DGOI Aktuell

Mein humanitärer Einsatz für Dentists for Africa e.V. (DfA) in Kenia, Teil 2

Behandlungen am Straßenrand

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Ziemlich ins Alter gekommene Ausstattung, Behandlungen in Zelten am Straßenrand und zahlreiche Zahnextraktionen bei Kindern – die Eindrücke seines 4-wöchigen Einsatz für Dentists for Africa (DfA) in Kenia schildert Dr. Christoph Niesel, Karlsruhe, im 2. Teil seines Erfahrungsberichts.

  • Richtiges Zähne putzen.

  • Richtiges Zähne putzen.
    © Dr. Niesel
Am 20. Januar 2023 ging es schließlich los: Mit 2 Koffern zu je 23 kg, davon etwa 25 kg zahnmedizinisches Material, flog ich von Frankfurt am Main über Doha (Katar) nach Nairobi. Dort holte mich der Krankenhausfahrer Isaak mit dem von der DfA gesponsorten Krankenwagen ab und wir fuhren weiter nach Kisumu, einer beschaulichen Stadt am Lake Victoria.

Meine erste Station war Nyabondo. Dort betreibt ein vom Erzbistum Kisumu geführtes Krankenhaus die erste von DfA eingerichtete Zahnstation.

Ein einfaches Zimmer im Gästehaus sollte für die nächsten 4 Wochen mein zu Hause sein. Schon am nächsten Tag hatte ich die Gelegenheit, Kenia während des Sonntagsgottesdienstes in der übervollen Kirche des Ortes von seiner lebendigen Seite kennen zu lernen.

Dort stellte mich der Administrator des Krankenhauses, Pater Francis, am Ende des Gottesdienstes der Gemeinde als Zahnarzt für die nächsten Wochen vor. Ein sehr bewegender Moment für mich.

Mein Arbeitsplatz

Am Montag, 23. Januar lernte ich schließlich die Zahnstation kennen. Sie war ausgerüstet mit einem Tretstuhl aus den 1950er Jahren und mit einer 23 Jahre alten luftgetriebenen brasilianischen Einheit. Die Schränke waren voll mit unaufgeräumtem Material aus früheren Einsätzen.

Die Röntgeneinrichtung konnte aus Mangel an Röntgen-Filmen nicht betrieben werden. Dann gab es noch eine gut mit Hebeln und Luxatoren gefüllte Schublade und eine ebenso gut gefüllte Holzkiste mit Zangen. Ein funktionierender Sterilisator war vorhanden, ein echtes Hygienekonzept bestand jedoch nicht.

Die mobile Absaugung funktionierte hin und wieder, jedoch nie dann, wenn sie gebraucht wurde. Die Lampe am Stuhl war wegen des defekten Arms nicht einsetzbar. In der Dental Unit war eine als „Dental Technician“ ausgebildete junge kenianische Frau für die zahnmedizinische Versorgung zuständig, unterstützt durch eine Zahnarzthelferin.

  • Richtiges Zähne putzen.
  • Behandlungszimmer in der Zahnstation in Nyabondo mit einem über 60
Jahre alten Behandlungsstuhl
  • Richtiges Zähne putzen.
    © Dr. Niesel
  • Behandlungszimmer in der Zahnstation in Nyabondo mit einem über 60 Jahre alten Behandlungsstuhl
    © Dr. Niesel

Auf einer großen Tafel standen die Preise für die verschiedenen Behandlungsoptionen. In meinem 2. Einsatzort, in Asumbi, sah es ähnlich aus. Allerdings leitet dort ein COHO (Certificated Oral Health Officer) die Zahnstation und führt die Behandlungen durch.

Die Patienten kamen ohne vorherige Anmeldung einfach ins Krankenhaus. Da die Fahrtkosten für sie oft schon kaum tragbar waren, sprengten aufwendigere Behandlungen wie Füllungen das Budget der meisten Patienten. Deshalb stellte die Extraktion oft tief zerstörter Zähne die überwiegende Therapieoption dar.

Die Mission

Dentists for Africa hat es sich zur Aufgabe gemacht, bedürftigen Menschen vor Ort eine einfache zahnmedizinische Versorgung zukommen zu lassen. Dafür hat der Verein vor allem 2 Aktivitäten etabliert: Zum einen werden kostenlose Reihenuntersuchungen in abgelegenen ärmlichen Schulen angeboten sowie die anschließende Organisation der ebenfalls kostenfreien Behandlung der behandlungsbedürftigen Kinder in der Zahnstation. DfA übernimmt die Behandlungskosten für die Kinder, um die wirtschaftliche Grundlage der Units zu erhalten.

  • Zeltaufbau an der Straße für den mobilen Einsatz.
  • Bei einem mobilen Einsatz finden die Untersuchungen und Behandlungen
sozusagen wie am Fließband satt.
  • Zeltaufbau an der Straße für den mobilen Einsatz.
    © Dr. Niesel
  • Bei einem mobilen Einsatz finden die Untersuchungen und Behandlungen sozusagen wie am Fließband satt.
    © Dr. Niesel

Als zweite Aktivität werden regelmäßig sogenannte „mobile Einsätze“ in entlegenen Marktflecken organisiert. Hier erhalten die von Zahnschmerzen geplagten Menschen vor Ort einfachste, kostenfreie Hilfe. In der Regel sind dies Zahnextraktionen.

Kinderbehandlungen

100 Sonden, 100 Spiegel, ein Demonstrationsgebiss mit Zahnbürste, Papier und Stifte, Tauchdesinfektionslösung in einem Eimer, Stirnlampe, Handschuhe, Mundschutz, Handdesinfektion, 2 bis 3 Schwesternschülerinnen, ein Krankenwagen sowie ein Fahrer – viel mehr musste für die Untersuchungen in den Schulen nicht vorbereitet werden. Besucht habe ich 2 sehr abgelegene Primary-Schools mit jeweils ca. 300 Schülern.

Ein von mir übergebener Fußball löste Jubelstürme aus. Auch mitgebrachte Bleistifte und Schulhefte bedeuten für viele Kinder die Grundlage für den Zugang zu Bildung.

Die sehr diszipliniert angetretenen Kinder wurden zunächst über richtige Zahnpflege aufgeklärt. Bei der anschließenden Reihenuntersuchung ergab sich bei etwa 25% der Kinder eine dringende Behandlungsbedürftigkeit.

Alle betroffenen Kinder erhielten eine Einverständniserklärung, um sie zu Hause von den Eltern unterschreiben zu lassen. Sobald diese vorlag, organisierte die jeweilige Zahnstation den Transport der Kinder zur Zahnstation. Dort behandelte ich im Anschluss pro Tag etwa 25 Kinder.

Zwar versorgte ich sie überwiegend mit Füllungen, aber es standen leider auch Zahnextraktionen auf dem Programm, sowohl bei Milchzähnen als auch im bleibenden Gebiss. Das empfand ich als harten Job, den ich so in meiner Praxis nie erlebt hatte.

Mobile Behandlungen

Die mobilen Einsätze wurden in ausgesuchten Marktflecken organisiert, die sich im Umkreis von ca. 20 Kilometern um Nyabondo im Umland befinden. In Nyabondo übernahm dies George, der Sozialarbeiter des Krankenhauses, in Asumbi war das Sr. John Marys Aufgabe, der dort das Krankenhaus leitet.

Für diese Einsätze war der Aufwand etwas größer: 4 Container mit Instrumenten (Zangen, Hebel, Sonden, Spiegel, Pinzetten, Trays) und 2 Kisten mit sonstigem Material wie Handschuhe, Spritzen, Anästhesie, Schmerzmittel, Antibiotika, Tupfer sowie hochkonzentrierte Desinfektionslösung fanden im Krankenwagen Platz. Dazu kamen eine Zeltplane und Informationsaufsteller sowie ein Fahrer, ich als Zahnarzt und 5 Helferinnen.

Das Gestänge für das Zelt transportierte ein Motorradfahrer zum Einsatzort. Sobald dieser eingetroffen war, wurde in Windeseile das Zelt aufgebaut.

Die Helferinnen haben zuvor schon kleine Tische und Plastikstühle in den umliegenden Geschäften organisiert. Zur Unterstützung reiste Ben, der COHO aus Asumbi, 30 Kilometer mit dem Motorrad an.

Die ersten Patienten warteten schon. Allen wurde zuerst der Blutdruck gemessen. Eine englische Hilfsorganisation sponsort diese wichtige medizinische Vorsorge.

Bei 15 Patienten wurde an einem Tag ein extrem hoher Blutdruck diagnostiziert und sie erhielten eine sofortige weitere Behandlung. Quasi wie am Fließband wurden 288 Patienten in knapp 5 Stunden – überwiegend Extraktionen – behandelt.

Patienten mit anderen Behandlungen wurden für die nächsten Tage in die Zahnstation eingeladen. Allerdings kamen nur die wenigsten.

Fazit

  • Bei seinem Abschied nach 4 Wochen pflanzte Dr. Niesel 2 Mangobäume als
Symbol für sein Gefühl der Verbundenheit. Er will das Projekt weiter aktiv unterstützen.

  • Bei seinem Abschied nach 4 Wochen pflanzte Dr. Niesel 2 Mangobäume als Symbol für sein Gefühl der Verbundenheit. Er will das Projekt weiter aktiv unterstützen.
    © Dr. Niesel
Mein 4-wöchiger Einsatz in Kenia hat sich sehr gelohnt. Die Menschen, die ich dort kennen lernen durfte, haben mich mit ihrer Offenheit, Freundlichkeit, Dankbarkeit und ihrem Willen, sich selbst zu organisieren, begeistert.

Als kleines Highlight meiner unvergesslichen Reise habe ich die behandlungsfreie Zeit am Wochenende genutzt, um die unendliche Schönheit Kenias von der touristischen Seite kennen zu lernen. Als Symbol für mein Gefühl der Verbundenheit habe ich in Nyabondo 2 Mangobäume gepflanzt, deren Wachstum und Entwicklung ich beobachten und aktiv unterstützen werde. Für mich werden solche Einsätze in den nächsten Jahren ein fester Bestandteil meiner Planung sein.

Mein persönliches Anliegen

Es ist mir wichtig, zu betonen, dass die Kosten für diese dringend notwendigen Behandlungen von DfA übernommen werden. Und diese wichtige Hilfe vor Ort kann den ärmsten Menschen viel Leid ersparen. Allerdings ist das Budget begrenzt und DfA dringend auf Spenden angewiesen, beispielsweise in Form von:

  • Altgoldspenden: Dosen und Info-Material können bei DfA angefordert werden.
  • Geldspenden: Diese finden direkt ihren Weg zu den Bedürftigen in Kenia Dentists for Africa e.V. IBAN: DE86 8205 1000 0140 0467 98 Sparkasse Mittelthüringen BIC: HELADEF1WEM
  • Einsatz von Zahnärzten/-innen: Reise- und Unterbringungskosten werden selbst getragen. Eine tragende Säule ist die Arbeitskraft, die die Kollegen/-innen in Kenia zur Verfügung stellen.

Das Konzept von DfA, in Kenia Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, hat mich überzeugt. Dieser Nachhaltigkeitsgedanke war wohl auch für die DGOI ausschlaggebend, um die Kooperation mit DfA einzugehen.

Über Dentists for Africa (DfA)

Der 1999 von Joachim Schinkel gegründete Verein hat in der Zeit seines Bestehens im ärmsten Teil Kenias im Westen des Landes eine zum Teil autonom agierende, aber nach wie vor auf deutsche Hilfe angewiesene Struktur mit mittlerweile 14 Zahnstationen (Dental Units) aufgebaut. Er versucht, eine nachhaltig funktionierende zahnärztliche Versorgung zu etablieren. Parallel dazu wurde ein Patenschaftsprojekt für Waisenkinder und ein Witwenprojekt in diesem besonders von HIV betroffenen Landstrich gegründet u d unterstützt. Weitere Informationen: dentists-for-africa.org

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Christoph Niesel


Weiterführende Links

> Vier Wochen Kenia