Recht

Mangelnde Aufklärung über Risiko der dauerhaften Nervschädigung bei Implantatbehandlung

Haftung des Zahnarztes

Quelle: © Thorben Wengert/pixelio.de
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Der Behandlungsvertrag verpfl ichtet den Arzt sowohl zur Untersuchung und Behandlung des Patienten, als auch zur Unterrichtung über dessen Leiden und den voraussichtlichen Verlauf bei behandelter und unbehandelter Form (BVerfG, Beschl. v. 18.11.2004 - 1 BvR 2315/04).

Der Patient ist über die mit einem medizinischen Eingriff verbundenen Risiken ordnungsgemäß aufzuklären, damit er unter Wahrung seiner Entscheidungsfreiheit über das ob und wie der Behandlung wirksam in den Eingriff einwilligen kann. Dem Patienten muss dabei aufgezeigt werden, welcher Art und Schwere der vorgesehene Eingriff ist und welche Folgen für ihn persönlich daraus resultieren können. Die ärztliche Aufklärung soll dem Patienten eine Möglichkeit bieten, Art, Bedeutung, Ablauf und Folgen des Eingriffs zwar nicht in allen Einzelheiten, aber wenigstens in den Grundzügen nachvollziehen zu können. Im Rahmen der Aufklärung müssen dem Patienten nicht alle denkbaren medizinischen Risiken in allen möglichen Erscheinungsformen dargestellt werden (BGH, Urt. v. 18.11.2008 - VI ZR 198/07).

Im Allgemeinen ist es daher ausreichend, wenn der Patient über die mit der Durchführung des Eingriffs verbundenen spezifi schen Risiken im Großen und Ganzen aufgeklärt wurde. Diese erforderliche Grundaufklärung muss dem Patienten einen zutreffenden allgemeinen Eindruck von der Schwere des Eingriffs und der Art der Belastungen vermitteln, die für sein körperliches Wohlbefinden und seine Lebensführung möglicherweise zu befürchten sind. Zudem muss sie ihm eine zutreffende Vorstellung darüber vermitteln, wie ihm nach medizinischer Erfahrung durch den Eingriff geholfen werden kann und welche Erfolgsaussichten damit verbunden sind. Die erforderliche Grundaufklärung ist regelmäßig nur dann erfolgt, wenn der Patient auch einen Hinweis auf das schwerste möglicherweise in Betracht kommende Risiko erhalten hat.

Über mögliche und typische Schadensfolgen einer Behandlung muss indes dann keine Aufklärung erfolgen, wenn sie nur in entfernt seltenen Fällen auftreten und anzunehmen ist, dass sie für den Entschluss, in die Behandlung einzuwilligen, bei einem verständigen Patienten nicht ernsthaft ins Gewicht fallen (OLG Koblenz, Urt. v. 02.03.1999 - 3 U 328/97).

Abweichend hiervon kann auch bei extrem seltenen Risiken eine Aufklärungspflicht bestehen, wenn eine besonders schwere Belastung für die Lebensführung des Patienten in Betracht kommt. Den behandelnden Zahnarzt trifft damit auch eine Aufklärungspflicht über das bei einer Implantatbehandlung bestehende Risiko einer dauerhaften Nervenschädigung. Auch wenn ein Dauerschaden ein seltenes Risiko darstellt, ist der Zahnarzt insoweit gleichwohl aufklärungspfl ichtig, weil die möglichen Komplikationen die weitere Lebensführung des Patienten nachhaltig und tiefgreifend beinträchtigen kann (OLG Koblenz, Urt. v. 22.08.2012 - 5 U 496/12).

Dabei ist in Bezug auf die zahnärztliche Dokumentation weiter zwingend zu beachten, dass allein das ohne jede ergänzende Erläuterung gebrauchte Schlagwort „Nervschädigung“ im schriftlichen Aufklärungsbogen nicht verdeutlicht, dass insoweit auch ein dauerhaft verbleibender Schaden mit nicht mehr zu beseitigenden Sensibilitätsstörungen und sonstigen Beeinträchtigungen der im Kiefer verlaufenden Nerven eintreten kann. Dem Patienten erschließt sich daraus regelmäßig nicht, dass die Nervschädigung zu dauerhaften Ausfällen und Beschwerden führen kann.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Dennis Hampe, LL.M.

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Dennis Hampe, LL.M.


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