Interviews


Mini-Implantate: Eine evidenzbasierte Therapieoption?

12.05.2015

Abb. 1: MDI Mini-Dental-Implantate von 3M ESPE.
Abb. 1: MDI Mini-Dental-Implantate von 3M ESPE.

Sie sind seit vielen Jahren in Deutschland erhältlich und erfreuen sich insbesondere in letzter Zeit zunehmender Beliebtheit: Mini-Implantate. Doch woran liegt es, dass immer mehr Zahnärzte die durchmesserreduzierten Implantate einsetzen? Für welche Patienten sind sie geeignet und handelt es sich inzwischen um eine evidenzbasierte Therapieform? Diese und weitere Aspekte rund um die Insertion von Mini-Implantaten erläutern vier Experten – zwei Wissenschaftler und zwei Praktiker – im Gespräch.

DI: Über viele Jahre hinweg hatten Mini-Implantate zwar einige Fans, wurden aber von zahlreichen Zahnärzten mit Skepsis betrachtet. Was führte dazu, dass sich die allgemeine Haltung gegenüber der Therapieform ändert?

Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling: Die Skepsis lag sicher vor allem darin begründet, dass die wissenschaftliche Basis lange Zeit fehlte. Inzwischen liegen zahlreiche Studienergebnisse vor, die eine Eignung von Mini-Implantaten (Abb. 1) für bestimmte Indikationen – z. B. die Stabilisierung von Totalprothesen – bestätigen. Dies führt dazu, dass Mini-Implantate kürzlich erstmals in einem Konsensus Statement des ITI Erwähnung fanden [1]. Zusätzlich ist die Akzeptanz insbesondere von zahnlosen Patienten gegenüber dieser Therapieoption sehr hoch, da ihre Bedürfnisse durch diese erfüllt werden. Das bewegt sicher auch viele Zahnärzte dazu, sich für das Konzept zu interessieren.

DI: Welche speziellen Bedürfnisse haben zahnlose Patienten und inwiefern lassen sich diese durch die Insertion von Mini-Implantaten erfüllen?

  • Abb. 2: Vier Mini-Implantate im zahnlosen Kiefer helfen, die Stabilität der Prothese zu erhöhen. Bildquelle: PD Dr. Torsten Mundt

  • Abb. 2: Vier Mini-Implantate im zahnlosen Kiefer helfen, die Stabilität der Prothese zu erhöhen. Bildquelle: PD Dr. Torsten Mundt
PD Dr. Torsten Mundt: Untersuchungen der McGill Universität Montreal zeigen, dass zahnlose Patienten sich festsitzende Prothesen wünschen, mit denen sie auch in Gesellschaft ihrer Mitmenschen kauen können, ohne Angst zu haben, dass sich insbesondere die Unterkiefer-Prothese ständig löst. Weiterhin möchten diese Patienten in der Lage sein, sich schmerzfrei zu ernähren und die Nahrungsmittel zerkleinern zu können, die sie verzehrten, als noch Zähne vorhanden waren. Mit anderen Worten: Sie wünschen sich trotz Zahnlosigkeit eine hohe Lebensqualität. Aus Studien ist bekannt, dass die Befestigung der Prothese an konventionellen Implantaten das subjektive Kauvermögen und die objektiv messbare Kaueffektivität signifikant steigert. Es kommt zu einer Umstellung in den Ernährungsgewohnheiten, die Patienten fühlen sich sicherer und die Lebensqualität steigt [2]. Jedoch sind konventionelle Implantate nur bei einer entsprechenden Knochenbreite ohne weitere operative Maßnahmen realisierbar, die anderenfalls die Risiken, die Behandlungsdauer und die primären Behandlungskosten erhöhen. Hier sind Mini-Implantate eine äußerst sinnvolle Ergänzung des Therapiespektrums (Abb. 2), da der Effekt anscheinend vergleichbar mit dem der konventionellen Implantate ist.

DI: Wie sind diesbezüglich die Erfahrungen aus der Praxis?

Dr. Jochen Hilgert: In meiner Praxis gehören diejenigen, bei denen Mini-Implantate zur Stabilisierung von Total- oder Teilprothesen inseriert wurden, zu den zufriedensten Patienten überhaupt. Dies ist nicht nur unmittelbar nach der Insertion der Fall, sondern bleibt über viele Jahre unverändert. Zahnlose Patienten freuen sich darüber, dass sie endlich wieder die gewünschte Nahrung, z. B. einen Apfel, zu sich nehmen können, ohne danach Druckstellen zu erhalten und sind extrem dankbar. Das Zahnfleisch unter der Prothese ist in der Regel sehr gesund, die Plaqueanlagerungen an den Mini-Implantaten sind minimal und es findet nahezu kein Knochenabbau statt.

DI: Welche Ergebnisse klinischer Studien liegen zur Steigerung der Lebensqualität durch Insertion von Mini-Implantaten vor?

  • PD Dr. Torsten Mundt ist Oberarzt in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde der Universitätsmedizin Greifswald. Er befasste sich im Rahmen wissenschaftlicher Studien, die von der Universität Greifswald initiiert wurden, mit der klinischen Eignung von Mini-Implantaten für unterschiedliche Indikationen.

  • PD Dr. Torsten Mundt ist Oberarzt in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde der Universitätsmedizin Greifswald. Er befasste sich im Rahmen wissenschaftlicher Studien, die von der Universität Greifswald initiiert wurden, mit der klinischen Eignung von Mini-Implantaten für unterschiedliche Indikationen.
PD Dr. Torsten Mundt: Dieser Aspekt wurde bereits in unterschiedlichen klinischen Studien untersucht. An der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Greifswald wurde beispielsweise eine retrospektive multizentrische Studie durchgeführt [3]. Im Rahmen dieser wurden in neun Zahnarztpraxen 133 Patienten mit wenigstens einem zahnlosen Kiefer nachuntersucht, deren totale Prothesen mit MDI stabilisiert wurden. Ermittelt wurden neben den 4-Jahres- Überlebensraten, die mit denen konventioneller Implantate vergleichbar waren (im Oberkiefer 94,3 % und im Unterkiefer 95,7 %), und dem Nachsorgeaufwand auch die Veränderung der Lebensqualität. Dabei berichteten etwa 95 % der Patienten von einer spürbaren Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität durch die Mini-Implantate (Abb. 3).

Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling: An der Universität Bern wurde ebenfalls eine klinische Studie initiiert, in der verschiedene Faktoren bei der Stabilisierung von Unterkiefer-Totalprothesen mit Mini-Implantaten analysiert wurden. Dazu gehörte auch eine Ermittlung der Patientenzufriedenheit. Dabei wurde festgestellt, dass unmittelbar nach Insertion der Mini-Implantate bereits eine deutliche Steigerung der Lebensqualität erzielt werden konnte.

DI: Welche weiteren Aspekte wurden im Rahmen dieser Studie analysiert?

  • Abb. 3: Gesteigerte Lebensqualität durch Insertion von Mini-Implantaten. Bildquelle: Universität Greifswald [3]

  • Abb. 3: Gesteigerte Lebensqualität durch Insertion von Mini-Implantaten. Bildquelle: Universität Greifswald [3]
Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling: Untersucht wurden vornehmlich Faktoren, die in bereits vorliegenden Studien keine Berücksichtigung fanden. Dazu gehörten das Handling, der Verschleiß, die Kaukräfte und Kaueffizienz sowie deren Entwicklung im Verlauf der Zeit. Zudem wurde der Knochenabbau ermittelt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Matrizen bei dem verwendeten System – MDI Mini-Dental-Implantaten von 3M ESPE – einen sehr guten Sitz aufweisen und der Verschleiß gering ist. Dieser tritt lediglich an den Matrizen und nicht an den Implantaten auf – eine Korrelation mit der Implantatposition bzw. der Beißkraft wurde nicht festgestellt. Gemessen wurde jedoch eine allmähliche Kaukraftsteigerung: Diese verdoppelte sich über einen Zeitraum von 52 Monaten ab Implantatinsertion. Zudem bestätigte sich, dass es möglich ist, die bestehenden Prothesen umzuarbeiten – in einigen Fällen ist eine Verstärkung der Prothesenbasis mit einem Modellgussband erforderlich. Der Knochenabbau war ähnlich wie bei Standarddurchmesser-Implantaten gering, es gibt Hinweise auf die typischen Remodelling-Prozesse.

DI: Welche klinischen Implikationen leiten sich aus den vorliegenden Studienergebnissen ab?

  • Abb. 4: Übersicht über die Längen und Durchmesser des MDI-Systems von 3M ESPE.

  • Abb. 4: Übersicht über die Längen und Durchmesser des MDI-Systems von 3M ESPE.
Dr. Ulf-Peter Krausch: Die Ergebnisse decken sich mit meinen eigenen klinischen Erfahrungen hinsichtlich der Stabilisierung von Totalprothesen: Insbesondere im zahnlosen Unterkiefer konnte auch ich sehr gute Langzeiterfolge erzielen. Die mit konventionellen Implantaten vergleichbaren Überlebensraten und die hohe Patientenzufriedenheit zeigen, dass Mini-Implantate gerade in dieser Indikation eine sehr sinnvolle Alternative zu konventionellen Implantaten darstellen. Eine Insertion ist allerdings nur dann indiziert, wenn es die Knochenanatomie erlaubt: Erforderlich ist u. a. ein ausreichendes vertikales Knochenangebot, da die Implantate eine Länge von mindestens 10 mm aufweisen (Abb. 4). Bestätigt wird außerdem, dass die bestehende Prothese häufig weiter verwendet werden kann und im Unterkiefer in vielen Fällen eine Sofortbelastung möglich ist. Nun erwarte ich mit Spannung die Ergebnisse weiterer, prospektiver Studien.

DI: Welche weiteren Aspekte hinsichtlich des Einsatzes von Mini-Implantaten sind aus Ihrer Sicht noch zu untersuchen?

  • Dr. Ulf-Peter Krausch ist Mitinhaber einer zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie in Frankfurt am Main. Mini-Implantate werden von ihm seit 2006 in allen freigegebenen Indikationsbereichen, d.h. zur Stabilisierung von Total- und Teilprothesen sowie zum Ersatz von Einzelzähnen bei schmalen Prämolaren- und Frontzahnlücken eingesetzt.

  • Dr. Ulf-Peter Krausch ist Mitinhaber einer zahnärztlichen Gemeinschaftspraxis mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie in Frankfurt am Main. Mini-Implantate werden von ihm seit 2006 in allen freigegebenen Indikationsbereichen, d.h. zur Stabilisierung von Total- und Teilprothesen sowie zum Ersatz von Einzelzähnen bei schmalen Prämolaren- und Frontzahnlücken eingesetzt.
Dr. Ulf-Peter Krausch: Mich interessieren in erster Linie zusätzliche prospektive Studien zur Eignung von Mini-Implantaten verglichen mit konventionellen Implantaten bei der Stabilisierung von Prothesen im zahnlosen Unterkiefer. Außerdem sind Untersuchungen der Indikation der Pfeilervermehrung zur Erhöhung der Stabilität und Retention von Teilprothesen wünschenswert. Zu untersuchen wäre meines Erachtens vor allem, inwiefern sich die Verwendung von Mini-Implantaten im Sinne der strategischen Pfeilervermehrung durch Reduktion der auf die natürlichen Pfeiler einwirkenden Scherkräfte positiv auf deren Lebensdauer auswirkt.

DI: Welche weiteren Studien werden aktuell an der Universitätsmedizin Greifswald durchgeführt?

PD Dr. Torsten Mundt: Die Universität Greifswald initiierte zunächst eine retrospektive Studie über Mini- Implantate, die ausschließlich zur Pfeilervermehrung für eine bessere Abstützung von herausnehmbarem Zahnersatz und zur Entlastung der verbliebenen Pfeilerzähne inseriert wurden. Denn hierzu wurden bisher noch keine wissenschaftlichen Daten veröffentlicht. Ziel der Untersuchung ist es, die klinische Performance von Mini-Implantaten zur Pfeilervermehrung für herausnehmbaren Zahnersatz durch einen unabhängigen Untersucher zu erfassen. Eingeschlossen ist ein röntgenologisches Follow- up, um das Knochenniveau an den Implantaten zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung mit dem Niveau kurz nach der Implantation zu vergleichen. Weiterhin begann im letzten Jahr eine groß angelegte multizentrische Studie in drei Praxen und unserer Einrichtung mit Patienten, die entsprechend einer eigens für die Pfeilervermehrung entwickelten neuen Klassifikation mit MDI von 3M ESPE versorgt werden. Hierbei werden nicht nur klinische und röntgenologische, sondern auch patientenzentrierte Parameter wie Kaueffektivität, Zufriedenheit mit dem Zahnersatz und Veränderungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität longitudinal erfasst.

DI: Herr Dr. Hilgert, wie lautet Ihr Fazit hinsichtlich der Eignung von Mini-Implantaten speziell in den Indikationen der Stabilisierung von Totalprothesen und der strategischen Pfeilervermehrung?

  • Dr. Jochen Hilgert ist niedergelassen in der Gemeinschaftspraxis Dres. Hilgert, Dr. Hannig in Drensteinfurt. Sein erstes Mini-Implantat inserierte er 2001 zur Stabilisierung einer Totalprothese, seit 2003 verwendet er diese auch in der Indikation der Pfeilervermehrung zur Erhöhung der Retention von Teilprothesen. Er ist u. a. als Referent für 3M ESPE tätig.

  • Dr. Jochen Hilgert ist niedergelassen in der Gemeinschaftspraxis Dres. Hilgert, Dr. Hannig in Drensteinfurt. Sein erstes Mini-Implantat inserierte er 2001 zur Stabilisierung einer Totalprothese, seit 2003 verwendet er diese auch in der Indikation der Pfeilervermehrung zur Erhöhung der Retention von Teilprothesen. Er ist u. a. als Referent für 3M ESPE tätig.
Dr. Jochen Hilgert: Für die Verwendung von Mini- Implantaten im zahnlosen Unterkiefer ist inzwischen ausreichend Evidenz vorhanden und es gibt ebenfalls wissenschaftliche Daten, die auf hohe Erfolgsraten im zahnlosen Oberkiefer hinweisen. Hinsichtlich der strategischen Pfeilervermehrung liegen noch keine Ergebnisse aus klinischen Studien vor. Die eigene Erfahrung und Statistik der letzten elf Jahre zeigt jedoch, dass das System ausgezeichnet funktioniert (Abb. 5 und 6). Bei rund 550 als strategische Pfeiler inserierten Mini- Implantaten in meiner Praxis lag die Überlebensrate bei 90 %. Bei Ausschluss von sieben Patienten, bei denen alle Implantate aufgrund medizinischer Vorerkrankungen versagten, liegt diese sogar bei 95 %. Auch diese Patientengruppe ist mit der Therapie selbst und dem Behandlungsergebnis in der Regel sehr zufrieden, die verbesserte Statik führt erfahrungsgemäß zu einer deutlich verlängerten Lebensdauer der natürlichen Zähne. Und bei einem Verlust dieser ist es jederzeit möglich, weitere Mini-Implantate zu inserieren.
  • Abb. 5: Klinische Situation nach der minimalinvasiven Insertion von vier Mini-Implantaten, die als zusätzliche Pfeiler dienen. Bildquelle: Dr. Jochen Hilgert
  • Abb. 6: Kontroll-OPG der Situation nach Implantatinsertion. Bildquelle: Dr. Jochen Hilgert
  • Abb. 5: Klinische Situation nach der minimalinvasiven Insertion von vier Mini-Implantaten, die als zusätzliche Pfeiler dienen. Bildquelle: Dr. Jochen Hilgert
  • Abb. 6: Kontroll-OPG der Situation nach Implantatinsertion. Bildquelle: Dr. Jochen Hilgert

DI: Wie ist Ihre Einstellung hinsichtlich der Eignung von Mini-Implantaten in der Indikation der strategischen Pfeilervermehrung?

  • Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling, MAS betreibt eine Praxisklinik und Akademische Lehrpraxis der Universität Bern in Kreuztal. Zudem ist er Professor und Oberarzt I der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Abteilung für Gerodontologie an der Universität Bern und Oberarzt der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffwissenschaften der Universität Bonn. An der Universität Bern betreute er eine Studie zu Mini-Implantaten.

  • Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling, MAS betreibt eine Praxisklinik und Akademische Lehrpraxis der Universität Bern in Kreuztal. Zudem ist er Professor und Oberarzt I der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Abteilung für Gerodontologie an der Universität Bern und Oberarzt der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffwissenschaften der Universität Bonn. An der Universität Bern betreute er eine Studie zu Mini-Implantaten.
Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling: Laut den klinischen Erfahrungen einiger Zahnärzte wie Herrn Dr. Hilgert funktionieren Mini-Implantate auch in dieser Indikation sehr gut. Nun gilt es, von wissenschaftlicher Seite zu erörtern, warum dies der Fall ist. Aus Sicht der Universität Bern ist es kritisch, unterschiedliche Attachmentsysteme miteinander zu kombinieren. Welche Auswirkungen es hat, wenn im Patientenmund unterschiedliche Systeme – z. B. Teleskope und einteilige Mini-Implantate – zum Einsatz kommen, muss erst untersucht werden. Zudem gilt es zu analysieren, wie stabil die Verbindung zwischen starren natürlichen Pfeilern und der resilienten Auflage der Prothese auf Mini-Implantaten ist. Möglicherweise führt dies zu geringeren Überlebensraten der Mini-Implantate. Deutlich zu sein scheint, dass eine Verbesserung gegenüber einer fehlenden Abstützung erzielt wird, ob diese jedoch besser ist als mit konventionellen Implantaten, werden die Studien zeigen.

DI: Über welche Kenntnisse muss ein Zahnarzt verfügen, um Mini-Implantate fachgerecht inserieren zu können?

Dr. Ulf-Peter Krausch: Voraussetzungen sind Kenntnisse in der zahnärztlichen Chirurgie und der Anatomie. Insbesondere bei einem schmalen Kieferkamm stellt die korrekte Insertion eine Herausforderung dar. Um den Umgang mit dem Mini-Implantatsystem von 3M ESPE zu erlernen, empfiehlt sich der Besuch entsprechender Schulungen, die der Hersteller regelmäßig organisiert. Hier wird vermittelt, nach welchen Kriterien zu entscheiden ist, ob sich Mini-Implantate für einen bestimmten Fall eignen, wie die anatomische Situation und die Knochenverhältnisse zu analysieren sind etc. Auch Ansätze zur Lösung möglicher Probleme werden besprochen. Wichtig ist, dass das hier erlernte chirurgische und prothetische Protokoll eingehalten wird, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Vorteile des MDI-Systems sind für Einsteiger das wenig aufwendige chirurgische Verfahren und die Übersichtlichkeit der Komponenten.

DI: Für welche Patientengruppe sind MDI Mini- Dental-Implantate besonders geeignet?

PD Dr. Torsten Mundt: Wir verwenden Mini-Implantate zur Stabilisierung von vorhandenen Teil- und Vollprothesen, wenn das Knochenangebot die Insertion von konventionellen Implantaten ohne augmentative Maßnahmen nicht zulässt. Das wird besonders bei älteren und multimorbiden Patienten interessant, da es insgesamt das Operationsrisiko, den Aufwand und die Kosten reduziert. Mini-Implantate sind für uns deshalb eine minimalinvasive Therapieoption.