Anästhesie

Die richtige Wahl treffen

Lokalanästhesie bei Senioren

10.10.2018

© Andrey Popov/fotolia.de
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In deutschen Zahnarztpraxen ist statistisch gesehen schon heute jeder fünfte Patient älter als 65 Jahre [1]. Vielen Senioren fällt es jedoch schwer, den Zahnarzttermin selbstständig zu organisieren. Zudem leiden sie oft unter mehreren chronischen Krankheiten und nehmen viele Medikamente gleichzeitig ein – das macht sie zu Risikopatienten. Deshalb sollte das Praxisteam bei der Anamnese und der Wahl des Anästhetikums ganz genau hinsehen.

In der Zahnarztpraxis geht es immer auch darum, eine vertrauensvolle Atmosphäre herzustellen. Deshalb sollte das Team bei älteren Patienten mehr Zeit einplanen, um beispielsweise bei den Formalitäten oder dem Gang zum Behandlungszimmer helfen zu können. So erfahren Senioren, die zum Beispiel Schwierigkeiten beim Hören, Sehen oder Gehen haben, eine angemessene Betreuung.

Anamnese ist das A und O

Im Mundraum gehören Alveolarkammatrophie, Sarkopenie, Schleimhautveränderungen, Xerostomie (häufig durch Medikamenteneinnahme wie Antihypertonika, Diuretika oder Psychopharmaka) sowie Kieferschmerzen oder Kiefergelenksschädigungen zu den häufigsten alterstypischen Befunden [2]. Mittlerweile liegen bei 45 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen über 65 Jahre zudem allgemeine chronische Gesundheitsprobleme in drei oder mehr Krankheitsbereichen vor [3,4]. Polymedikation, die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr Arzneimitteln [5], wird damit zu einem zentralen Risikofaktor für die zahnärztliche Behandlung. Das Interferenzrisiko steigt im Alter und Zahnärzte müssen mit unerwünschten Arzneimittelreaktionen sowie veränderter Pharmakokinetik und -dynamik rechnen [6]. Deshalb gilt für das Praxisteam: Mehr Zeit für die Anamnese einplanen, Vorerkrankungen abfragen und möglichst alle Medikamente erfassen, die der Patient einnimmt. Gerade bei der Wahl des Lokalanästhetikums kann eine sorgfältige Anamnese unerwünschte Zwischenfälle verhindern.

Schmerzausschaltung bei Senioren

Zwar ist nicht bekannt, dass ältere Menschen empfindlicher auf Lokalanästhetika reagieren, doch steigt im Alter das Verteilungsvolumen für lipophile Medikamente aufgrund der relativen Zunahme des Fettgewebes [7]. Zudem ist die Metabolisierung von Arzneimitteln oft verlangsamt, und die Wirkung hält länger an [6]. Aufgrund der verminderten hepatischen Extraktion sind Lokalanästhetika vom Amidtyp empfehlenswert (Articain, Prilocain) [8]. Bei Articain werden nur etwa fünf Prozent des Wirkstoffs über die Niere ausgeschieden, weshalb es auch für ältere Patienten gut verträglich ist [8, 9].

Die meisten Zwischenfälle bei der Lokalanästhesie sind auf den Vasokonstriktor, z. B. Adrenalin, zurückzuführen [8]. Das Sympathomimetikum hat einen gefäßverengenden Effekt, der die Wirkdauer der Lokalanästhesie verlängert und die Durchblutung des betroffenen Gebiets verringert. Bei entsprechender Vorbelastung der Organe kann das zu Komplikationen führen. Je nach Behandlungszeit und Indikation sollten Zahnärzte bei Risikopatienten abwägen, ob der Einsatz eines Lokalanästhetikums ohne Vasokonstriktor sinnvoll ist. Bei kürzeren Eingriffen oder Kontraindikationen empfiehlt es sich, beispielsweise auf Ultracain® D ohne Adrenalin zurückzugreifen [9]. Des Weiteren kann die intraligamentäre Anästhesie aufgrund der geringen notwendigen Applikationsmenge eine Alternative bei Risikopatienten darstellen [10]. Absolute Kontraindikationen für den Einsatz von Lokalanästhetika mit zusätzlichem Epinephrinanteil sind [8,11]:

  • Bronchialasthma mit Sulfitüberempfindlichkeit
  • Engwinkelglaukom (grüner Star)
  • Hyperthyreose
  • Phäochromozytom
  • paroxysmale Tachykardie oder hochfrequente absolute Arrhythmien
  • Myokardinfarkt innerhalb der letzten 3 bis 6 Monate
  • Koronararterien-Bypass innerhalb der letzten 3 Monate
  • Schwere Hypertonie.

Fazit

  • Abb. 1: Differenzierte Lokalanästhesie - Einteilung nach ASA-Status.

  • Abb. 1: Differenzierte Lokalanästhesie - Einteilung nach ASA-Status.
    © Dr. Dr. Frank Halling
Praxisteams müssen sich vermehrt auf ältere Patienten einstellen, die eine zeitintensivere Betreuung benötigen. Eine sorgfältige Anamnese ist dabei das A und O, um Wechselwirkungen, z. B. bei Polymedikation, zu vermeiden. Das gilt vor allem in Bezug auf die Wahl des Lokalanästhetikums, bei dem immer individuell über die Dosierung entschieden werden sollte [8]. Im Zweifelsfall kann bei kürzeren Eingriffen ein Anästhetikum ohne Adrenalin bzw. Vasokonstriktor angewendet werden. Dr. Dr. Frank Halling hat die Empfehlungen zur differenzierten Lokalanästhesie zusammengefasst [10]. Die Übersichtskarte in Abb. 1 bietet eine gute Hilfestellung für den Praxisalltag.

Weitere Informationen zu „besonderen Patienten“ finden Interessierte auf der neuen Website von Sanofi: www.dental.sanofi.de. Hier steht ein kostenfreier Patientenanamnesebogen bereit, der die wichtigsten Fragen zur medizinischen Vorgeschichte abdeckt. Zahnärzte können sich zudem für die „Dental Scientific News“ anmelden und erhalten quartalsweise alle Neuigkeiten und relevante medizinische Fachinformationen per E-Mail. Anmeldung unter: www.dental.sanofi.de/dental-scientific-news 

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Kontaktdaten:

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Industriepark Hoechst, K703
Brüningstr. 50
65926 Frankfurt am Main
dental.sanofi.de


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