Interviews


Moderne Tools optimieren die Prophylaxe

09.06.2015

Die neuen Funktionen der Oral-B App erlauben eine noch gezieltere Pflege und erinnern den Patienten an seinen nächsten Zahnarzttermin. (Bild: Oral-B)
Die neuen Funktionen der Oral-B App erlauben eine noch gezieltere Pflege und erinnern den Patienten an seinen nächsten Zahnarzttermin. (Bild: Oral-B)

Auf der diesjährigen IDS präsentierte der Mundpflegespezialist Oral-B eine Talkrunde zum Thema „Zukunft verbindet – Biofilm-Management in neuer Dimension“. Als Experte mit dabei war auch Dr. Alessandro Devigus, Gründer und Präsident der SGcZ (Swiss Society of computerized Dentistry) sowie CEREC Instruktor am Zahnmedizinischen Zentrum der Universität Zürich und praktizierender Zahnarzt aus Zürich. In unserem Gespräch erklärt er, wie Praxen und Patienten von digitalen Prophylaxe-Hilfsmitteln profitieren können und welche Bedeutung die Erkenntnisse des Oral-B Live Talk für das Thema Compliance haben.

DI: Herr Dr. Devigus, im Rahmen der diesjährigen IDS haben Sie als Experte am Oral-B Live-Talk teilgenommen. Worum ging es dabei?

  • Dr. Alessandro Devigus: „Digitale Hilfsmittel können dabei helfen, die Compliance zu verbessern.“ (Bild: Dr. Devigus)

  • Dr. Alessandro Devigus: „Digitale Hilfsmittel können dabei helfen, die Compliance zu verbessern.“ (Bild: Dr. Devigus)
Dr. Alessandro Devigus: Ziel dieser Gesprächsrunde war es, die Chancen der Digitalisierung für den Prophylaxesektor aus verschiedenen Blickwinkeln zu diskutieren. Zu diesem Zweck waren Talk-Gäste aus dem Bereich der Zukunftsforschung, der Produktentwicklung und eben auch aus der Praxis eingeladen. In vielen anderen Gebieten der Zahnheilkunde ist die Digitalisierung ja bereits ein fester Bestandteil, man denke nur an die restaurative Zahnmedizin oder etwa die Implantologie. Bei der Prophylaxe hingegen denken die meisten zunächst an klassische Methoden und Hilfsmittel, das Zähneputzen mit Zahnbürste und Zahncreme oder auf professioneller Seite das Biofilm-Management mit der Kürette. Tatsächlich ist es aber so, dass auch hier digitale Hilfsmittel zu einer Verbesserung der Mundgesundheit beitragen können. Denn ähnlich wie in anderen Gesundheits- oder Fitnessbereichen gibt es für die Oralprophylaxe ebenfalls Apps, mit deren Hilfe sich die Compliance erhöhen und somit letztlich ein besseres Ergebnis erzielen lässt.

DI: Nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Compliance suchen Praxisteams jeden Tag. Welchen neuen Ansatz bietet in diesem Zusammenhang eine Zahnpflege-App?

Dr. Alessandro Devigus: Sicherlich, die Patienten-Compliance ist für den Behandlungserfolg in vielen Fällen ein so wichtiger Faktor, dass auf diesem Gebiet vollkommen zu Recht schon Einiges unternommen wird. Über die Motivation und Instruktion im Beratungsgespräch lassen sich mit der richtigen Gesprächsführung beispielsweise schon gute Erfolg erzielen. Nur ist es oftmals leider so, dass derartige Fortschritte nicht von der gewünschten Dauer sind. Liegt der Zahnarztbesuch erstmal wieder eine Weile zurück, fällt der Patient nicht selten in alte Verhaltensmuster zurück. Zahnpflege- Apps können dem entgegenwirken, indem sie die Kommunikation zwischen Patient und Praxis verbessern. Ganz konkret hat das Praxisteam nämlich die Möglichkeit, Ratschläge wie Putztipps oder Hinweise zu bestimmten Mundpflegehilfsmitteln auf dem Smartphone des Patienten zu hinterlegen. Auf diese Weise nimmt der Patient die Empfehlungen mit nach Hause, wo sie dann beim Zähneputzen mit der App gewissermaßen „eingeblendet“ werden.

DI: Inwiefern lässt sich dabei der Einzelfall berücksichtigen? Welche Individualisierungsmöglichkeiten bieten Zahnpflege-Apps?

Dr. Alessandro Devigus: Eine Individualisierung wird allein schon dadurch erleichtert, dass die Daten ja ganz gezielt auf dem Handy des jeweiligen Patienten gespeichert werden. Habe ich etwa einen Implantatpatienten, bei dem es mir ganz besonders darauf ankommt, dass er seine Interdentalpflege intensiviert, so kann ich ihm einen entsprechenden Hinweis hinterlassen. Er wird dann zu Hause daran erinnert, regelmäßig zur Interdentalbürste zu greifen. Darüber hinaus habe ich die Möglichkeit, den nächsten Recall-Termin auf dem Smartphone meines Patienten einzuspeichern. Auf diese Weise reduziert sich die Gefahr, dass der Termin in Vergessenheit gerät. Schließlich will man gerade bei behandlungsintensiven Fällen sichergehen, dass ein engmaschiger Recall-Turnus zustande kommt.

DI: Für welche Patienten ist eine solche App geeignet? Wann macht es Sinn, eine in diese Richtung gehende Empfehlung auszusprechen?

Dr. Alessandro Devigus: Prinzipiell gibt es da keine Einschränkung, aber man sollte sicherlich die Erfolgswahrscheinlichkeit einer solchen Empfehlung bedenken. Einen älteren Patienten, der sich aus Gewohnheitsgründen womöglich schon mit dem Wechsel zur elektrischen Mundpflege schwertut, wird man mit einer Zahnpflege-App nur schwer erreichen können. Anders sieht es jedoch bei jüngeren Patienten aus. Für sie gehört das Smartphone als fester Bestandteil zum Alltag dazu und erste Berührungspunkte mit Healthcare- oder Fitness-Apps sind womöglich ebenfalls schon gegeben. Hier fällt die Empfehlung einer Zahnpflege- App unter Umständen auf fruchtbaren Boden. Der allgemeine Trend jedenfalls geht ganz klar in Richtung digitaler Hilfsmittel für das eigene Gesundheitsmanagement. Wieso sollte die Mundgesundheit dabei eine Ausnahme darstellen?

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Devigus!

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