Recht


Gewinnverteilung in der zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis – und was Sie zu beachten haben

© Andreas Hermsdorf / pixelio.de
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Das Finden einer idealen Lösung zur Gewinn- und Verlustverteilung in der Gemeinschaftspraxis ist im Allgemeinen und Besonderen immer eine Herausforderung für Zahnärzte und deren Berater. Denn häufig stehen sich unterschiedliche Interessenlagen der zukünftigen Partner der Gemeinschaftspraxis gegenüber.

Auf der einen Seite will der bisherige Praxisinhaber, der die Praxis über Jahre aufgebaut hat, dem hinzutretenden Gesellschafter nur einen bestimmten Betrag zugestehen, um am Umsatz des neuen Gesellschafters zu partizipieren. Auf der anderen Seite besteht das Interesse des neuen Gesellschafters darin, ein festes Jahresgehalt zu erhalten und keinem Verlustrisiko ausgesetzt zu sein.

Die Gewinnverteilung gilt als Indiz dafür, ob ein Gesellschafter tatsächlich Gesellschafter ist oder nicht. Das heißt, ob er selbstständig oder lediglich Arbeitnehmer ist. Entscheidendes Kriterium ist daher, dass der neue Gesellschafter tatsächlich ein wirtschaftliches Unternehmerrisiko trägt. Tut er dies nicht, spricht dies möglicherweise für ein Anstellungsverhältnis. Denn typischerweise ist ein festes Jahresgehalt eine Entlohnung für Angestellte.

Daher sollten die freiberuflichen Gesellschafter einer Gemeinschaftspraxis, wie beispielsweise die Zahnärzte, möglichst ein anderes Gewinnverteilungs- bzw. Gewinnbeteiligungsmodell wählen.

Wenn das Einkommen eines Zahnarztes unmittelbar mit der Arbeitsleistung verknüpft ist, ist der Gesellschafter der Gemeinschaftspraxis dennoch am Gewinn und Verlust der Gesellschaft zu beteiligen. Insoweit ist eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf die Gewinnverteilungsregelung denkbar. Die gesetzliche Grundregel des § 722 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geht, soweit nichts anderes vereinbart wird, von einer Verteilung nach Köpfen aus. Daher hilft das Gesetz den Zahnärzten bei der Suche nach einer gerechten Gewinnverteilungsregelung nicht weiter, weil es schlicht von gleichen Beiträgen und deshalb auch von gleichen Anteilen am Gewinn und Verlust ausgeht.

Folgende Gewinnverteilungsregelungen sind in Gemeinschaftspraxisverträgen häufig zu finden:

1. Verteilung des Gewinns nach Kapitalanteilen

Die Verteilung des Gewinns und Verlustes nach Kapitalanteilen ist bei BGB-Gesellschaften die verbreitetste Form der Gewinnverteilung. Die Verteilung richtet sich hier nach festen Prozentsätzen, die sich nach der Beteiligung der Gesellschafter am Vermögen der Gesellschaft ? also nach den Kapitalanteilen der Gesellschafter – richten. Das heißt, je höher der Kapitaleinsatz eines Gesellschafters ist, desto höher ist auch dessen Gewinnanteil.

Der Erfolg einer Zahnarztpraxis hängt maßgeblich vom Arbeitseinsatz des Einzelnen ab und nicht nur vom Kapitaleinsatz. Es empfiehlt sich deshalb, nur einen Teil des Gewinns nach dem Verhältnis der Kapitalanteile als Tätigkeitsvergütung zu verteilen.

2. Leistungsbezogene Verteilung des Gewinns

Verbreitet ist zudem die leistungsbezogene Gewinnverteilung. Zur Bewertung der Leistungen der Gesellschafter wird hier oft allein auf deren Umsätze abgestellt.

In der Praxis führt diese Gewinnverteilungsregelung jedoch sowohl zu Problemen bei der Ermittlung der Gewinnanteile – vor allem im Hinblick auf die Degressionsregelung, die Beschäftigung von angestellten Zahnärzten oder auch Vertretern – als auch zur Förderung eines internen Wettkampfs zwischen den Gesellschaftern um die besten Patienten und die besten, am höchsten bewerteten Leistungen. Das geht jedoch in der Regel zu Lasten der Gemeinschaftsidee.

3. Beteiligung eines Gesellschafters am selbst erwirtschafteten Honorarumsatz

Die Gewinnverteilung kann auch in der Form geregelt werden, dass ein Gesellschafter am selbst erwirtschafteten Honorarumsatz beteiligt wird und der Restgewinn dem anderen Gesellschafter zusteht. Dieses Modell wird oft bei Senior-Junior-Gesellschaften verwendet, in denen der Juniorgesellschafter zunächst ohne Kapitalbeteiligung in die Gesellschaft eintritt.

Denkbar ist darüber hinaus eine Kombination der einzelnen Gewinnbeteiligungsmodelle. Beispielsweise könnte ein Teil des Gewinns nach den Kapitalanteilen und ein Teil nach den Leistungsanteilen der Gesellschafter verteilt werden.

Neben der grundsätzlichen Regelung der Gewinnverteilung sollten für den Fall einer Krise in der Gemeinschaftspraxis klare vertragliche Regelungen im Gemeinschaftspraxisvertrag getroffen werden. Zum einen sollte festgelegt werden, wann festgestellte Verlustanteile von den Gesellschaftern auszugleichen sind, zum anderen aber auch, wann die Gesellschafter berechtigt sind, festgestellte Gewinnanteile aus der Praxis zu entnehmen. In der Regel erhalten die Gesellschafter monatliche Vorauszahlungen auf den erwarteten Gewinn.

Auch sollte in dem Gemeinschaftspraxisvertrag eine Regelung für den Krankheitsfall der Gesellschafter aufgenommen werden. Üblich ist insoweit eine dreistufige Regelung. Die Gesellschafter vertreten sich für einen bestimmten Zeitraum zunächst unentgeltlich. Ist es notwendig, einen Vertreter zu beschäftigen, wird dieser von der Gemeinschaftspraxis bezahlt. Auf der zweiten Stufe – im Falle längerer Krankheit – wird sodann der Gewinnanteil des erkrankten Gesellschafters um die Vertreterkosten gemindert. Auf der dritten Stufe – bei ununterbrochener Krankheit von mehr als sechs Monaten – verliert der ausfallende erkrankte Gesellschafter seinen gesamten Gewinnanteil.

Werden solche Anpassungsregelungen vereinbart, ist aber auch unbedingt darauf zu achten, dass diese im Einklang mit der Gewinnverteilungsregelung stehen.

Fazit

Ungeachtet des Freiberuflerstatus ihrer Gesellschafter ist die zahnärztliche Gemeinschaftspraxis ein Unternehmen, auf das die gesetzlichen Regelungen zur Gewinnverteilung nicht passen. Vielmehr sollten abweichende Regelungen zur Gewinnverteilung gefunden werden, damit die Arbeitsteilung als Vorteil der gemeinschaftlichen Berufsausübung auch umgesetzt werden kann.

Dabei können Arbeitseinsatz, Alter, Beliebtheit, wirtschaftliche Tüchtigkeit sowie Akquisetätigkeit unterschiedliche Gewinnverteilungen rechtfertigen. Egal wie die beteiligten Zahnärzte ihre Gewinnverteilung regeln, wichtig ist, dass diese Regelung schriftlich festgehalten wird. Fehlen nämlich schriftliche Vereinbarungen, gelten die gesetzlichen Regelungen der §§ 722 ff. BGB, wonach eine Gewinnverteilung nach Köpfen vorgesehen ist.

Zudem wird eine Gemeinschaftspraxis nur dann dauerhaft Bestand haben, wenn die Partner der Gemeinschaftspraxis im Rahmen der Gewinnverteilungsregelung eine gerechte Bewertung ihrer Beiträge vorfinden und später auch dazu bereit sind, die vertragliche Regelung der tatsächlichen Entwicklung entsprechend anzupassen.

Die Gestaltungsmöglichkeiten solcher Regelungen im Gemeinschaftspraxisvertrag zeigen, dass der Teufel häufig im Detail steckt und insbesondere die Frage der Ausgestaltung dieser Regelungen gut durchdacht werden sollte. Die Gründung einer zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis bedarf nach unserer Erfahrung immer der Hinzuziehung rechtlicher und steuerlicher Beratung von Spezialisten, die sich auf den Dentalmarkt fokussiert haben. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Rechtsanwältin Stephanie Lamp


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