Anästhesie


Sichere Lokalanästhesie durch moderne Instrumente

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Die Schmerzausschaltung vor der zahnärztlichen Behandlung ist für jeden Behandler eine Selbstverständlichkeit. Doch auch bei sorgfältigster Ausführung der Lokalanästhesie sind bestimmte methodenbedingte Risiken nicht zu vermeiden. Behandler sind verpflichtet, den Patienten auch risikoärmere Anästhesiemethoden anzubieten.

Bissverletzungen während der Latenzzeit, vorübergehende reversible Parulis im Oberkiefer, Hämatome nach Infiltrationsanästhesie oder durch Hämatom hervorgerufene Kieferklemme nach Leitungsanästhesie im Unterkiefer kommen erfreulicherweise selten, aber leider systembedingt in geringer Zahl immer wieder vor. Die Komplikationsrate bei der Lokalanästhesie beträgt 4,5 % – unabhängig von möglichen Behandlungsfehlern. Das bedeutet bei 70 Mio. Infiltrations- und Leitungsanästhesien p.a. sind das 3.150.000 Fälle, davon 25.000 Fälle reversibler Störungen des Nervus lingualis und leider auch 2.500 Fälle p.a., bei denen der Nervus lingualis irreversibel geschädigt wird.

Die bequeme Komfortzone

Oberkiefer Infiltrationsanästhesie, Unterkiefer Leitungsanästhesie war gestern, heute sind die Behandler verpflichtet, den Patienten weitere, besonders aber auch risikoärmere Anästhesiemethoden anzubieten. Nach dem Urteil des OLG Hamm von 2016 muss der Patient nach Aufklärung über die diversen Anästhesiemethoden in die Lage versetzt werden, sich nach Risikoabwägung unter den angebotenen Methoden zu der von ihm gewünschten entscheiden zu können. Neben den als Standardmethoden seit Jahrzehnten angewandten Infiltrations- und Leitungsanästhesien wird laut OLG Hamm verlangt, besonders die fast risikolose Intraligamentäre Anästhesie anzubieten, die längst als gleichberechtigte, risikoärmste Anästhesiemethode neben der Infiltrations- und der Leitungsanästhesie wissenschaftlich anerkannt ist.

Die intraligamentäre Anästhesie

Daraus folgt für die Behandler, dass sie diese Methode auch durchführen können müssen und dafür das erforderliche Instrumentarium kennen und bereithalten sollten. Laut Studien ist die Intraligamentäre Anästhesie bei fast allen Indikationen den herkömmlichen Anästhesiemethoden überlegen und kann mit dem geringsten Risiko für Patienten und Behandler diese fast vollständig ersetzen. Vielfach scheitert dies jedoch nicht nur an der allgemeinen Kenntnis dieser inzwischen schon 100 Jahre alten Methode, sondern oft auch an der Erkenntnis, dass man nur erfolgreich mit dieser Methode sein kann, wenn man die richtigen, modernen Instrumente dafür nutzt, die bei Patienten individuell eingesetzt werden können.

Applikation ohne Druck

In der Vergangenheit wurde diese Methode vielfach ausprobiert mit alten Instrumenten, das Anästhetikum wurde fast immer mit zu hohem Druck (wie früher empfohlen) verabreicht. Die Methode funktioniert aber nur dann ohne Nebenwirkungen, wenn man alle Regeln beherrscht und sie individuell anwendet, d.h. das Anästhetikum sehr langsam und ohne viel Druck patientengerecht appliziert.

Wird dies nicht sorgsam beherzigt, kann man Misserfolge feststellen, wie unzureichende Anästhesie oder Anästhesieversager, aber auch unerwünschte Nebenwirkungen wie Elongationen und Aufbiss-Schmerzen, im Extremfall sogar Nekrosen im umliegenden Gewebe. Falsche Anwendung hat schnell zur Folge, dass die Methode „Intraligamentäre Anästhesie“ schnell aus dem täglichen zahnärztlichen Praxisalltag und die Instrumente in die Schublade verbannt werden.

Vermeidbare Behandlungsfehler

  • Abb. 1: Das intraligamental applizierte Anästhetikum breitet sich entlang der Zahnwurzel und intraossär aus.

  • Abb. 1: Das intraligamental applizierte Anästhetikum breitet sich entlang der Zahnwurzel und intraossär aus.
    © Dr. Bender
Solche Nebenwirkungen treten aber nur bei der Benutzung von veralteten Instrumenten auf, sind jedoch nicht methodenbedingt, sondern wurden iatrogen hervorgerufen durch die Behandler als Folge von zu hohem Druck bei der Applikation, der bei veralteten Instrumenten leicht möglich ist. Folglich sind solche Risiken und Komplikationen bei der Intraligamentären Anästhesie als vermeidbare Behandlungsfehler einzustufen (Abb. 1).

Moderne Instrumente

Dies alles verhindern moderne, seit Jahren auf dem Markt angebotene Instrumente, die unkompliziert das patientengerechte langsame Applizieren des Anästhetikums ermöglichen und sowohl für Patienten als auch für Behandler von hohem Nutzen sind. Befürchtete Nebenwirkungen, wie oben beschrieben, werden systembedingt nicht mehr möglich gemacht bei sehr einfacher Handhabung mit nahezu 100%-igem Erfolg (Abb. 2 und 3).

  • Abb. 2: Die Dosierradspritze ohne integriertes, mehrstufiges Hebelsystem zur Druckverstärkung.
  • Abb. 3: STA „The Wand“ – digital gesteuertes Injektionssystem für intraligamentale Injektionen.
  • Abb. 2: Die Dosierradspritze ohne integriertes, mehrstufiges Hebelsystem zur Druckverstärkung.
  • Abb. 3: STA „The Wand“ – digital gesteuertes Injektionssystem für intraligamentale Injektionen.

Das STA-System „The Wand“ ist das zurzeit einzige digitale System auf dem Markt, das nach digitaler Messung des interstitiellen Drucks im Periodontalspalt das Anästhetikum entsprechend diesem individuellen Druck zur Diffusion freigibt. Das Gerät gibt das Anästhetikum über einen dünnen Plastikschlauch und ein schmales Röhrchen mit fest eingebauter, ultradünner Nadel in den Periodontalspalt ab (Einmalartikel). Gerade das wird von den Patienten so nicht als Spritze, eher als „Zauberstab“ (= The Wand) empfunden und erleichtert gerade bei ängstlichen Patienten die problemlose Durchführung der Lokalanästhesie.

Andere digitale Systeme arbeiten nur mit mehrstufiger, aber nicht individueller Abgabe des Anästhetikums und können daher den individuellen interstitiellen Druck nicht ausreichend genug berücksichtigen und somit auch nicht die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Patienten. Die „Softject“ als mechanische (preiswerte) Alternative ermöglicht es ebenso, das Anästhetikum nur entsprechend dem interstitiellen Druck in den Periodontalspalt abzugeben. Sie fordert jedoch nicht den großen Druck wie ältere Systeme, sondern sie arbeitet soft mit wenig Druck!

Durch Drehen des Dosierrades mit dem Daumen wird die Diffusion gestartet und das Anästhetikum kann entsprechend dem individuellen interstitiellen Druck in den Periodontalspalt langsam diffundieren. Das Dosierrad rollt nach vorne, sobald die Diffusion des Anästhetikums begonnen hat, aber nur so wie der interstitielle Gegendruck des Periodontiums es erlaubt; das Aufbauen eines zu hohen Drucks ist nicht möglich.

Direkt nach Abgabe und Diffusion des Anästhetikums kann ohne Latenz sofort mit der Behandlung begonnen werden. Die sonst übliche Wartezeit bis zu einem Wirkungseintritt ist nicht mehr erforderlich.

Weil die Anästhesie nur ca. 30 Minuten dauert (Nachspritzen ist, falls wirklich erforderlich, ohne weiteres möglich), kann der Patient ohne länger anhaltendes Betäubungsgefühl die Praxis verlassen, für ihn ist die Behandlung damit auch emotional zu Ende, darüber hinaus ist er wieder voll einsatzfähig. Moderne Instrumente finanzieren sich zudem durch die Einsparung von Anästhetika selbst und entlasten später die Behandler sogar noch finanziell.

Wirtschaftliche Betrachtung

Die Methode Intraligamentäre Anästhesie ist auch nicht unwirtschaftlich: Seit mindestens 1999 ist die Intraligamentäre Anästhesie schon im BEMA enthalten unter der Position 40 = I (Infiltrationsanästhesie). Trotzdem gibt es immer noch viel Unkenntnis über die kassenzahnärztliche Abrechnung, vor allem aber Bedenken wegen möglicher Unwirtschaftlichkeit dieser Methode. Die Intraligamentäre Anästhesie (ILA) kann nach BEMA sogar für zwei nebeneinanderliegende Zähne je einmal abgerechnet werden, das gilt sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer.

Eine evidenzbasierte Analyse von tatsächlichen Abrechnungsdaten ergab, dass die Intraligamentäre Anästhesie bei BEMA-gerechter Abrechnung keine Mehrkosten für die Krankenkassen hervorruft, es wurde sogar eine geringfügige Ersparnis für die Kassen durch diese Anästhesiemethode festgestellt und damit sogar das Budget entlastet. Somit kann sie nicht unwirtschaftlich sein!

Praktisch keine Nebenwirkungen

Die Anwendung der Intraligamentären Anästhesie hat für die Behandler noch einen angenehmen Vorteil: es muss keine zeitaufwändige Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen der Lokalanästhesie-Methode durchgeführt werden, weil diese minimalinvasive Anästhesiemethode bei richtiger fachgerechter Anwendung mit den modernen Instrumenten praktisch keine Nebenwirkungen kennt. Eingangs beschriebene, mögliche Nebenwirkungen der Infiltrationsanästhesie und der Leitungsanästhesie entfallen für die Patienten komplett, besonders die gefürchteten Nerv-Verletzungen, auch wenn diese nur selten vorkommen. Auf Fortbildungsveranstaltungen (inzwischen auch in Online- Seminaren) können die Behandler die notwendige praktische Anwendung schnell erlernen.


Weiterführende Literatur

Literatur auf Anfrage beim Autor.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Wolfgang Bender


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