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Viel Lebensqualität mit einem Eingriff

12.06.2013

Die definitive Arbeit wurde mit Lithiumdisilikat-Einzelkronen hergestellt. Dadurch wurde eine optimale Ästhetik erreicht.
Die definitive Arbeit wurde mit Lithiumdisilikat-Einzelkronen hergestellt. Dadurch wurde eine optimale Ästhetik erreicht.

Für die Versorgung von zahnlosen Menschen mit implantatgetragenem Zahnersatz gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten. Wünschen sich die Patienten feste neue Zähne, ist das All-on-4-Konzept eine Option. Bei dieser Therapie erhalten die Patienten auf vier Implantaten einen festsitzenden Zahnersatz, der bei entsprechender Primärstabilität sofort versorgt wird – ohne dass zuvor augmentative Maßnahmen notwendig sind. Dr. Bernd Quantius aus Mönchengladbach belegte 2007 seinen ersten Kurs in der Maló Clinic in Lissabon. Er erkannte, dass diese Versorgung einem großen Teil seiner zahnlosen Patienten zu mehr Lebensqualität verhelfen würde. Mittlerweile stellt die All-on-4-Therapie eine wichtige Säule seines Praxiskonzepts dar.

DI: Es gibt verschiedene Möglichkeiten den zahnlosen Kiefer implantologisch zu versorgen. Welche Aspekte des All-on-4-Konzepts haben Ihr Interesse geweckt?

Dr. Bernd Quantius: Gleich bei meinem ersten Kurs in der Maló Clinic habe ich gemerkt, dass ich mit dem Konzept diejenigen Patienten erreichen kann, die zwar einen festsitzenden implantatgetragenen Zahnersatz anstreben, aber vor augmentativen Maßnahmen und vor einer Therapiedauer von rund einem Jahr zurückschrecken. Fasziniert hat mich der Gedanke, dass ich diese Patienten mit relativ wenig chirurgischem Aufwand innerhalb eines Tages mit festen Zähnen versorgen kann. Bei diesem Konzept stehen Aufwand und Nutzen für den Patienten in einem sehr guten Verhältnis.

DI: Wie groß ist das Patientenpotenzial in Ihrer Praxis?

BQ: Es werden immer mehr. Viele meiner Patienten haben einen längeren Weg hinter sich, um eine Lösung für feste Zähne ohne augmentative Maßnahmen zu finden. Grundsätzlich tun sich zwei Patientengruppen auf, für die diese Versorgung besonders interessant zu sein scheint. Zu der einen Gruppe zählen die Patienten, die beruflich ziemlich eingespannt sind und entsprechend wenig Zeit für eine Therapie aufbringen können oder wollen. Diese Menschen lehnen es ab, ein Jahr mit einer Behandlung nach der konventionellen Vorgehensweise mit Knochenaufbau und gedeckter Einheilung zu verbringen. Das passt nicht in ihr Leben. Zu der zweiten Gruppe gehören die Menschen, die chirurgischen Eingriffen eher ängstlich gegenüberstehen und deshalb eine herkömmliche Therapie ablehnen. Meine Patienten sind begeistert, wenn sie einen Tag nach der OP mit der festsitzenden provisorischen Restauration die Praxis verlassen. Das freut auch mich.

  • Abb. 1: Ausgangssituation eines 69-jährigen Patienten mit nicht erhaltungswürdiger Restbezahnung im Oberkiefer. Die Knochenqualität und -quantität war ausreichend, um den Patienten nach dem All-on-4-Konzept zu versorgen.
  • Abb. 2: Die Sofortversorgung wurde innerhalb von 24 Stunden nach der Insertion der Implantate (NobelSpeedy) eingesetzt.
  • Abb. 1: Ausgangssituation eines 69-jährigen Patienten mit nicht erhaltungswürdiger Restbezahnung im Oberkiefer. Die Knochenqualität und -quantität war ausreichend, um den Patienten nach dem All-on-4-Konzept zu versorgen.
  • Abb. 2: Die Sofortversorgung wurde innerhalb von 24 Stunden nach der Insertion der Implantate (NobelSpeedy) eingesetzt.

  • Abb. 3: Nach ca. 6 Monaten erfolgte die Abdrucknahme für die definitive Versorgung.
  • Abb. 3: Nach ca. 6 Monaten erfolgte die Abdrucknahme für die definitive Versorgung.

DI: Von Ihrem ersten All-on-4-Kurs bis zur Versorgung der ersten Patienten – war das ein langer Weg?

BQ: Ich habe wenige Wochen nach meiner ersten Fortbildung begonnen, die ersten Patienten nach All-on-4 zu versorgen. Dann habe ich noch vier weitere Kurse bei Prof. Paulo Maló besucht, mehrere Hospitationen absolviert und mich in weiteren Fortbildungen speziell mit der Methode Sofortversorgung auseinander gesetzt. Dieser Aufwand hat sich für mich gelohnt. Die Implantologie hat in meiner Praxis noch einmal einen richtigen Schub erfahren. Mittlerweile versorge ich mehrmals in der Woche Patienten nach der All-on-4-Methode.

DI: Haben Sie die Aspekte Sofortbelastung und anguliert gesetzte Implantate kritisch hinterfragt?

BQ: Nachdem ich die Methode kennengelernt habe, begann die intensive Beschäftigung mit dem Studienmaterial zu diesem Konzept. Die Ergebnisse zu den Überlebensraten von anguliert und gerade gesetzten Implantaten mit Sofortbelastung unterscheiden sich im Ergebnis nicht signifikant. Die Angulation ist nicht der springende Punkt. Entscheidend sind die Vorgehensweise und die richtige Indikation. Diese beiden Aspekte entscheiden über den Langzeiterfolg des Therapiekonzeptes. Aus meiner Sicht sind die Erfolgsaussichten sogar eher etwas besser, weil ein weiterer Knochenabbau vermieden wird. Ich mache sehr gute Erfahrungen mit dem Konzept. Es gab nur wenige Implantatverluste innerhalb der Einheilphase. Bisher habe ich noch keine endgültige Arbeit verloren.

DI: Welche Befundunterlagen sind notwendig?

BQ: Man benötigt eine dreidimensionale Aufnahme, um die Knochensituation genau analysieren zu können. Die Knochenqualität muss in Höhe und Breite erkennbar sein. Nur dann kann man entscheiden, ob der Patient für dieses Konzept in Frage kommt.

DI: Gibt es spezielle Aspekte, die bei der Planung zu berücksichtigen sind?

BQ: Es geht in erster Linie um die Knochenqualität. Im Unterkiefer und im Oberkiefer sollten mindestens 10 mm in der Höhe und 5 mm in der Breite vorhanden sein. Wichtig ist die Berücksichtigung der Lachlinie. Eine zu hohe Lachlinie kann sich negativ auf das ästhetische Ergebnis in dem sensiblen Übergang von Weichgewebe zur Prothese auswirken. Um das Risiko zu umgehen, kann der Knochen bei einem ausreichenden Angebot in der Höhe nivelliert werden.

  • Abb. 4: Es wurde eine Einprobe des CAD/CAM gefertigten Gerüstes durchgeführt und die Passung radiologisch kontrolliert.
  • Abb. 5: Es wurde eine Einprobe des CAD/CAM gefertigten Gerüstes durchgeführt und die Passung radiologisch kontrolliert.
  • Abb. 4: Es wurde eine Einprobe des CAD/CAM gefertigten Gerüstes durchgeführt und die Passung radiologisch kontrolliert.
  • Abb. 5: Es wurde eine Einprobe des CAD/CAM gefertigten Gerüstes durchgeführt und die Passung radiologisch kontrolliert.

DI: Wie verläuft die Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker im Hinblick auf die Sofortversorgung?

BQ: Die OP-Termine spreche ich mit genügend Vorlauf mit Wolfgang Sommer, meinem Zahntechniker, ab. Wir haben einen guten Modus gefunden. Nachdem er die Erfahrung gemacht hat, dass das Konzept funktioniert, hat er sich darauf eingelassen. Mittlerweile hat er die prothetische Versorgung weiterentwickelt und stellt die Brücke beispielsweise mit vollkeramischen Einzelzahnkronen her. Das ästhetische Ergebnis wirkt sehr natürlich. Wie aufwändig die Prothetik wird, hängt natürlich vom Budget des Patienten ab.

DI: In welchen Fällen inserieren Sie die Implantate mit NobelGuide?

BQ: Standardmäßig arbeite ich mit Aufklappen. Die meisten meiner Patienten haben eine nicht erhaltungswürdige Restbezahnung, die vor dem Inserieren der vier Implantate extrahiert werden muss. Direkt im Anschluss wird der Knochen nivelliert. Das schließt den Einsatz einer OP-Schablone aus. Bei bereits zahnlosen Kiefern bietet sich das schablonengeführte Inserieren hingegen an. Diese Methode ist für den Patienten minimal-invasiver und damit auch angenehmer. Die meisten Patienten bekommen keine Schwellung.

DI: Was ist für die Sofortbelastung zu beachten?

BQ: Es gibt klar defi nierte Parameter für die sofortige Primärstabilität, die unbedingt eingehalten werden müssen. Hilfreich ist ein Implantatdesign, das eine hohe Primärstabilität gewährleistet. In der Maló Clinic habe ich die NobelSpeedy Implantate für dieses Konzept kennen gelernt. Seitdem vor ein paar Jahren NobelActive auf den Markt gekommen ist, bevorzuge ich dieses Implantat. Ich erziele mit diesem Implantat in Hinblick auf die Primärstabilität noch bessere Ergebnisse. Selbst in weichem Knochen erreiche ich mit diesem Implantat in den meisten Fällen die notwendige Primärstabilität. Mein Kriterium ist, dass mindestens drei Implantate mit hoher Primärstabilität verankert werden müssen. Mit dem NobelActive Implantat habe ich dieses Ziel in den letzten Jahren immer erreichen können.

DI: Wie sieht es mit der Hygienefähigkeit der festsitzenden Prothetik aus?

BQ: Durch eine konvexe Basisgestaltung der Suprakonstruktion wird eine gute Hygienefähigkeit geschaffen. Im Hinblick darauf wird während der OP das Plateau so hergestellt, dass die konvexe Gestaltung später möglich ist. Wichtig ist auch, dass die Patienten im Anschluss in einen regelmäßigen Recall eingegliedert werden. Bei diesen Terminen schrauben wir die Prothetik komplett ab und reinigen sie. Im Aufklärungsgespräch wird der Patient auf die Notwendigkeit hingewiesen, zweimal im Jahr diese professionelle Reinigung durchführen zu lassen.

  • Abb. 6: Mit den keramischen Einzelkronen wirkt die Brücke sehr natürlich.
  • Dr. Bernd Quantius aus Mönchengladbach
  • Abb. 6: Mit den keramischen Einzelkronen wirkt die Brücke sehr natürlich.
  • Dr. Bernd Quantius aus Mönchengladbach

DI: Welche Situation eignet sich für den Einstieg in diese Behandlung?

BQ: Ich empfehle zum Einstieg eine Unterkieferversorgung, weil die Primärstabilität interforaminal gut zu erreichen ist. Einfache Situationen sind wichtig, um die notwendige Routine im Workflow zu bekommen.