Interviews


Nobel Biocare geht mit 2 Innovationen gestärkt in die Zukunft

15.06.2021

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Um Nobel Biocare war es in den letzten Jahren eher ruhig geworden. Mit neuer Power, einem erweiterten Team und 2 Produktinnovationen hat sich das weltweit agierende Dentalunternehmen für die Zukunft viel vorgenommen. Wir haben Stefan Lieb, Regional Director DACH, befragt, welche Ziele Nobel Biocare verfolgt.

ZMK: Herr Lieb, seit Anfang des Jahres sind Sie als Regional Director DACH bei Nobel Biocare für die Märkte Deutschland, Österreich und die Schweiz verantwortlich. Sicherlich in Zeiten von Corona keine einfache Aufgabe. Welches sind Ihre größten Herausforderungen?

  • Stefan Lieb, Regional Director DACH-Region, Nobel Biocare.

  • Stefan Lieb, Regional Director DACH-Region, Nobel Biocare.
    © Nobel Biocare
Stefan Lieb: Unsere größte Herausforderung war es, während der andauernden Corona-Pandemie 2 bahnbrechende hochinnovative Produkte zu launchen. Ich bin zwar erst seit Januar dieses Jahres als Regional Director für die DACH-Region zuständig, habe aber vorab als Country Manager Germany bei Nobel Biocare die gesamte Markteinführung begleitet. Wir sind zurück mit hohen Ansprüchen und wollen unsere Innovationen nun auch einem breiteren Publikum zugänglich machen.

ZMK: Schon vor der Pandemie war es ungewöhnlich still geworden um Nobel Biocare. Was hatte das rückblickend für Gründe?

Stefan Lieb: Sie haben recht. Wir hatten in der DACH-Region teils umtriebige Zeiten mit einigen Personalwechseln. Zudem haben wir uns in den letzten Jahren von Danaher gelöst und sind nun zusammen mit KavoKerr und Ormco ein reines Dentalunternehmen. Weltweit sind wir nach wie vor die Nummer 2, unsere Produkte sind hervorragend, das wissen unsere Kunden auch. Wir haben aus Fehlern gelernt und wollen jetzt auch in Europa und vor allem der DACH-Region wieder zu alter Stärke kommen.

ZMK: Es scheint als hätten Sie diese Stille genutzt, denn Sie kommen aktuell gleich mit 2 Neuheiten auf den Markt. Welche Highlights können Sie unseren Leserinnen und Lesern heute vorstellen?

Stefan Lieb: Danke für diese Möglichkeit, unsere beiden Top-Neuheiten vorzustellen. Da ist zum einen GalvoSurge®, ein neuer Ansatz für die Implantatreinigung bei Periimplantitis und zum anderen ein komplett neu gedachtes Nobel Biocare N1™ System. Das N1™ System geht weg vom üblichen Bohrprotokoll und ermöglicht die Implantation in nur 3 Schritten: Direct – Shape – Place.

ZMK: GalvoSurge®, was hat es damit auf sich?

Stefan Lieb: GalvoSurge® wurde von PD Dr. Dr. Markus Schlee, Dr. Urs Brodbeck und Dr. Holger Zipprich für eine zuverlässige Periimplantitistherapie entwickelt. Am 15. Oktober 2020 wurde das Gerät gelauncht, seither ist es in Europa verfügbar. Es können damit alle Implantatoberflächen aus Titan gereinigt werden. Es freut uns sehr, dass es überaus gut eingeschlagen hat. Das allgemein positive Feedback beweist uns, dass das Verfahren funktioniert und wir in eine Marktlücke gestoßen sind und wir sehen, wie viele Periimplantitisfälle es tatsächlich gibt.

ZMK: Wie funktioniert GalvoSurge®?

Stefan Lieb: Mit dem elektrolytischen GalvoSurge-Verfahren werden Wasserstoffbläschen auf der Implantatoberfläche erzeugt, sodass der Biofilm komplett entfernt wird, ohne dass es abrasiv ist und auch nichts aufgetragen wird. Das Implantat hat nach der Anwendung eine fast sterile Oberfläche. Es ist hydrophil, zieht Flüssigkeit an und begünstigt dadurch die Re-Osseointegration. Diese wurde von Dr. Schlee bereits nachgewiesen. Für uns ist GalvoSurge® die einzige wirklich funktionierende Periimplantitistherapie. Bei anderen Verfahren verbleiben immer Reste des Biofilms auf der Implantatoberfläche, was die Gefahr erhöht, dass die Periimplantitis schnell wieder zurückkommt. Wir sehen Galvo-Surge® als Game Changer – im Gegensatz zu einer sonst drohenden "Never Ending Story".

ZMK: Wann kommt GalvoSurge® zum Einsatz?

Stefan Lieb: Interessant ist GalvoSurge® immer dann, wenn bei einem Periimplantitisfall die Prothetik erhalten werden kann. Für den Patienten ist es viel weniger invasiv, denn es bedarf je nach Defektgröße nur eines chirurgischen Schrittes. Pro Implantat beträgt die Reinigungsdauer 2 Minuten, und die Anwendung ist simpel.

Wenn hingegen ein Implantat entfernt werden muss, ist das viel komplizierter und teurer. Auch für den Behandler ist die für die Therapie anzusetzende Zeit, im Vergleich zu dem, was als Analogposition abgerechnet werden kann, sehr gut. Denn die Implantatreinigung geht natürlich viel schneller als eine Neuimplantation.

ZMK: Bereits 2019 wurde bei der EAO in Madrid das N1™ System vorgestellt. Nun sind weitere 2 Jahre vergangen, bis es die Marktreife erreicht hat. Warum hat das so lange gedauert?

Stefan Lieb: Sie haben recht, die Entwicklung hat sehr lange gedauert. Es wurde 7 Jahre lang entwickelt, Grundlagenforschung betrieben und wir haben nun ein komplett neues und innovatives System, das jetzt in Europa verfügbar ist.

ZMK: Was ist das Besondere am N1™ System?

Stefan Lieb: Das Nobel Biocare N1™ System ist mehr als nur ein weiteres Implantat – es ist ein umfassendes System aus speziellen Instrumenten und prothetischen Komponenten. Das völlig neu entwickelte Bohrprotokoll ermöglicht die Implantation in nur 3 Schritten: Direct – Shape – Place. Das erste Instrument des Protokolls ist der OsseoDirector™ für die Implantatbettpräparation, das die endgültige Implantatposition definiert.

  • OsseoDirector™.
  • OsseoDirector™.
    © Nobel Biocare

Der 2. Schritt erfolgt mit dem OsseoShaper™. Das Bohrprotokoll überzeugt mit Vorteilen für den Knochen, die Osseointegration, die Sicht und die Sicherheit. Denn der Bohrer denkt mit. Es folgt die Insertion des N1™ Implantats mit trioval-konischer Verbindung. Durch das Primärregistrat gleiten die N1-Abutments an ihren Platz, wodurch eine starke und stabile Passung entsteht.

ZMK: Und welche Indikationen können mit dem N1™ System versorgt werden?

Stefan Lieb: Das N1™ System wurde für die Stabilität und frühe Gewebeintegration entwickelt sowie für die Sofortimplantation und -belastung optimiert. Spezielle Prothetik mit optimierten Emergenzprofilen, Oberflächen und triovalen Formen ist auf langfristige Gewebestabilität, Ästhetik und prothetische Flexibilität ausgelegt. Selbstverständlich bieten wir Lösungen vom Einzelimplantat in der ästhetischen Zone bis hin zur Versorgung des Leerkiefers.

ZMK: Bietet das System auch Vorteile in der Prothetik?

Stefan Lieb: Die Implantatabutment-Verbindung koppelt die Vorteile aus 2 Welten – es gibt keine Probleme mehr mit dem Mikrospalt. Denn die Abutments gleiten mit der vollindexierten trioval-konischen Verbindung an ihren Platz. Weitere Vorteile sind die einfache Verbindung und eine Indexierung ohne Rotationsspiel. Das ist technisch extrem ausgeklügelt.

ZMK: Wo sehen Sie die Hauptzielgruppe für das N1™ System?

Stefan Lieb: Die Zielgruppe für das N1™ System ist breit gefächert, denn das System bietet viele Möglichkeiten. Für den Chirurgen bietet es eine Vereinfachung und Verkürzung der Behandlung. Das Team braucht für die Aufbereitung viel weniger Zeit. Auch in Hinblick auf die MDR wird die lückenlose Nachverfolgung der Bohrer je Patient vereinfacht, da wir mit zugepackten Einpatientenbohrern arbeiten. Der Zuweiser wünscht sich eine klare Positionierung für das Abutment. Das ist mit dem N1™ System sehr einfach, da die Innenverbindung das einfache Eingleiten zur finalen Position des Abutments ermöglicht. Und für den Einsteiger bietet das N1™ System einen absoluten Vorteil, da der OsseoShaper™ mitdenkt, den weichen Knochen kondensiert und den harten schneidet. Das gibt zusätzlich Sicherheit in der Anwendung.

ZMK: Aktuell ist es eher schwierig, potenzielle Kunden persönlich zu besuchen oder bei Messen und Kongressen zu treffen. Welche Chancen nutzen Sie, um Ihre Kunden von den Neuheiten zu überzeugen?

Stefan Lieb: Unsere Kunden sind alles Haptiker, unsere Neuentwicklungen leben von der praktischen Anwendung. Momentan veranstalten wir alternativ Webinare. Unsere bisherige „Never Stop“-Reihe war sehr erfolgreich – die 3 ersten Webinare waren mit knapp 3.000 Registrierungen stark besucht. Das letzte Webinar der Reihe zum Thema X-Guide® fand gerade vor wenigen Tagen statt. Zudem wurden in den letzten Wochen auf DACH-Ebene Hands-on-Kurse in kleiner Runde mit 10 bis 20 Teilnehmern zusammen mit den Entwicklern durchgeführt. Dort konnten die Teilnehmer im Rahmen der jeweiligen Pandemie-Vorschriften das N1 System in die Hand nehmen, testen, den OsseoShaper™ spüren und GalvoSurge® in Augenschein nehmen.

Im 2. Halbjahr geht es damit selbstverständlich weiter. Zudem wird es Test-OPs geben. Der Besuch eines Außendienstmitarbeiters in der Praxis ist natürlich jederzeit möglich. Für die Zukunft planen wir weiterhin Großveranstaltungen – entweder rein digital oder hybrid.

ZMK: Was planen Sie kurz- und langfristig?

Stefan Lieb: Wir sind aktuell dabei unsere Vertriebsmannschaft auszubauen und insgesamt weiter zu expandieren. Wir wollen im Unternehmen Kompetenzen sammeln, die uns weiterbringen. Die beiden aktuellen Innovationen kommen aus Deutschland und der Schweiz. Das macht uns sehr stolz und motiviert für die Zukunft.

ZMK: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!


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