Gesellschaften/Verbände

Nachgefragt bei Prof. Knut A. Grötz

„Aufklärung und Dokumentation sind der rote Faden im Patientenrechtegesetz“

17.05.2017

Deutsche Gesellschaft für Implantologie.
Deutsche Gesellschaft für Implantologie.


Die Arzthaftung ruht auf drei Pfeilern: Nummer eins ist der Behandlungsfehler im engeren Sinn, Nummer zwei ist ein Verstoß gegen die Aufklärungspflicht und Nummer 3 ist der Verstoß gegen die Dokumentationspflicht. Die Ärzte fühlen sich durch Studium und Weiterbildung auf dem ersten Gebiet, dem Behandlungsfehler im engeren Sinne, besser ausgebildet, als bei der Aufklärung und Dokumentation. Hinzu kommt, dass bei einem Behandlungsfehler im engeren Sinne der Patient beweispflichtig ist. Bei den Punkten Aufklärung und Dokumentation ist jedoch der Arzt beweispflichtig. Er muss eine korrekte Aufklärung und Dokumentation beweisen.

Können Sie diese Verunsicherung an Beispielen konkretisieren?

Prof. Grötz: Ich persönlich kenne solche Fälle aus der Perspektive des Gerichtssachverständigen. Nach meiner Erfahrung nutzen die Anwälte von Patienten wegen der Beweispflicht des Arztes Verstöße gegen die Aufklärungs- und Dokumentationspflicht oft als sogenannte „Aufhängetatbestände“. Wenn der Anwalt den Eindruck hat, dass sein Mandant einen Behandlungsfehler im engeren Sinne nicht beweisen kann, schwenkt er um auf den Bereich Aufklärung und Dokumentation, um so vielleicht doch noch eine Verurteilung des Arztes zu erreichen, wenn dieser hier in Beweisnot gerät. Das Thema spielt zunehmend auch eine Rolle in der zahnmedizinischen Fachpresse. Wenn man manche Beiträge von Rechtsanwälten zu diesem Thema liest, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese die Ängste eher fördern. Hinzu kommen falsche Ratschläge und Empfehlungen, etwa zur Verwendung standardisierter Aufklärungsformulare. Diese tragen jedoch nur eine sehr schwache Rechtssicherheit in sich. Hier müssen wir besser informieren.

Müssen sich Aufklärung und Dokumentation aufgrund des Patientenrechtegesetzes also verändern?

Prof. Grötz: Ja! Tatsächlich sind die Aufklärungs- und Dokumentationspflichten im Patientenrechtegesetz deutlich strenger gefasst als in der bisherigen Rechtsprechung. Aufklärung und Dokumentation ziehen sich wie ein roter Faden durch das Patientenrechtegesetz. Früher war es möglich, auch ohne exakte Dokumentation vor Gericht glaubhaft zu machen, dass die Aufklärung erfolgt ist. Jetzt steht im Gesetz: es muss dokumentiert werden. Wir müssen Kolleginnen und Kollegen also darin fit machen, die Aufklärung so zu dokumentieren, dass diese nicht den Routinebetrieb der Patientenversorgung aushebelt und dass ein Gutachter erkennen kann, dass beispielsweise die wichtigsten Komplikationen benannt wurden. Viel weniger wichtig ist ein Formular oder ein vom Patienten unterschriebener Zettel.

Was können Ihre Kollegen von der Tagung am 1. Juli in Frankfurt mit nach Hause nehmen?

Prof. Grötz: Wir haben als DGI Aufklärungsarbeit auf der Metaebene zu leisten. Wir müssen Unsicherheit und Ängste nehmen und zwar mit den richtigen Antworten auf Basis hoher wissenschaftlicher Standards und vor juristischem Hintergrund. Wir müssen die Kollegen fit machen, damit sie eine angemessene Aufklärung und die notwendige Dokumentation im genau richtigen Umfang vornehmen können – und beides mit möglichst geringem Zeitaufwand. Die Tagung erfüllt genau diese Funktion. Wichtig ist dabei auch die Kooperation mit den Landeszahnärztekammern. Es genügt nicht, einen Schriftsatz ins Internet zu stellen und die Kollegen aufzufordern, diesen zu lesen. Wir müssen in den Dialog eintreten. Denn nur im Dialog können wir Fragen aufnehmen.


DGI-Sommersymposium 2017:

Aufklärung und Dokumentation vor dem Hintergrund des Patientenrechtegesetzes und aktueller BGH-Urteile
Termin: Samstag, 01. Juli 2017, 9:30 - 16:30 Uhr,
Universitätsklinikum Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt am Main
www.dgi-ev.de/sommersymposium2017

weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren: