal bedient werden können und dürfen. Beispielhaft soll dies im Folgenden an einem CMDDiagnostikgerät erläutert werden.

Die modernen CMD-Diagnostikgeräte nutzen ein nicht-invasives Verfahren ohne weitere Strahlenbelastung, daher kann deren Anwendung vom Zahnarzt an qualifizierte Mitarbeiter delegiert werden. Der Zahnarzt muss im Rahmen der Delegation jedoch seinen Aufsichts- und Weisungspflichten nachkommen. Das bedeutet, dass er Anordnungen für den konkreten Behandlungsfall treffen und bei Komplikationen für Rückfragen zur Verfügung stehen muss. Er muss außerdem die Einhaltung seiner Anordnungen überwachen. All dies erfordert nicht seine persönliche Anwesenheit, sondern nur seine telefonische Erreichbarkeit und die Möglichkeit, im Notfall am Ort der Untersuchung zeitnah zu erscheinen. Ein CMD-Diagnostikgerät kann also auch außerhalb der eigenen Praxis eingesetzt werden.

Um sich weder für eine der beteiligten Praxen als Standort entscheiden, noch einen neuen ausgelagerten Praxisstandort anmieten zu müssen, empfiehlt sich die Kooperation mit einem externen Labor, das über genügend räumliche Kapazitäten verfügt. Dort kann das Gerät in einem eigens dafür eingerichteten, abgetrennten Raum untergebracht werden. Zu beachten ist jedoch, dass als Delegationsempfänger nur Angestellte des jeweiligen Zahnarztes in Betracht kommen. Das Anstellungsverhältnis ist erforderlich, damit der Zahnarzt sein Weisungs- und Aufsichtsrecht ausüben kann. Zudem ist eine Einweisung und Einarbeitung des Personals zur Sicherstellung ausreichender Qualifikation erforderlich. Die delegierte Leistung kann vom Zahnarzt sodann als eigene Leistung über die GOZ-Ziffer 800 abgerechnet werden.

Noch deutlicher wird der Nutzen der Gerätegemeinschaft am Standort in einem externen Labor in den Fällen, in denen der Einsatz eines CMD-Diagnostikgerätes nicht pathologisch indiziert ist. Soll beispielsweise Zahnersatz angefertigt und in diesem Rahmen das Diagnostikgerät zur Durchführung einer Bisshöhenkontrolle verwendet werden, stellt dies nicht zwingend eine zahnärztliche Leistung dar. Da die rein handwerklich-technische Tätigkeit überwiegt, kann das Gerät auch von einem Techniker des Labors bedient werden, der nicht den Weisungen eines Zahnarztes unterliegt. Dessen Leistungen können vom Zahnarzt als Zahntechnikerleistungen im Wege der Erstattung von Auslagen gegenüber dem Patienten liquidiert werden.

Ergibt die Auswertung der CMD-Diagnostikergebnisse einen pathologischen Befund, so können diese Ergebnisse bei entsprechender Einwilligung des Patienten an den Zahnarzt übermittelt werden. Dieser kann dann weitere Maßnahmen veranlassen und in Rechnung stellen.

Das Beispiel zeigt, dass Gerätegemeinschaften nicht nur unmittelbar zur Qualitätssteigerung und damit zu wirtschaftlichen Verbesserungen führen können. Durch sie ist auch eine Erweiterung der zahnärztlichen Leistungsaufträge zu erreichen. Der organisatorische Aufwand sowie die Erfüllung der rechtlichen Anforderungen im Zusammenhang mit einer Gerätegemeinschaft zahlen sich folglich am Ende aus.

 

 

 

 

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Karl-Heinz Schnieder

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Karl-Heinz Schnieder