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Das DGI-APW-Curriculum Implantologie wird 20 Jahre alt

22.10.2018

© DGI
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Rund 5.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte haben das Curriculum Implantologie absolviert, das DGI und APW seit 1998 gemeinsam anbieten. Es war das erste bundesweite zertifizierte Curriculum in der deutschen Zahnmedizin und ist bis heute auch das erfolgreichste geblieben. Es sichert die Qualität in der Implantologie und dient so auch dem Patientenschutz.

Das Interesse von Patientinnen und Patienten an implantatgetragenem Zahnersatz ist hoch. Die Zahl der jährlich gesetzten Implantate ist von schätzungsweise 380.000 im Jahr 1998 auf mittlerweile eine Million gestiegen. Umfragen zeigen, dass Patienten sich von einer Implantattherapie vor allem eine bessere Lebensqualität erwarten. Dies geht in den meisten Fällen in Erfüllung: Studien belegen, dass implantatgetragener Zahnersatz die Lebensqualität steigert.

Wissenschaftlich anerkannt und etabliert

Aus einer Notversorgung in den 1960er Jahren ist ein wissenschaftlich anerkanntes und etabliertes Therapieverfahren geworden, das die Zahnmedizin vielfältig verändert hat. „Wir können in der Implantologie heute komplexe Therapien umsetzen, die früher so nicht möglich schienen“, erklärt DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz (Frankfurt/Main). In der Tat haben neue Methoden in den letzten Jahren einfache Eingriffe einfacher und komplexe Behandlungen möglich gemacht. Doch wachsen mit den Möglichkeiten auch die Ansprüche von Zahnärzten und Patienten an das funktionelle und ästhetische Therapieergebnis. „Darum ist und bleibt eine qualifizierende und zertifizierte Fortbildung in der Implantologie wichtig“, betont Prof. Schwarz.

Rund 200 Zahnärzte absolvieren das Curriculum pro Jahr

  • Live-OP während des Curriculums.

  • Live-OP während des Curriculums.
    © Ritzert/DGI
Mit rund 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in mehr als 200 Kursserien ist das Curriculum bis heute das erfolgreichste. Derzeit unterrichten 51 Dozentinnen und Dozenten an bundesweit 27 Standorten die Teilnehmer in acht Wochenendkursen, an denen im Schnitt 20 bis 25 Zahnärztinnen und Zahnärzte teilnehmen. In den ersten Jahren stieg die Nachfrage rapide. Im Jahr 2005 gingen beispielsweise 18 Kursserien an den Start. Inzwischen hat sich die Zahl stabil zwischen sieben und acht Kursserien jährlich eingependelt.

Goldstandard der implantologischen Fortbildung

  • Prof. Dr. Florian Beuer freut sich, das Curriculum als Fortbildungsreferent weiterzuentwickeln.

  • Prof. Dr. Florian Beuer freut sich, das Curriculum als Fortbildungsreferent weiterzuentwickeln.
    © Knipping
Unser Curriculum ist zur Standardausbildung geworden, die heute fast alle jungen Kolleginnen und Kollegen absolvieren, die in die Implantologie einsteigen wollen“, sagt DGI-Fortbildungsreferent Prof. Dr. Florian Beuer MME (Berlin). Ein Mix der Referenten aus Praxis und Universität und aus etablierten, erfahrenen Kollegen und neuen engagierten Implantologinnen und Implantologen sorge dafür, dass das Curriculum stets aktuell und auf dem neuesten Stand ist. „Sein einmaliges Konzept und vor allem die Kombination des besten inhaltlichen Curriculums mit einer starken Gemeinschaft mit einem ganz besonderen „Spirit“ hat das DGI-Curriculum zum Goldstandard der implantologischen Fortbildung gemacht“, betont Prof. Beuer.

Die Absolventen stehen heute am Anfang der beruflichen Laufbahn. Aufgrund des sinkenden Durchschnittsalters und der damit einhergehenden geringeren Berufserfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden inzwischen mehr „Basics“ im Curriculum vermittelt. In den Anfängen des Curriculums hatten die Teilnehmer oft schon eine jahrelange Berufserfahrung. Inzwischen gehört es bei den Teilnehmern eher an den Start der beruflichen Laufbahn, die Vorkenntnisse sind überwiegend theoretisch und selten praktisch. Darum liefern die Dozenten nicht nur Wissen, sondern vor allem auch die Motivation, dass die Teilnehmer möglichst bald selbst zu implantieren beginnen. Denn die Präsentation von selbst implantierten Fällen ist bis heute Bestandteil der Abschlussprüfung geblieben.

Vor fünf Jahren wurde der alternative Abschluss „Implantatprothetik“ eingeführt. Das ist das Angebot für jene Zahnärztinnen und Zahnärzte, die nicht selbst implantieren, aber eine kompetente Implantatprothetik anbieten wollen.

Die e.Academy ist das E-Learning Programm

Im Jahr 2015 implementierte der damalige DGI-Präsident Priv.- Doz. Dr. Gerhard Iglhaut aus Memmingen zusammen mit seinem Vorgänger Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden (Kassel) das e-Learning Programm der DGI, die sogenannte „eAcademy“, als integralen Bestandteil. Neu hinzugekommen sind 2018 die virtuellen Kursräume der APW, die es allen Teilnehmern ermöglichen, von überall und jederzeit auf alle theoretischen Unterlagen zugreifen zu können.

Neu: Mentoren unterstützen die Teilnehmer

Ebenfalls in diesem Jahr ging ein Mentorenprogramm an den Start, das den Teilnehmern während der Phase der ersten selbständigen Implantationen einen erfahrenen Ansprechpartner aus ihrer Umgebung an die Seite stellt. Zufriedene Absolventen Während die Teilnehmer der ersten Kursserien 1998 während des Studiums noch nichts über Implantologie gelernt hatten und sich ihre Kenntnisse mühsam aneignen mussten, hat Christian Horn aus Limburg, der das Curriculum vor zehn Jahren absolvierte, bereits während seines Studiums an der Universität Mainz eine Vorlesung über Implantologie gehört. Ihm hat das Curriculum Sicherheit gegeben und die erforderliche Kompetenz vermittelt. In seiner Praxis ist die Implantologie seitdem ein fester Bestandteil des Therapiespektrums. Dr. Sina Klai (Freiburg) hat das Curriculum im letzten Jahr absolviert, „da es ein Bereich der Zahnmedizin ist, in dem sich aktuell viel entwickelt.“ Die Zahnärztin kennt die Grundlagen aus dem Studium und aus der praktischen Arbeit. „Man lernt im Curriculum viele Implantatsysteme kennen und hört unterschiedliche Ansichten vieler renommierter Referenten.

Allerdings werde man durch die acht Wochenendkurse des Curriculums alleine noch lange kein guter Implantologe, räumt Dr. Klai ein. „Dafür bedarf es einfach viel, viel praktischer Erfahrung und Routine – aber das Curriculum ist sicherlich gut für die ersten Schritte in der Implantologie.“ Dr. Sandra Stolz aus Langenfeld bei Köln hat nach zehn Jahren Berufserfahrung den DGI-Masterstudiengang Orale Implantologie und Parodontologie begonnen und absolviert dafür gerade die erforderlichen Kurse des Curriculums. „In einer Einbehandlerpraxis ist es schwierig, sich mit Kollegen auszutauschen und Neues zu lernen“, sagt sie. Ihr Urteil: „Die Hands-on Kurse ermöglichen die direkte praktische Anwendung des Gezeigten. Die Referenten zeigen uns auch ihre Fehler und geben uns Hinweise, wie wir diese erst gar nicht machen und teilen somit ihre Erfahrungen mit uns. Das finde ich einen ganz großen Pluspunkt.“

Ein Exportschlager

Schon seit einigen Jahren wird das Erfolgsmodell der DGI exportiert. Fachgesellschaften in mehreren Ländern haben ihre Fortbildungsangebote am DGI-Curriculum ausgerichtet. Diese internationale Vernetzung der DGI liefert Einblicke in die implantologische Welt jenseits des nationalen Tellerrandes und intensiviert den internationalen Austausch. Nicht zuletzt kann die DGI deshalb auch eine steigende Zahl ausländischer Gäste bei ihren Kongressen begrüßen.

 „Es ist ein Kompliment, wenn wir kopiert werden“

  • Prof. Dr. Günter Dhom hat das Curriculum vor 20 Jahren eingeführt.

  • Prof. Dr. Günter Dhom hat das Curriculum vor 20 Jahren eingeführt.
    © Knipping
Natürlich wurde das Curriculum von anderen Gesellschaften und Verbänden, von Kammern und auch von privaten Anbietern kopiert. „Wenn die Qualität stimmt, ist es ein Kompliment, wenn wir kopiert werden“, sagt Prof. Dr. Günter Dhom (Ludwigshafen), der das Curriculum 1998 als damaliger Fortbildungsreferent der DGI etabliert hat. Ihn stimme zuversichtlich, dass die Kolleginnen und Kollegen noch immer mit den Füßen abstimmen. Darum habe er so manches Curriculum und so manchen Masterstudiengang kommen und gehen sehen. „Unser Curriculum hat es jedoch offensichtlich geschafft, dass es im Bewusstsein vieler Kolleginnen und Kollegen fest verankert ist. Es gilt als der Goldstandard, der die Qualitätsmaßstäbe auch weiterhin setzen wird.“

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Weitere Informationen:

www.dginet.de