Implantate

Ein Blick in die Zukunft von Keramikimplantaten

Genialität durch Simplifizierung

Die große Selbstverständlichkeit, mit der wir seit 36 Jahren Titanimplantate als fast einziges Material einsetzen, schwindet spürbar, nicht nur aufgrund der stark ansteigenden Nachfrage seitens unserer Patienten zugunsten „weißer Keramik“ als Werkstoff osseointegrierender Implantate. Mittel- und langfristig könnte Titan fast gänzlich ersetzt werden.

Der Verband innovativ-praktizierender Zahnmediziner/innen e.V. (VIPZM) schätzt nach Studienlage, dass der deutsche Marktanteil innerhalb der nächsten fünf Jahre erdrutschartig von zurzeit nur 2 % auf 30 bis 40 % Einsatz von Zirkonimplantaten ansteigen wird. Auch die Industrie weiß um die Titanoxid- Problematik und reagiert bereits mit Zukäufen oder Eigenentwicklungen, die jedoch teilweise mehr als nur bedenklich sind. Der Artikel widmet sich der Fragestellung: Warum man bestimmten Zirkonsystemen voll vertrauen kann, anderen wiederum nicht.

Was wollen Zahnärzte?
Was Patienten?

Zwischen Februar und Mai 2016 wurden 25 VIP-ZM-Praxisinhaber zu ihren Bedenken bzw. Befürchtungen gegenüber der Verwendung von Keramik-/Zirkon-Implantaten in ihrer eigenen Praxis befragt (Abb. 1). Die größten Bedenken hatten die befragten Verantwortlichen (Mehrfachantworten möglich) gegenüber Keramikfrakturen während und nach Implantatinsertion. Wichtige Aspekte, wie der übermäßig hohe Aluminiumoxid-Anteil von 25% (!!) in diversen Zirkon-Mischungen bestimmter Implantatsysteme oder die der Patienten-Titanoxid-Unverträglichkeit waren vor zwei Jahren zumindest noch relativ unbekannt. Es herrscht allgemein eine große Verunsicherung innerhalb der Zahnärzteschaft in Deutschland. Viele offene Fragen müssen sachlich diskutiert und Lösungen erläutert werden.

  • Abb. 1: Ergebnis der Umfrage bei Zahnärzten.
  • Abb. 2: Ergebnis der Patientenumfrage. 1024 Patienten zwischen 18 und 75 Jahren in fünf VIP-ZM Praxen: 14% blau Mein Zahnarzt soll entscheiden!, 12% Titan (Metall), 74% Zirkon (Keramik).
  • Abb. 1: Ergebnis der Umfrage bei Zahnärzten.
  • Abb. 2: Ergebnis der Patientenumfrage. 1024 Patienten zwischen 18 und 75 Jahren in fünf VIP-ZM Praxen: 14% blau Mein Zahnarzt soll entscheiden!, 12% Titan (Metall), 74% Zirkon (Keramik).

Interessant ist die parallel verlaufende Studie, durchgeführt mit 1.024 Patienten aus den 25 VIP-ZM Zahnarztpraxen (Abb. 2): Fast drei Viertel der Patienten (74 %, weißer Balken) wünschten sich Keramik-/Zirkon-Implantate in ihrem Körper, wenn man ihnen die Wahl überlassen würde. Nur 12 % (grauer Balken) würden sich für Titan als Werkstoff entscheiden. 14 % würden die Wahl ausschließlich ihrem behandelnden Zahnarzt/Chirurgen überlassen (blauer Balken).

Versorgung mit Zirkonimplantaten

Ich selbst hatte zunächst auch Bedenken bezüglich Zirkonimplantaten. Nachfolgend stelle ich einen Fall vor, wo das BioWin! Implantat (Produktion und CE: ZV-3, Vertrieb: Champions-Implants, Deutschland) zum Einsatz kommt.

Das BioWin! Zirkonimplantat wird − wie bei einer Zahnpräparation − mit einem hochpräzisen Polyether- oder Silikonmaterial mit Konfektionslöffel bzw. einem Intraoralscanner abgeformt. Es bedarf keiner Transferpfosten, keiner Verschraubung, keinem Kontrollröntgenbild oder Verschraubung mit „offener Abformung“ (Abb. 3-5).

  • Abb. 3: BioWin! Implantat in situ.
  • Abb. 4: Abformung mit Polyether- oder Silikonmaterial.
  • Abb. 3: BioWin! Implantat in situ.
  • Abb. 4: Abformung mit Polyether- oder Silikonmaterial.

  • Abb. 5: Fertige Abformung.
  • Abb. 5: Fertige Abformung.

Das zahntechnische Labor gießt das Modell in Superhartgips mit evtl. Zahnfleischmaske aus (ohne Laboranalog!). Man fixiert und präpariert den Glasfaser-Abutment- Aufbau, den man mit der Lieferung des Implantates gleich mitgeliefert bekommt und fertigt die Krone (Abb. 6-8).

  • Abb. 6-8: Das Labor gießt das Modell in Superhartgips aus, fixiert den Glasfaser-Abutment-Aufbau und fertigt Krone.
  • Abb. 9-11: Dualhärtender, selbstadhäsiver universaler Composite-Befestigungszement zum Einsetzen mit anschließendem Härten.
  • Abb. 6-8: Das Labor gießt das Modell in Superhartgips aus, fixiert den Glasfaser-Abutment-Aufbau und fertigt Krone.
  • Abb. 9-11: Dualhärtender, selbstadhäsiver universaler Composite-Befestigungszement zum Einsetzen mit anschließendem Härten.

  • Abb. 12: Nach drei Monaten ist die Restauration abgeschlossen.
  • Abb. 12: Nach drei Monaten ist die Restauration abgeschlossen.

Beim einseitigen Einsetzen sowohl des Abutments als auch der Zirkonkrone bedient man sich optimaler Weise dem dualhärtenden Relyx Unicem 2 (3M Espe, Seefeld), welches etwa dreifach höhere Haftwerte wie andere, konventionelle Zemente hat. Die Überschüsse werden entfernt und mit einem UV-Lichthärtegerät ausgehärtet (Abb. 9-11).

Drei Monate nach Implantation ist die Versorgung mit den Keramikrestaurationen abgeschlossen (Abb. 12).

Diskussion

Die Bedenken, die auch ich bezüglich Zirkonimplantaten hatte, konnten mit dem BioWin! Zirkonimplantat allesamt verworfen werden:

  1. Frakturen sind durch das besondere Gefüge der Zirkon-Matrix beim BioWin! auszuschließen.
  2. Der bei etlichen renommierten Systemen verifizierte Aluminiumoxid Anteil von 25 % (wieso kann man dabei dann eigentlich von „metallfreien Implantaten“ sprechen?) ist auf nur 0,25 % erfolgreich reduziert worden, ohne dass es biomechanisch und langfristig (Alterung) zu Problemen bzw. Frakturen kommen kann. Ein Aluminium-Anteil von nur 0,25% (dunkle Moleküle auf dem Elektronen-Mikroskop-Bild) reicht vollkommen aus, um die hydrothermale Alterung des Zirkons zu verhindern. Das Zirkon-Granulat sollte zudem nicht eine Korngröße von mehr als 0,4 microns aufweisen (Abb. 14).
  3. Völlige Metallfreiheit! Keine metallischen oder Karbon-Verbindungsschrauben, keine Zirkon- oder Pekkton-Abutments, sondern sicheres, supragingivales Verkleben eines Glasfaser-Composite Aufbaus gänzlich ohne Mikrospalt!
  4. Auf die 10-15 % genetisch disponierte Titanoxid Patienten-Unverträglichkeit verfügt BioWin! alternativlos über die beste, einfachste, preislich interessanteste Alternative zu modernen Titan-Implantatsystemen, die ich an dieser Stelle auch nicht „verteufele“.
  5. Die prä-implantologische Anamnese bzw. Patienten-Substitution von Vitamin D3 + K2 + Magnesium (in Absprache mit dem Hausarzt) ist vor und während einer Zirkonimplantat-Insertion zu beachten.
  6. Durch patentiertes Herstellungsverfahren (Strahlung des Implantats VOR dem Zirkon-härtenden Sinterungsprozess!) erhält man beim BioWin! Implantat sogar eine noch rauere Zirkon-Oberfläche als bei konventionellen Titan-Implantaten. Diese Rauigkeit scheint bei Zirkon-Implantaten generell extrem wichtig für eine zuverlässige Osseointegration zu sein! Eine oftmalige NON-Osseointegration bei Systemen „glatter Oberflächen“ war und ist ansonsten zu beobachten! Abbildung 16 zeigt links die Oberfläche eines BioWin! Implantats, rechts die der eines bekannten Zirkon-Implantats mit „glatter Oberfläche“ (Laser und Bestrahlung nach Sinterung eines gehippten Zirkons).
  7. Der zweite Clou zur optimalen Osseointegration eines bereits mikrorauen Zirkon-Implantats scheint die „chair-side“ Bio-Aktivierung mittels Kaltplasma direkt vor der Insertion zu sein: Der VIP-ZM empfiehlt hierbei das Handtischgerät Piezobrush, mit dessen man schon seit Jahren aus einer hydrophoben eine bioaktive, hydrophile Oberfläche gestaltet. Nach einer zweiminütigen, ‚chair-side‘ Zirkon-Plasma-Aktivierung mit dem Piezobrush inklusive dem Nadel-Düsenaufsatz und einer Distanz von 2 mm sinkt der Wassertropfen-Kontakt von 40 auf 14 Grad, was nochmals die Osseointegration begünstigt. Dadurch wird das inerte Material Zirkon nochmals hydrophiler und energetisch positiv „aufgeladen“.
  8. Die Chirurgie ist optimalerweise ohne (durch umfangreiche Mukoperiostlappen-Bildung verursachende) Periostverletzungen nach dem MIMI®-Verfahren mit fast dem gleichen CHAMPIONS® Operationsprotokoll und Instrumentarium wie bei Implantationen von Titan-Implantaten durchzuführen. Auch die Prothetik ohne Übertragungspfosten, ohne Laboranaloge und verschraubten Zirkon-Abutments mit sicher verklebten Fiberglas-Abutments erlauben nicht nur wirtschaftlich gesehen eine optimale Versorgungsmöglichkeit für unsere Patienten durch „Hauszahnärzte“.
  9. Klinische, röntgenologische und wissenschaftliche (Langzeit-) Studien des BioWin! Zirkonimplantats (u.a. Universität Düsseldorf, Prof. Becker) geben nicht nur uns Behandlern und Patienten Sicherheit und 95,8 %ige Erfolgsgarantie, sondern ermöglichen ein positives Erstattungsverhalten auch der Krankenversicherungen.
  10. Auch die Möglichkeit eines individuell selbst designten Implantats (Produktionszeit lediglich eine Woche) ist revolutionär, höchst innovativ und einfach im Handling.

  • Abb. 13: QR-Code abscannen: Film einer BioWin!-Implantation und Einsetzen der Krone.
  • Abb. 14: Aluminium-Anteil von 0,25 % − dunkle Moleküle auf dem Elektronen-Mikroskop.
  • Abb. 13: QR-Code abscannen: Film einer BioWin!-Implantation und Einsetzen der Krone.
  • Abb. 14: Aluminium-Anteil von 0,25 % − dunkle Moleküle auf dem Elektronen-Mikroskop.

  • Abb. 15-17: Links die Oberfläche eines rauen BioWin!-Implantats. Rechts ein Zirkonimplantat mit „glatter Oberfläche“.
  • Abb. 18: Das zweiteilige BioWin!-Implantat.
  • Abb. 15-17: Links die Oberfläche eines rauen BioWin!-Implantats. Rechts ein Zirkonimplantat mit „glatter Oberfläche“.
  • Abb. 18: Das zweiteilige BioWin!-Implantat.

Fazit

Mit dem seit 12 Jahren zugelassenen und im klinischen Einsatz befindlichen ein- und zweiteiligen BioWin! Keramikimplantat (Abb. 18) steht uns eine optimale Alternative zu Titanimplantaten zur Verfügung. Genialität durch Simplifizierung sowohl aus Sicht des Chirurgen als auch aus Sicht des Prothetikers ist der Erfolgsfaktor moderner Implantologie, in der Zirkonimplantate eine immer größere Bedeutung erlangen.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Armin Nedjat


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