QM

Fokus Bildgebung

Von Analog nach Digital in der Implantologie


Vieles hat sich in den vergangenen Jahren bei unseren Praxisabläufen verändert, denn uns stehen viele digitale Helfer zur Verfügung. Was dabei wirklich essenziell ist und was optional zum Einsatz kommt ist Ansichtssache. Grundlegende Dinge sollten jedoch in jeder modern geführten, implantologisch tätigen Praxis Standard sein, um bestmögliche Behandlungsergebnisse zu realisieren.

Radiologisch bildgebende Verfahren haben sich in den letzten Jahren immens entwickelt. Waren anfänglich Kontrast und Bildschärfe dem analogen Bild weit unterlegen, so wird heute der digitale Zahnfilm auch dem kritischen Kollegen gerecht. Es können heute brillante Aufnahmen erstellt werden. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, um zu einem Zahnfilm zu gelangen: Entweder wir entscheiden uns für einen Röntgensensor oder für ein Speicherfoliensystem. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Die Entscheidung sollte gemäß der eigenen Praxisstruktur abgewogen werden. Haben Röntgensensoren den Vorteil, dass das Bild sofort verfügbar ist und zudem eine etwas bessere Auflösung haben, so haben die Folien den Vorteil, dass sie nicht kabelgebunden sind. Dies hat eine bessere Positionierung im Munde zur Folge. Zudem kann damit ortsungebunden gearbeitet werden. Da mit Speicherfolien in mehreren Behandlungszimmern gleichzeitig gearbeitet werden kann, ist dies im Sinne der Wirtschaftlichkeit als Vorteil zu werten.

Röntgengeräte

Bei den Orthopantomogrammen haben sich die Sensorgeräte klar durchgesetzt, denn hier steht die Praktikabilität im Vordergrund. Speicherfolien OPGs findet man im Grunde genommen nur noch bei älteren analogen Geräten, die umgerüstet wurden. An den digitalen Orthopantomographen kommt man heute bei einer Neu- oder Ersatzanschaffung nicht mehr vorbei. Letztlich finden sich aber neben der stark verbesserten Strahlenhygiene auch viele andere hilfreiche Details bei diesen Geräten. Diverse Programme können unsere Bilder optimieren. Diese Filter gibt es für verschiedene Anwendungsbereiche in der Zahnheilkunde, sodass jeweils ein spezifisches Screening möglich ist.

  • Mit Sensorfolie erstellter Zahnfilm.
  • Mit digitalem Sensor erstelltes OPG.
  • Mit Sensorfolie erstellter Zahnfilm.
  • Mit digitalem Sensor erstelltes OPG.

Generell darf natürlich in der digitalen Radiographie nicht vergessen werden, dass sich auch bei der modernen Technik Fehler einschleichen können. Wir müssen uns also stets überlegen, wie viel Information bei der digitalen Berechnung verloren geht bzw. optimiert wird. Auch wenn wir Längen im digitalen Bild messen können, müssen wir uns stets aller Fehlerquellen bewusst sein. Insbesondere bei der Implantatplanung müssen wir gewissenhaft vorgehen, damit Implantatposition, Länge sowie Durchmesser optimal ausgewählt werden können.

Dabei können wir uns fragen, ob wir im zweidimensionalen Raum planen wollen oder ob wir uns der dreidimensionalen Welt öffnen möchten. Denn die digitale Volumentomographie verbreitet sich zunehmend in unseren Praxen. Anfänglich wurden diese Geräte eher skeptisch betrachtet, denn deren Anschaffung war nicht nur immens teuer, sondern sie hatten den Ruf, dass eine Investition nur für Spezialisten sinnvoll sei. Heute haben wir Zahnärzte erkannt, dass uns die Eröffnung der dritten Dimension enorme Vorteile in der Diagnostik bringt. Nicht nur in der Implantologie lässt sich ein DVT einsetzen, auch endodontische, prothetische, funktionsdiagnostische und oralchirurgische Fragestellungen lassen sich viel besser beantworten. Es lohnt sich also, sich mit dieser Technik zu befassen. Um uns und unseren Patienten ein hohes Maß an Planbarkeit zukommen zu lassen, werden wir mit Sicherheit in Zukunft alle mit solchen Geräten arbeiten. Ein jeder Patient schätzt es, wenn die Prognose des Therapieplanes abgesichert ist. Zudem werden die Verfahren, die uns angeboten werden, immer weiterentwickelt und auch kostengünstiger, sodass ein Einstieg in diesen Bereich rentabel wird.

Navigierte Implantation

Ein weiterer Baustein in diese Richtung ist das navigierte Implantieren. Doch wie viel Navigation ist denn überhaupt nötig? Auch hier werden sich weiterhin die Geister streiten. Grundsätzlich gilt der Leitsatz, was Jahrzehnte gut funktioniert hat, muss nicht schlagartig verkehrt sein. Somit erscheint es sicher nicht als sinnvoll jedes Implantat mit einer Navigationstechnik zu setzen. Jedoch ist es von hohem Nutzen, wenn wir eine Bohrschablone haben, die uns die exakte Implantatposition anzeigt. Je mehr Pfeiler wir haben, desto schwerer tun wir uns mit der Pfeilerparallelität und den optimalen Abständen der Implantate. Da auch die digitale Volumentomographie ihre Grenzen sowie Toleranzbereiche hat, werden wir bei grenzwertigen Fällen besser eine Positionsschablone vorziehen und die Implantation nicht transgingival durchführen. Das Risiko der Perforation wäre zu hoch, zudem könnte bei Bedarf gut augmentiert werden. Im Gegenzug muss natürlich auch die Wirtschaftlichkeit eines navigierten Verfahrens betrachtet werden. Bei Einzelzahnimplantaten bleibt die Navigation vermutlich eher ein seltenes Verfahren ? es sei denn, das eingeschränkte Knochenangebot erfordert ein solches Procedere.

CAD/CAM in der Implantologie

In diesem Rahmen drängen sich auch die CAD/CAM-Verfahren auf, um in der modernen Implantologie eingesetzt zu werden. Wir haben die Möglichkeit mit einem Intraoralscanner und einem aufgesetzten Scan-Body einen digitalen Abdruck zu erstellen. Durch die optimale Ausformung der umliegenden Weichgewebe kann ein individuelles Abutment mit einem optimalen Emergenzprofil erstellt werden. Der Datensatz kann zudem weiterbearbeitet werden, sodass die Suprakonstruktion ebenfalls direkt konstruiert und hergestellt werden kann. Vermutlich werden diese Verfahren, da sie sehr präzise sind, schnell auf den Markt drängen.

Intraorale Kamera

Ein weiterer nützlicher Helfer in der Praxis ist die intraorale Kamera. Je anspruchsvoller unsere Behandlungen werden, desto wichtiger ist auch die Dokumentation der Fälle. Dem Patienten können die Behandlungsabläufe durch die Aufnahmen transparenter dargestellt werden. Damit erreichen wir in der Regel beim Patienten ein besseres Verständnis für unsere Behandlungsabläufe. Aber auch zur Motivation ? insbesondere in der Prophylaxe ? eignet sich eine solche Kamera. Einige Kameras am Markt können auch bereits in der Kariesdiagnostik hilfreich sein. Über Fluoreszenzsignale und Reflexionseffekte wird die Karies bereits in einem initialen Stadium entdeckt.

  • In Software integriertes DVT als Basis der Implantatplanung.
  • Intraoraler Scan des Scanbody regio 25.
  • In Software integriertes DVT als Basis der Implantatplanung.
  • Intraoraler Scan des Scanbody regio 25.

Fazit

Die Entwicklung all dieser Geräte wird sich in der Zukunft noch schneller entwickeln, so wie wir das aus vielen anderen Bereichen unseres Lebens kennen. Umso mehr ein Grund sich mit diesen Thematiken und Chancen zu befassen, damit wir auch morgen noch up-to-date sein können. Bestreiten Sie also den Weg von analog nach digital!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Oliver Müller

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Oliver Müller