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1. Zukunftskongress für die zahnärztliche Implantologie der DGZI in Düsseldorf

05.12.2018

Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie
Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie

„Unser Ziel für die nächsten zwei Tage – die Darstellung der oralen Implantologie nicht wie sie ist, sondern wie sie sein wird“, mit diesem Eingangsstatement eröffnete der Kongresspräsident und Fortbildungsreferent der Deutschen Gesellschaft für zahnärztliche Implantologie (DGZI) den 48. Internationalen Jahreskongress der DGZI, der dieses Jahr in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf stattfand.

Mit 50 Referenten und knapp 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wies der Kongress Parallelen zu anderen, entsprechenden Kongressformaten auf. In der Tat unterschied er sich jedoch ganz wesentlich von diesen: 80 Table Clinics und Übertragungen von zwei Live-OPs/Behandlungen via Internet, sowie eine vielbeachtete digitale Posterpräsentation standen am ersten Kongresstag im Fokus. Der Samstag stand ganz im Zeichen der Wissenschaft: Namhafte Referenten präsentierten 20 wissenschaftliche Vorträge, abgerundet mit Kursen für das Praxispersonal und einer großen begleitenden aktiven Dentalausstellung mit 25 Industriepartnern.

Keine Frage, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf den Ablauf und die Kongressstruktur wurde in Düsseldorf Neuland beschritten. Ziel dieser Modifikation ist klar eine Zukunftsorientierung, verbunden mit einer organisatorischen Modernität, inhaltlicher Attraktivität sowie einer neuen Form der Präsentation von Sichtweisen. Dass der Kongress dabei (vorläufig) etwas kleiner als in den Vorjahren geworden war, wurde von den Kongressmachern bewusst in Kauf genommen.

Zukunftspodium

Der Kongresspräsident und Fortbildungsreferent der DGZI definierte folgendes Ziel: „Unser Kongressziel ist klar die Darstellung der Zukunft unserer Fachdisziplin: Wie wird die Implantologie in fünf oder 10 Jahren aussehen? Welche Materialien und Technologien werden relevant sein? Wie muss die implantologische Praxis aufgestellt sein, um die künftigen medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen meistern zu können?

  • Prof. Dr. Christian Gernhardt: „Zahnerhalt und Implantologie weisen erstaunliche Parallelen auf!“

  • Prof. Dr. Christian Gernhardt: „Zahnerhalt und Implantologie weisen erstaunliche Parallelen auf!“
    © Dr. Georg Bach
Im Rahmen des Zukunftspodiums stellten ein Zahnarzt und Hochschullehrer, ein Zahntechnikermeister und ein Zukunftsforscher ihre Visionen unseres Berufes vor und stellten sich anschließend der Diskussion: Mit Prof. Dr. Christian Gernhardt ergriff einer der führenden konservierenden Hochschullehrer das Mikrofon und stellte klar: „Zahnerhalt und Implantologie“ dereinst immer als Widerspruch empfunden sind angesichts der gravierenden, demographischen und dentalspezifischen Veränderungen, die momentan im Gange sind, nicht gegeneinander aufgestellt, nein ganz im Gegenteil, sie weisen erstaunliche Parallelen auf! Auf die Gewichtung kommt es an, so Gernhardt. Beide Verfahren sollten sich auch gar nicht gegeneinander ausspielen lassen, denn beide haben ihre Berechtigung und verfügen über hervorragende Langzeitergebnisse.

  • ZTM Ralph Riquier: „Transformieren auch Sie – vom Bediener zum Beherrscher!“

  • ZTM Ralph Riquier: „Transformieren auch Sie – vom Bediener zum Beherrscher!“
    © Dr. Georg Bach
ZTM Ralph Riquier erwies sich ab dem ersten Satz seines bemerkenswerten Vortrages nicht nur als wahrer Experte seines Fachs, sondern auch als Visionär. Klar – die Optionen der digitalisierten Zahntechnik schlagen auch ihn in den Bann und kaum ein Referent im deutschsprachigen Raum wird hier über eine größere Expertise verfügen wie er, dennoch zeigte Riquier auch Limitationen und neue Ausgangsbedingungen auf, die das Berufsbild nicht nur der Zahntechniker, sondern auch der Zahnärzte ganz wesentlich verändern werden. Sein Credo: Digitale Kompetenz und Umgang mit Daten und Datenstrukturen wird zur Voraussetzung für eine kontrollierbare und systemunabhängige Zahnmedizin. Ein digitales Schnittstellenmanagement gehört bald zum essentiellen „Handwerkszeug“ einer unabhängigen Zahnmedizin. Jedoch blieben in seinem Vortrag auch kritische Untertöne nicht unerwähnt, denn Riquier betonte, dass oftmals die Datensätze untereinander nicht kompatibel und damit in der gemeinsamen Anwendung wertlos werden. „Da wird Einiges gemacht, was gar nicht gematcht werden kann!“ Ohne diese unbedingt erforderliche Interoperabilität wird, so Riquier, die weitere digitale Entwicklung weder möglich noch sinnvoll sein. Ganz im Gegenteil, andernfalls drohen Verluste und Misserfolge. Sein Fazit: „Transformieren auch Sie – vom Bediener zum Beherrscher!“

  • Prof. Wolfgang Henseler: „Es geht nicht um Technologie, sondern um den Nutzen der Technologie für den Menschen!“

  • Prof. Wolfgang Henseler: „Es geht nicht um Technologie, sondern um den Nutzen der Technologie für den Menschen!“
    © Dr. Georg Bach
Prof. Wolfgang Henseler forderte das Auditorium zu einem „Neuen Denken“ auf und nahm die Zuhörer mit in das Zeitalter „Zahnarzt 4.0“. Eine zentrale Forderung seines Beitrags war der nach der digitalen Transformation mit dem Ziel sensorisch an den Menschen (Patienten) heranzukommen und seine Nähe zu suchen. Das von Henseler eingeschlagene Tempo kann man mit Fug und Recht als überaus rasant beschreiben, doch der Referent stellte klar, dass sich durch die Digitalisierung sämtliche Bereiche des Lebens drastisch verändern, besonders aber gelte diese Einschätzung für die Arbeits- und Wirtschaftswelt: „Nur smart and robotic (Version 4.0) funktioniert nicht mehr!“, so Henseler „künftig gilt intelligent und singulär (5.0). Um jedoch alle diesbezüglichen Potentiale nutzen zu können ist eine veränderte Art des Denkens vonnöten und hier, so Hensler, gelte es keine Zeit zu verschenken. Im Kern dieser digitalen Transformation steht zunächst die menschliche Transformation unseres Denkens, denn nur wer die Dimension von „smart und robotic“ mental antizipiert hat, wird verstehen deren Potentiale auch wirklich zu nutzen. Entscheidend für künftigen Erfolg sei die Erlangung von Kenntnis, „was der Patient benötigt, noch bevor dieser das selbst weiß!“, so Henseler. Hier sieht er den IoT (Internet of Thinks“)-Ansatz als den entscheidenden für die kommenden Jahre an. Dennoch, und dies zu betonen war dem Pforzheimer Hochschullehrer sehr wichtig: „Es geht nicht um Technologie, sondern um den Nutzen der Technologie für den Menschen!“

Dran bleiben? Ja! Das heißt aktiv werden!

In der anschließenden Diskussion der drei Referenten, zu denen der in eigener Praxis niedergelassene Oralchirurg Dr. Kai Vietor stieß, wurde eines klar herausgearbeitet − ein „Weiter so!“ ist nicht möglich, wenn man nicht in Gefahr laufen möchte, den Anschluss zu verlieren. Dies gilt für alle Bereiche der Zahnmedizin, besonders aber auch für den Teilbereich der oralen Implantologie, der immer schon sehr technikaffin war. Dies gilt für jede(n) Einzelnen, aber die Diskutanten gingen weiter – wenn Deutschland, die deutsche Zahnmedizin und die deutsche Implantologie hier weiter als Beteiligte wahrgenommen werden möchten, dann gilt es verstärkte Arbeit in den (Normungs-) Gremien zu leisten und vor allem auch die Politik zur Definition klarer Regularien aufzufordern.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Georg Bach