Interviews

Dr. Sandro Matter im Interview zum neuen Keramikimplantat

Nobel Biocare präsentiert NobelPearl

12.06.2018

Bereits im vergangenen Oktober gab Nobel Biocare im Rahmen der EAO 2017 in Madrid seine Partnerschaft mit Dentalpoint, dem Schweizer Hersteller von Keramikimplantaten, bekannt. Jetzt ist es soweit: Nobel Biocare erweitert sein Portfolio der Titanimplantate durch eine keramische metallfreie Implantatlinie. Dr. Sandro Matter, Vice President Multi-Brand Strategy Nobel Biocare, berichtet im Interview über diese Entwicklung.

DI: Was hat Nobel Biocare dazu veranlasst jetzt in den Markt für Keramikimplantate einzusteigen?

Dr. Sandro Matter: Das Patienteninteresse an Keramikimplantaten nimmt seit einigen Jahren stetig zu. Patienten wünschen sich eine metallfreie Lösung und schätzen die ästhetischen Vorteile von Keramikimplantaten. Gleichzeitig haben Entwicklungen in der Werkstoffkunde die Festigkeit, Stärke und Bruchzähigkeit von Zirkondioxid erheblich verbessert. Wir realisierten, dass Keramikimplantate mittlerweile unsere hohen Anforderungen an die Qualität erfüllen können und eine reale Chance darstellen, unser Angebot zu erweitern. Keramik ist ein spannender zukunftsweisender Schritt für uns, wir erwarten in diesem Bereich signifikantes Wachstum.

  • Das neue Keramikimplantat NobelPearl von Nobel Biocare.
  • Die Innenverbindung „Inter-X“ hilft, die bakterielle Besiedlung zu minimieren. In Kombination mit der VICARBO® Schraube entsteht eine feste und formschlüssige, doch spannungsfreie, verschraubte Keramik-Keramik-Verbindung.
  • Das neue Keramikimplantat NobelPearl von Nobel Biocare.
  • Die Innenverbindung „Inter-X“ hilft, die bakterielle Besiedlung zu minimieren. In Kombination mit der VICARBO® Schraube entsteht eine feste und formschlüssige, doch spannungsfreie, verschraubte Keramik-Keramik-Verbindung.

DI: Warum haben Sie kein eigenes System entwickelt, sondern setzen auf die Kooperation mit Dentalpoint?

Matter: Dentalpoint verfügt über 10 Jahre Erfahrung mit der Technologie und ist weltweit führend im Bereich zweiteiliger Keramikimplantate. Nach jahrelanger Forschungsarbeit hat INTERVIEW Dentalpoint das erste metallfreie, zementfreie, zweiteilige Keramikimplantat entwickelt. Die zugrundeliegende Wissenschaft ist durch exzellente klinische Daten belegt. Uns war sehr schnell klar, dass diese neue Generation von Keramikimplantaten wirklich etwas Besonderes ist: zweiteilig, reversibel verschraubbar und 100 % metallfrei.

DI: Wie wird das System hergestellt und aus welchem Material besteht es?

Matter: Das vollständig metallfreie Keramikimplantat wird aus harten und gehippten Zirkonoxid- ATZ-Rohlingen mit einer neuartigen Bearbeitungstechnik hergestellt. Nach der finalen Formgebung des Implantats findet keine Nachbearbeitung durch thermische Prozesse (Sintern) oder Ähnliches statt. So wird sichergestellt, dass eine hohe Präzision mit engen Toleranzen erreicht wird und es zu keiner weiteren Veränderung im Materialgefüge kommen kann, weil direkt aus dem harten Material gefertigt wird. Dieses Verfahren wurde durch Dentalpoint neu für Dentalimplantate entwickelt und setzt viel Erfahrung und Know-how voraus. Jedes einzelne Implantat wird geröntgt und auf potenzielle Fehler kontrolliert.

  • Die Innenverbindung von NobelPearl wurde speziell für Keramik entwickelt. Die hochpräzise Geometrie ermöglicht das einfache Einbringen des Abutments und eine sichere und formschlüssige Passung.
  • Das weisse Material ist besonders vorteilhaft für Patienten mit dünnem Gingiva-Biotyp.
  • Die Innenverbindung von NobelPearl wurde speziell für Keramik entwickelt. Die hochpräzise Geometrie ermöglicht das einfache Einbringen des Abutments und eine sichere und formschlüssige Passung.
  • Das weisse Material ist besonders vorteilhaft für Patienten mit dünnem Gingiva-Biotyp.

  • Das zweiteilige, reversibel verschraubbare Design gewährt eine hohe prothetische Flexibilität.
  • Das zweiteilige, reversibel verschraubbare Design gewährt eine hohe prothetische Flexibilität.

DI: Wird das Implantat verschraubt oder zementiert?

Matter: Die Verschraubbarkeit ist für uns ein unverzichtbares Merkmal. Das bei den früheren Generationen der Keramikimplantate notwendige Verkleben im Mund birgt große Fehlerquellen und stellt ein vermeidbares Risiko für den klinischen Erfolg dar. Unser zweiteiliges Keramikimplantat gibt dem Behandler die Möglichkeit, seine Patienten komplett metallfrei zu versorgen und dabei genauso vorzugehen, wie er es von zweiteiligen Titanimplantaten gewohnt ist. Zudem bietet die verschraubte zweiteilige Lösung eine höhere Flexibilität bei der Restauration als einteilige oder zweiteilig verklebte Systeme.

  • Ansicht vor Insertion eines 10 mm langen Keramikimplantates RB (Regular Base, 4,2mm DM) in regio 15.
  • Okklusale Ansicht nach Implantatinsertion und der Innenverbindung des zweiteiligen Keramikimplantatsystems NobelPearl(TM).
  • Ansicht vor Insertion eines 10 mm langen Keramikimplantates RB (Regular Base, 4,2mm DM) in regio 15.
  • Okklusale Ansicht nach Implantatinsertion und der Innenverbindung des zweiteiligen Keramikimplantatsystems NobelPearl(TM).

  • Postoperative Kontroll-OPTG des Keramikimplantates nach Summers-Osteotomie unterstützter Empfängerbett- und Gewinde-Präparation mit 45 Ncm Primärstabilität.
  • Postoperative Kontroll-OPTG des Keramikimplantates nach Summers-Osteotomie unterstützter Empfängerbett- und Gewinde-Präparation mit 45 Ncm Primärstabilität.

DI: Wo sehen Sie Unterschiede und vor allem entscheidende Vorteile des NobelPearl Keramikimplantats gegenüber anderen Systemen?

  • Dr. Sandro Matter, Vice President Multi-Brand Strategy, gibt Einblicke in die Entwicklung.

  • Dr. Sandro Matter, Vice President Multi-Brand Strategy, gibt Einblicke in die Entwicklung.
    © Dr. Matter
Matter: Die entscheidende Weiterentwicklung ist die passgenaue Innenverbindung, die dank der Carbon-Keramik-Technologie eine hohe Verbindungsstärke mit hohen Ermüdungswerten erreicht. Kernstück ist die VICARBO® Schraube aus karbonfaserverstärktem Hightech-Kunststoff, der sich durch eindrückliche isoelastische Eigenschaften auszeichnet. Ähnliche Werkstoffe werden heute im Flugzeugbau verwendet. Die hochfeste und formschlüssige, verschraubte Keramik-Keramik-Verbindung ist durch die neue „Inter-X“ Innenverbindung quasi spannungsfrei. Das Design der Verbindung wurde mit dem Ziel entwickelt, die bakterielle Besiedelung oder Einlagerung zu minimieren.

DI: Welche prothetischen Optionen bieten sich dem Behandler?

Matter: Dem Behandler stehen gerade und abgewinkelte Abutments zur Verfügung als auch eine sogenannte Klebebasis in Zirkondioxid mit und ohne Rotationsschutz. Mit wenigen Teilen ist ein breites Anwendungsspektrum möglich. Das System ist in den gängigen Bibliotheken von 3Shape, exocad und in Kürze auch in DTX Studio aufgeführt und mit dem verfügbaren Scankörper auch im digitalen Workflow einsetzbar.

DI: Wie sieht es mit der Studienlage aus?

Matter: Keramikimplantate der neuesten Generation verfügen heute leider noch nicht über solch eine breite Studienlage, wie sie bei Titanimplantaten innerhalb der letzten 40 Jahre erarbeitet worden ist. Dentalpoint hat bereits einige klinische Daten publiziert. Weitere Forschungsarbeiten bzw. Studien sind bei Nobel Biocare in Vorbereitung.

DI: Herzlichen Dank, Dr. Matter, für diesen interessanten Einblick. 

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