Abrechnung


Korrekte Abrechnung außervertraglicher Leistungen

Die Abrechnung außervertraglicher Leistungen bietet für jede Praxis Möglichkeiten, zusätzliches Honorar zu erzielen. Wichtig ist hier, dass Formvorschriften penibel eingehalten werden, um im Streitfall Forderungen auch gerichtlich durchsetzen zu können.

Seit der Änderung der Bema-Richtlinien im Jahr 2004 sollen alle diagnostischen Maßnahmen und die Therapieform dem Gebot der Wirtschaftlichkeit entsprechen. Mit den „neuen“ Vorgaben wurde auch die Eigenverantwortung der Patienten in den Vordergrund gerückt. Das bedeutet, dass der Zahnarzt die aktive Mitarbeit des Patienten an gesundheitlichen Präventionsmaßnahmen und bei der Krankenbehandlung fördert.

Hiermit sind zum Beispiel Mundhygieneinstruktionen und Vorbehandlungsmaßnahmen vor einer systematischen PAR-Behandlung gemeint. Diese Grundlage eröffnet dem behandelnden Zahnarzt vielfältige Therapiemöglichkeiten - auch außerhalb der vertraglichen Leistungen.

Es gibt eine Reihe zahnärztlicher Behandlungsmaßnahmen, die, weil sie keine Vertragsleistung sind, einem GKV-Patienten privat, also nach den Bestimmungen der GOZ in Rechnung gestellt werden müssen. Das bedeutet also auch, dass schon im Vorfeld entschieden werden muss, welche Vereinbarung nach GOZ, mit dem Patienten getroffen werden muss. Wählt der Patient eine Leistung, die keine Vertragsleistung ist und die nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse abgerechnet werden kann, die aber Bestandteil der GOZ ist, wird dieser Patient zunächst von seinem GKV-Vertrag losgelöst und er wird mit einer entsprechenden Vereinbarung zum Privatpatienten. Dieses geschieht mit einer Vereinbarung für eine Privatbehandlung gemäß § 4 Abs. 5 BMV-Z beziehungsweise § 7 Abs. 7 EKVZ.

Genau diese Form der Vereinbarung ist zu treffen, wenn sich ein Kassenpatient für eine Implantatversorgung entscheidet. Der Patient ist aufzuklären, dass er als Privatpatient das Recht hat, nach den Bedingungen der gesetzlichen Krankenkasse behandelt zu werden, er aber auf ausdrücklichen Wunsch hin einen privaten Behandlungsvertrag gemäß GOZ als Vertragsgrundlage möchte. Erst dann kann er nach den Richtlinien der GOZ als Privatpatient behandelt werden. Im zweiten Schritt wird ein nach GOZ entsprechender Kostenvoranschlag beziehungsweise Therapieplan für die Behandlung erstellt. Dieses ist keine zwingende Maßnahme aber aus forensischer Sicht unbedingt empfehlenswert. In diesem Zusammenhang ist auf die Aufklärungspfl icht des Zahnarztes hinzuweisen, die auch den Punkt „Aufklärung über zu erwartende Kosten“ sowie „Kostenerstattung“ beinhaltet. Mit einem entsprechenden Behandlungsplan kann der Patient sich gut auf die Kosten einstellen, und Rückfragen von Kostenerstattungsstellen können im Vorfeld geklärt werden.

§ 2 (3) Leistungen auf Verlangen

In diesem Fall ist die Implantatbehandlung für den Patienten eine Wunsch- beziehungsweise Verlangensleistung nach § 2 (3) GOZ (immer dann, wenn keine Ausnahmeindikation vorliegt). Die Variante, einen Festpreis zu veranschlagen scheidet eindeutig aus, da die Versorgung mit Implantaten ein fester Bestandteil der Gebührenordnung für Zahnärzte darstellt. Die dazugehörigen Abrechnungsziffern fi ndet man unter 900 ff. Alle Behandlungsmaßnahmen, die im Gebührenkatalog der GOZ aufgenommen sind, müssen entsprechend den Bestimmungen der GOZ nach § 10 in Rechnung gestellt werden. Anders sieht es zum Beispiel bei Leistungen aus, die weder im Gebührenverzeichnis für Zahnärzte noch im Gebührenverzeichnis für Ärzte zu fi nden sind, wie Bleaching oder Zahnschmuck. Diese Leistungen sind nicht Bestandteil der GOZ/GOÄ, sie gehen über das Maß einer medizinisch notwendigen Leistung hinaus. Hier kann ein Pauschalpreis vereinbart werden.

§ 6 (2) Analogberechnung

Selbstständige zahnärztliche Leistungen, die erst nach In-Kraft-Treten der GOZ aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt wurden, werden nach den Bestimmungen dieses Paragraphen abgerechnet. Im § 6 (2) GOZ heißt es, dass für die erbrachte Leistung eine nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertige Leistung heranzuziehen ist. Ist diese Übereinstimmung nicht vollständig gegeben, kann auch eine artfremde Leistung herangezogen werden. Eine betriebswirtschaftliche Berechnung des Steuerberaters ist hilfreich, um hier eine von der Bewertung her geeignete Gebührenziffer zu ermitteln.

Wird eine Leistung nach § 6 Abs. 2 berechnet, ist die entsprechend bewertete Leistung für den Zahlungspfl ichtigen verständlich zu beschreiben und mit dem Hinweis „entsprechend“ sowie der Nummer und der Bezeichnung der als gleichwertig erachteten Leistung zu versehen. Nach diesem Paragraphen kann zum Beispiel die computergesteuerte Analyse einer Computertomographieaufnahme zur Festlegung der Implantatposition abgerechnet werden. Das Einbringen von Osteosyntheseschrauben, Membranen sowie die Messung der Schleimhautstärke wird ebenfalls nach diesem Analogparagraphen abgerechnet. Auch die Röntgen- und Bohrschablone, die im Zusammenhang mit der präoperativen Diagnostik beziehungsweise der Implantatoperation steht, ist nach § 6 (2) GOZ abzurechnen.

§ 2 (3) GOZ in Verbindung mit § 6 (2) GOZ

Bei der Abrechnung ergibt sich oftmals eine Verknüpfung aus beiden oben genannten Paragraphen. Eine Leistung, die auf Verlangen eines Zahlungspfl ichtigen erbracht wird, die aber dann aufgrund der gesetzlichen Maßgaben analog zu berechnen ist.

Wenn man diesen gesetzlichen Vorgaben Folge leistet, steht einer formell korrekten Liquidation nichts mehr im Wege.

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Simone Schleich

Bilder soweit nicht anders deklariert: Simone Schleich


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