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Update Periimplantitis: Daten, Zahlen, neue Fakten

04.06.2018

Deutsche Gesellschaft für Implantologie
Deutsche Gesellschaft für Implantologie

Die Resultate aktueller Studien und eines internationalen Workshops, präsentiert auf dem 31. Kongress der DGI, vermitteln nicht nur eine neue Sicht auf die Periimplantitis und auf deren Prävention, Diagnostik und Therapie. Sie setzten auch einen – zumindest vorläufigen – Schlusspunkt unter eine lange Debatte um Daten und Zahlen.

  • DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz.

  • DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz.
    © DGI
Was ist eine Periimplantitis? Das steht seit Anfang November 2017 fest. Bei einem internationalen Workshop in Chicago definierten die Experten, unter ihnen DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz, dass es sich „um einen pathologischen Prozess in den Geweben um Zahnimplantate handelt, geprägt von einer Entzündung des Weichgewebes und fortschreitendem Knochenabbau“.

Der Knochenabbau grenzt die Periimplantitis von einer Mukositis ab, bei der das Gewebe zwar blutet, sich aber kein Verlust des marginalen Knochens zeigt. Einigkeit besteht unter den Experten inzwischen auch, dass bei der zahnärztlichen Untersuchung die Sondierung erforderlich ist, um eine Entzündung zu diagnostizieren.

Diskussion über Schwellenwerte beendet

  • Dr. Jan Derks von der Universität Göteborg.

  • Dr. Jan Derks von der Universität Göteborg.
    © DGI
Zu Ende ist auch die langjährige Diskussion darüber, wie häufig diese Entzündung überhaupt ist: „Die unterschiedlichen Daten hatten mit den jeweils verwendeten Schwellenwerten für den Knochenverlust zu tun“, erklärte Dr. Jan Derks von der Universität Göteborg (Schweden). „Wir brauchen solche Schwellenwerte jedoch nur zu Forschungszwecken, klinisch ist ein solcher Wert von geringer Bedeutung. Notiert der Kliniker Entzündungszeichen und stellt darüber hinaus Knochenverlust fest, sollte die Diagnose „Periimplantitis“ lauten. Das Entscheidende ist letztendlich die adäquate Therapie.“

49 von 100 Patienten haben eine Periimplantitis

Jan Derks und seine schwedischen Kollegen haben bereits in 2016 eine Studie mit mehr als 500 Patientinnen und Patienten publiziert, die in Fachkreisen für Aufsehen sorgte. Die Implantatpatienten der Studie waren nach dem Zufallsprinzip aus einem großen Datenregister ausgewählt und neun Jahre nach der Implantatbehandlung erneut untersucht worden. Das Ergebnis: Bei 23 Prozent der Patienten war das periimplantäre Gewebe gesund und knapp ein Drittel (32%) hatte eine Schleimhautentzündung ohne Knochenverlust (Mukositis). Bei 45 Prozent wurden Entzündungszeichen und Knochenverlust von mehr als einem halben Millimeter notiert – Diagnose: Periimplantitis. Bei 14,5 Prozent der Patienten stellten die Wissenschaftler eine mittelschwere bis schwere Periimplantitis fest, definiert als Weichgewebeentzündung und Knochenverlust von mehr als zwei Millimetern.

Die Forscher stellten bei ihren Untersuchungen auch fest, dass die ersten Anzeichen einer Periimplantitis bei der Mehrzahl der betroffenen Patienten schon in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Therapie auftraten.

Risikofaktoren

Prof. Frank Schwarz und Dr. Jan Derks gehören auch zu einem Autoren-Team, das mögliche Risikofaktoren einer Periimplantitis untersucht hat. Wie sie in einer demnächst erscheinenden Ausgabe des Journal of Periodontology schreiben, gibt es starke Hinweise, dass eine der Implantattherapie vorausgegangene Parodontitis ein starker Risikofaktor ist. Auch eine schlechte Mundhygiene und das Fehlen einer regelmäßigen Nachsorge sind Risikofaktoren. Widersprüchlich ist die Datenlage, ob Rauchen oder Diabetes Risikofaktoren sind.

Prophylaxe entscheidend wichtig

Sicher ist, dass eine gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen einer Periimplantitis vorbeugen können. „Ein Zahnimplantat muss mindestens so gut gepflegt werden wie die natürlichen Zähne“, erklärt Schwarz, „und bei den ersten Anzeichen einer Schleimhautentzündung muss die Behandlung einsetzen, da die Mukositis gut behandelbar ist.“ Die schwedischen Experten empfehlen ähnlich wie ihre deutschen Kollegen eine individuell gesteuerte Prophylaxe. „Bei manchen Patienten ist einmal im Jahr ausreichend, manche Risikopatienten haben bis zu vier Termine im Jahr für die Kontrolle.“

Verschiedene Therapiekonzepte werden erprobt

Ist der Kieferknochen erst einmal betroffen, sind die nicht-chirurgischen Möglichkeiten der Therapie oft begrenzt. Darin sind sich die Experten einig. Noch keinen Konsens gibt es indes über die Form der chirurgischen Behandlung. Bei dieser verfolgen die führenden europäischen Zentren teilweise unterschiedliche Konzepte. Auf diesem Gebiet wird die Diskussion also noch eine Zeit lang weiter gehen.

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