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Interview mit Dr. Wolfgang Winges, Mitentwickler des Patent™ Implantatsystems

Langfristiger Implantaterfolg jetzt Realität

20.07.2023

Die erste Langzeitstudie zu zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten zeigte klinische Verbesserungen der Weichgewebe (rechts) im Vergleich zur Ausgangslage (links) – mit einem
Zuwachs an keratinisierter Gingiva.
Die erste Langzeitstudie zu zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten zeigte klinische Verbesserungen der Weichgewebe (rechts) im Vergleich zur Ausgangslage (links) – mit einem Zuwachs an keratinisierter Gingiva.

Gesunde Weichgewebe, stabile Knochenniveaus, keine Periimplantitis nach 9 Jahren – so die Ergebnisse der ersten Langzeitstudie zu 2-teiligen Zirkonoxidimplantaten [1]. Dr. Wolfgang Winges hat das in der Studie untersuchte Patent™ Implantatsystem gemeinsam mit Dr. Johan Feith entwickelt. Im Interview spricht der in Bad Hersfeld praktizierende Implantologe über die wegweisende Langzeitstudie und die Beweggründe hinter der Implantatentwicklung.

  • Fokus auf die langfristige Mundgesundheit:
Dr. Wolfgang Winges hat das Patent™ Implantatsystem
gemeinsam mit Dr. Johan Feith
entwickelt, um biologische und mechanische
Spätkomplikationen nach Implantationen zu
vermeiden.

  • Fokus auf die langfristige Mundgesundheit: Dr. Wolfgang Winges hat das Patent™ Implantatsystem gemeinsam mit Dr. Johan Feith entwickelt, um biologische und mechanische Spätkomplikationen nach Implantationen zu vermeiden.
    © Zircon
Dr. Winges, sind Sie von den Ergebnissen der 9-Jahresstudie überrascht?

Keineswegs. Endlich haben wir den wissenschaftlichen Beweis für das, was ich seit über 18 Jahren in der täglichen Praxis um Patent™ Implantate sehe. Unsere jahrzehntelange Arbeit hat sich ausgezahlt, denn die Studienerkenntnis ist eindeutig: Biologische und mechanische Spätkomplikationen lassen sich mit dem richtigen Implantatsystem vermeiden.

Was hat sie dazu bewegt, das Patent™ Implantatsystem zu entwickeln?

Wir haben schlichtweg die Notwendigkeit gesehen, dies zu tun. Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatten Dr. Johan Feith und ich mehrere tausend Implantate gesetzt und waren mit vielen der damals etablierten Systeme vertraut. Trotz laufender Kontrollen und strikter Mundhygiene der Patienten hatten wir es bei vielen Implantaten nicht geschafft, sie langfristig – also 8 Jahre plus – in einem guten Zustand zu halten.

Unästhetische Grauschimmer, Schraubenlockerungen, Perimukositis und Periimplantitis – mit diesen Problemen hatten wir zu kämpfen. Das Patent™ Implantatsystem wurde mit dem Ziel entwickelt, genau solche Komplikationen zu vermeiden.

Wie sah Ihr Lösungsansatz aus?

Der Lösungsansatz besteht darin, dass das Implantat ein Soft-Tissue-Level-Design hat, um den Mikrospalt auf Knochenniveau zu vermeiden. Der parallelwandige Implantatkörper verfügt über ein konservatives Gewinde, das in Kombination mit einer besonderen Oberflächentopografie eine schnelle und sichere Einheilung gewährleistet – das hat eine Studie gezeigt [2].

Im transgingivalen Bereich ist das speziell angefertigte Zirkonoxid entscheidend, um eine starke Weichgewebsmanschette zu erreichen. Dieses starke Attachment (Soft-Tissue Seal) kann verhindern, dass Bakterien in das Gewebe eindringen und chronische Entzündungen wie Perimukositis und im weiteren Verlauf Periimplantitis verursachen.

Das prothetische Konzept basiert auf einer tulpenförmigen Plattform, um eine optimale Kraftübertragung in den Knochen gewährleisten zu können und Mikrobewegungen zu vermeiden. In Kombination mit einer adhäsiven Verbindung mit der Krone bleibt das Knochenniveau langfristig stabil.

Dies wurde in der 9-Jahresstudie eindrucksvoll belegt. Mit Zirkonoxid haben wir allerdings ein Implantatmaterial gewählt, bei dessen Herstellung es eine große Herausforderung gibt.

Welche Herausforderung meinen Sie genau?

Vor Patent™ hatten Zirkonoxidimplantate nicht die Oberflächenrauigkeit, die für eine vorhersagbare Osseointegration benötigt wird – entsprechende Technologien gab es schlichtweg nicht. Mit einem komplexen Herstellungsprozess, den wir Anfang der 2000er Jahre entwickelt und durch Patente abgesichert haben, konnten wir genau diese Herausforderung meistern.

Der patentierte Prozess gibt dem Implantat eine hohe enossale Rauigkeit und eliminiert zugleich sämtliche Mikrorisse in dessen Oberfläche. Die Bearbeitung von Zirkonoxid ist heute die Kernkompetenz von Zircon Medical Management, dem Hersteller des Patent™ Implantatsystems.

Ist es schwierig, dieses System anzuwenden?

Es ist wie mit allem im Leben: Wenn man weiß, wie etwas funktioniert, dann ist es nicht schwierig. Genauso ist es hier auch.

Anwender müssen das Konzept hinter dem System verstehen, um es bestmöglich anwenden zu können. Wenn dies gegeben ist, können herausragende Ergebnisse erzielt werden, wie die 9-Jahresstudie zeigt.

Ist Zirkonoxid die Zukunft?

Das Material Zirkonoxid allein ist nicht die Lösung, sondern vielmehr die Kombination aus Material, Design und idealem prothetischen Konzept. Die reproduzierbaren Langzeiterfolge, die dadurch erreicht werden und die in der 9-Jahresstudie gezeigt wurden, sind die Zukunft – für jede Patientin und für jeden Patienten.


Quelle:
Zircon Medical Management