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Intensive Mundpflege bei einer periimplantären Mukositis

Abb. 1: Mit der Indikatorflüssigkeit Plaque Test benetzter bakterieller Biofilm fluoresziert unter Blaulicht.
Abb. 1: Mit der Indikatorflüssigkeit Plaque Test benetzter bakterieller Biofilm fluoresziert unter Blaulicht.

Fehlende Zähne sind heute vielfach durch Implantate ersetzt. Häufig – mit bis zu 64 % Prävalenz – tritt bei Implantatpatienten eine Mukositis auf [1]. Diese reversible Entzündung ist unbedingt zum Abklingen zu bringen, da sie einer Periimplantitis vorausgeht [2]. Diese wiederum kann die Implantatversorgung nachhaltig gefährden. Bei der langfristigen Qualitätssicherung spielt die Kontrolle des bakteriellen Biofilms eine Schlüsselrolle. Die Ergebnisse einer aktuellen klinischen Studie aus Schweden demonstrieren den positiven Effekt der Kombination aus Mundhygieneinstruktion, professioneller Belagsentfernung und Putzen mit einem Mundpflege-Gel bei einer Mukositis [3].

Bei der periimplantären Mukositis handelt es sich um eine Entzündung des Weichgewebes um das Implantat. Der knöcherne Halteapparat ist nicht betroffen. Als klinische Symptome treten eine Schwellung und Rötung des Gewebes sowie eine erhöhte Blutungsneigung auf [4].

Klinische Untersuchung

Während der Recall-Sitzungen wird das periimplantäre Gewebe auf sichtbare Veränderungen, also die klassischen Entzündungsanzeichen, hin geprüft [4, 5]. Die Sondierung gehört zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden, die Informationen zum einen über die Taschentiefe und zum anderen über die Blutung auf Sondierung (BOP – Bleeding On Probing) liefert. Auch auf eine etwaige Rezession des periimplantären Gewebes gilt es zu achten. Das Plaque-Aufkommen gehört ebenfalls zu den regelmässig erhobenen Befunden. Für die langfristige Verfolgbarkeit und Einordnung der Ergebnisse ist es wichtig, bei dem einmal gewählten Plaque- Index zu bleiben.

Bakterieller Biofilm eindeutig erkennbar

Das Anfärben des bakteriellen Biofilms erleichtert das Erfassen des Plaque-Indexes. Hier empfiehlt sich zum Beispiel die Indikatorflüssigkeit Plaque Test von Ivoclar Vivadent. Der enthaltene Farbstoff Fluorescein markiert vor allem lebende Bakterien. Unter Blaulicht leuchtet der Biofilm gelb, während Weichgewebe dunkelblau und Zahnhartsubstanz blau erscheinen (Abb. 1). Im Gegensatz zu rot-violetten Farbstoffen eignet sich Fluorescein für die quantitative digitale Bewertung, da ein klarer Farbkontrast zur Gingiva besteht [6]. Das Visualisieren der Beläge unterstützt auch die ursachenorientierte Beratung der Patienten. Risikostellen, die beim Zähneputzen besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, sind zweifelsfrei erkennbar. Motivierende Erfolge der Mundhygiene lassen sich demonstrieren. Die Farbintensität fällt schwächer aus, oder es fluoresziert gar nicht mehr, wenn der bakterielle Biofilm vollständig beseitigt ist.

Reinigung und Schutz der Risikostellen

  • Abb. 2: Gezielte Applikation einer feinen Schutzschicht eines chlorhexidinhaltigen Lacksystems (Bild: Dr. F. Zimmerling).

  • Abb. 2: Gezielte Applikation einer feinen Schutzschicht eines chlorhexidinhaltigen Lacksystems (Bild: Dr. F. Zimmerling).
Die regelmässige professionelle mechanische Reinigung gehört zu den Standards der Nachsorge bei Implantatpatienten. Häufig wird diese Massnahme durch die Anwendung antibakterieller Produkte ergänzt. Die Applikation eines Lacksystems wie Cervitec Plus mit 1 % Chlorhexidin und 1 % Thymol schützt Risikostellen und unterstützt die Keimkontrolle [7-10]. Das liquide Präparat verteilt sich leicht bei schwer zugänglichen Bereichen an Gingivatrainern, Ankern oder Stegen (Abb. 2). Der farblose Lack überzieht die Oberfläche in einer dünnen farblosen Schicht, trocknet innerhalb weniger Sekunden ab und erhält die Ästhetik im Frontzahnbereich. Da die feine Lackschicht nicht stört, sitzen auch Steg getragene, abnehmbare Versorgungen perfekt. Schwachstellen an natürlichen Restzähnen oder Restaurationen werden direkt mitversorgt. Auf diese Weise lässt sich die potentielle von bakteriellen Retentionsnischen ausgehende Gefährdung reduzieren.

Putzen mit einem Mundpflege-Gel

Eine wichtige Rolle für den langfristigen Erhalt der Versorgungen spielt die persönliche Mundpflege des Implantatpatienten. Diese wird umso wichtiger, wenn sich schon eine Mukositis ausgebildet hat. Eine erfolgreiche Behandlungsstrategie beschreibt eine aktuelle klinische Studie aus Schweden [3]. An dieser kontrollierten Doppelblind-Studie nahmen 38 Patienten teil, Durchschnittsalter 69 Jahre, mit periimplantärer Mukositis an mindestens einem Implantat. Nach Untersuchung, Mundhygieneinstruktion und professioneller mechanischer Belagsentfernung wurden die Patienten einer Testgruppe bzw. einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die Testgruppe putzte abends über einen Zeitraum von 12 Wochen anstelle der Zahnpasta mit Cervitec Gel mit 0,2 % Chlorhexidin und 900 ppm Fluorid (Abb. 3) [11], während die Kontrollgruppe ein Placebo-Gel mit 900 ppm Fluorid ohne Chlorhexidin einsetzte. Der zusätzliche Gebrauch des Mundpflege-Gels resultierte in einem statistisch signifikanten Effekt auf Bleeding on Probing im Vergleich zum Placebo (Abb. 4).

  • Abb. 3: Cervitec Gel für das abendliche Zähneputzen.
  • Abb. 4: Bleeding on Probing (BOP) ? ja/nein ? nach Taschentiefenmessung an einem Implantat mit periimplantärer Mukositis nach Einsatz von Cervitec Gel (n = 19) bzw. Placebo-Gel (n = 18) in Kombination mit Mundhygieneinstruktion und professioneller mechanischer Belagsentfernung; Baseline, nach 4 und nach 12 Wochen [3].
  • Abb. 3: Cervitec Gel für das abendliche Zähneputzen.
  • Abb. 4: Bleeding on Probing (BOP) ? ja/nein ? nach Taschentiefenmessung an einem Implantat mit periimplantärer Mukositis nach Einsatz von Cervitec Gel (n = 19) bzw. Placebo-Gel (n = 18) in Kombination mit Mundhygieneinstruktion und professioneller mechanischer Belagsentfernung; Baseline, nach 4 und nach 12 Wochen [3].

In der Testgruppe verringerte sich darüber hinaus die Taschentiefe. Die Compliance, das mild schmeckende Gel zu benutzen, war hoch. Verfärbungen oder Geschmacksirritationen wurden über den gesamten Anwendungszeitraum nicht beobachtet. Alle Probanden hatten eine Historie mit einer fortgeschrittenen Parodontitis und schienen motiviert zu sein, ihr Implantat nicht weiter zu gefährden. Da Zähneputzen zur täglichen Routine gehört, fällt es leicht, das Mundpfl ege- Gel in den Ablauf zu integrieren [3].

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Gabriele David

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Gabriele David


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