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Minimalinvasive Sofortimplantation oder: Keep it safe & simple

Dr. Armin Nedjat
Dr. Armin Nedjat

MIMI® beschreibt seit fast zwei Jahrzehnten ein Patienten und maximal Periost schonendes OP-Verfahren: Die Minimal-invasive Methodik der Implantation ist nicht zu verwechseln mit so genannten Mini-Implantaten, die fast durchgängig aus Titan Grad 5 bestehen und einen Implantatdurchmesser von kleiner 2,9 mm aufweisen. Das MIMI®-System von Champions Implants kann auch „klassisch“, d. h. mit Augmentationen, eingesetzt werden! Die Champions® werden aus Titan Grad 4 in einer sehr bekannten Produktionsstätte in Deutschland produziert und direkt vom Hersteller vertrieben. Die Oberfläche gilt in Fachkreisen (u. a. Studie der Kölner Universitätsklinik und in den USA) als einer der Besten auf dem Markt.

 

 

 

 

Mit seit Jahren exponentiellen Zuwachszahlen und mehr als 50.000 erfolgreich eingesetzten Champions® im letzten Jahr alleine in Deutschland zählen diese bereits zu den etablierten Systemen, zumal das Preis-Leistungsverhältnis und die innovationsfreudigen Features (zementierbare „Prep Caps“ sowie das chirurgische und prothetische Procedere beim zweiteiligen (R)Evolution) quasi unschlagbar sind.

Prinzip KISS: Keep it safe & simple

Eine Primärstabilität von 40 Ncm wird bereits mit den einteiligen 3,5 mm „Classic“ (leicht konisches Ende), mit den 3,0 mm „New Art“ Champions® oder mit den zweiteiligen (R)Evolutions mit 3,5 mm Durchmesser (fast immer) erreicht. Nur dann, wenn mit den Condensern 3,0 mm oder mit den o. g. Implantaten selbst keine Primärstabilität von 30/40 Ncm erreicht wird, kommen die breiteren Durchmesser (etwa 4,5 oder gar 5,5 mm Durchmesser) zum Einsatz. Der Leitspruch früherer Jahre: „Je mehr Titan im Knochen, desto sicherer und besser!“ konnte klinisch und in Studien nicht bestätigt werden, da die periimplantäre Ernährung die wesentlichere Rolle spielt. Deshalb ist MIMI® komplikationsarm und bei den Patienten beliebt: Durch das Verfahren wird das den Knochen ernährende Periost maximal geschont. Man kann in indizierten Fällen parodontal nicht erhaltungswürdige Zähne extrahieren und in der gleichen Sitzung implantieren und bei einteiligen Champions® den Patienten sofort mit einem festen Provisorium versorgen, ehe nach acht Wochen der definitive Zahnersatz eingegliedert wird! Insofern mehr als vier feste Pfeiler inseriert oder vorhanden sind, kann sogar innerhalb der ersten 14 Tage post OP der definitive Zahnersatz erstellt, verblockt und spannungsfrei eingesetzt werden. In den Wochen 2 bis 8 post OP müssen die einteiligen Implantate auf laterale Mikrobewegungen hin stabilisiert werden, damit die POS (Primäre Osseointegrationsstabilität) gesichert in die SOS (Sekundäre Osseointegrationsstabilität) überführt werden kann. Diese „kritische Zeit“ ist also tabu: Man sollte bei festsitzendem Zahnersatz in den Wochen 2 bis 8 post OP keine Provisorien abnehmen, Implantate präparieren etc. Bei zweiteiligen Champions (R)Evolutions® können die Implantate – unabhängig vom Provisorium – in Ruhe in die SOS überführt werden. Bei kleinen Einheiten (1 bis 3 Zähne) favorisiere ich persönlich die einfach zu handhabenden (R)Evolutions®, bei größeren Einheiten (ab 4 Pfeiler) die Einteiligen. Fast ausschließlich chirurgisch-orientiert arbeitende Kollegen (MKG oder Oralchirurgen) bevorzugen generell die zweiteiligen (R)Evolutions ®, zumal es die prothetisch weiterarbeitenden Zahnärzte im Handling sehr viel leichter haben und die Gesamtbehandlung (allein schon durch die Ersparnis des Materials) für die Patienten bezahlbar bleibt.

Die Vorteile einer Sofortimplantation

Bei einer Sofortimplantation (Extraktion und Implantation in der selben Sitzung) ist nur eine OP-Behandlung notwendig und es droht – auch langfristig – kein Verlust von Weich- und Hartgewebe. Hierbei ist ein genaues Protokoll einzuhalten und bestimmte Materialien sind zu benutzen (z. B. konische Dreikantbohrer zumindest zur initialen Knochenaufbereitung). Die Abbildungen zeigen beispielhaft einen erfolgreich behandelten Patientenfall: Der Ausgangsbefund zeigt die nicht erhaltungswürdigen Zähne 34 und 36 des über 50-jährigen Patienten: Nach örtlicher Betäubung und schonender Extraktion der Zähne wurden in die frischen Wunden einteilige Champions® implantiert (Abb. 1–3).

  • Abb. 1–3: Röntgenologischer Ausgangsbefund in regio 34 bis 36 (li.). Insertion von einteiligen Champions® in die frische Wunde (Mitte). Im Bereich zwischen den ehemaligen Zahnwurzeln sieht man deutlich das Knochen-Plateau im Bifurkationsbereich (re.).
  • Abb. 2
  • Abb. 1–3: Röntgenologischer Ausgangsbefund in regio 34 bis 36 (li.). Insertion von einteiligen Champions® in die frische Wunde (Mitte). Im Bereich zwischen den ehemaligen Zahnwurzeln sieht man deutlich das Knochen-Plateau im Bifurkationsbereich (re.).
  • Abb. 2

  • Abb. 3
  • Abb. 3

Mit den bereits Knochen kondensierenden, konischen Champions®-Dreikant- Bohrern bereitet man die Knochenkavität auf, durch die das Implantat langsam mit etwa 40–60 Ncm „hineingedehnt“ wird (blaue Pfeile). Die Wirkungsweise des Implantats ähnelt dem eines Osteotoms, wobei der Knochen kontrolliert nach lateral gedehnt/kondensiert wird. Bei Sofortimplantationen zementieren wir Zirkon-„Prep Caps“ etwa 1–2 mm subgingival, was zusammen mit Hyaluronsäuregel sowie form- und resorbierbarem Kollagen eine optimale GTR (Guided Tissue Regeneration) bewirkt. Nach acht Wochen zementierten wir semi-permanent die definitiven Kronen ein (Abb. 4–7).
  • Abb. 4–6: Die Knochenkavität wird mit Champions®-Dreikant-Bohrern aufbereitet (li.). Das Implantat wird mit etwa 40 bis 60 Ncm langsam inseriert und „hineingedehnt“ (blaue Pfeile/Mitte). Definitiver Zahnersatz wurde mit Implantlink semi nach acht Wochen einzementiert (re.).
  • Abb. 5
  • Abb. 4–6: Die Knochenkavität wird mit Champions®-Dreikant-Bohrern aufbereitet (li.). Das Implantat wird mit etwa 40 bis 60 Ncm langsam inseriert und „hineingedehnt“ (blaue Pfeile/Mitte). Definitiver Zahnersatz wurde mit Implantlink semi nach acht Wochen einzementiert (re.).
  • Abb. 5

  • Abb. 6
  • Abb. 7–9: Röntgenbild zum Zeitpunkt des Einsetztermins der Brücke (li.). Hart- und Weichgewebsregeneration nach Abnahme des Zahnersatzes ein Jahr später (Mitte und re.).
  • Abb. 6
  • Abb. 7–9: Röntgenbild zum Zeitpunkt des Einsetztermins der Brücke (li.). Hart- und Weichgewebsregeneration nach Abnahme des Zahnersatzes ein Jahr später (Mitte und re.).

  • Abb. 8
  • Abb. 9
  • Abb. 8
  • Abb. 9

  • Abb. 10 und 11: Hart- und Weichgewebsregeneration und der Zahnersatz ein Jahr post OP.
  • Abb. 11
  • Abb. 10 und 11: Hart- und Weichgewebsregeneration und der Zahnersatz ein Jahr post OP.
  • Abb. 11

  • Abb. 12 und 13: Primärstabiles Sofortimplantat (li.) und vollständig verknöcherte Regeneration ein Jahr post OP (re.).
  • Abb. 13
  • Abb. 12 und 13: Primärstabiles Sofortimplantat (li.) und vollständig verknöcherte Regeneration ein Jahr post OP (re.).
  • Abb. 13

Die Abbildungen 8, 9, 10 und 13 zeigen sehr eindrucksvoll den vollständigen Erhalt bzw. die Regeneration der Knochen- und Weichgewebsverhältnisse ein Jahr post OP im Vergleich zum Einsetztermin der Brücke (Abb. 7, acht Wochen post OP) und am Implantationstag (Abb. 6 und 12) etwa ein Jahr zuvor. Nach Kontrolle der Implantatregionen setzten wir die Keramikkronen (deutsche Referenz- Meisterlabore auf www.mimi-info.de ) wieder ein. Abbildung 12 zeigt das primärstabile Sofortimplantat regio 45. Die Krone 45 wurde ebenfalls acht Wochen nach der Implantation eingesetzt! Abbildung 13 zeigt die vollständige, verknöcherte Regeneration ein Jahr post OP. Die Implantation und Prothetik regio 46, 47 erfolgten bereits im Jahre 1997.

Übrigens: Nach veralteter Lehrbuch-Ansicht mussten Implantate immer einen Abstand von 2–3 mm voneinander oder auch von benachbarten Zähnen haben! Wir konnten diese These anhand hunderter und langzeitdokumentierter Fälle eindrucksvoll widerlegen, da der Knochen bei primärstabilen Implantaten u. a. nicht erst auf das Titan „anwachsen“ muss und durch die MIMI ®-Technik der Knochen allseits sehr gut ernährt bleibt. Also 1 mm Abstand zu Nachbarzähnen und ein solcher interimplantärer Abstand scheint bereits vollkommen auszureichend zu sein. Bei einteiligen Implantaten bei Einzelzahnlücken muss eine gute Aufklärung der Patienten erfolgen und solche Provisorien und Zemente zum Einsatz kommen, die in den Wochen 2 bis 8 post OP gänzlich laterale Scherkräfte und Mikrobewegungen vermeiden und unterbinden. Dieser Patientenfall ist nur ein Beispiel von unzählig vielen, die sehr erfolgreich und sicher sind, wenn besondere Techniken und Materialien maximal Periost schonend zum Einsatz kommen.

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. (Assoc. PMS Science & Research) Dr. Armin Nedjat

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. (Assoc. PMS Science & Research) Dr. Armin Nedjat


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