Abrechnung

Wie wird korrekt abgerechnet?

Sofortbelastung mit CAD/CAM – Vollkeramikzahnersatz

Abrechnungstipp
Abrechnungstipp

Im folgenden Bericht erfahren Sie, welche Abrechungspositionen bei Diagnose und Behandlung des vorhergehenden Falles von Dr. Achim Sieper angesetzt werden können.

In der diagnostischen Behandlungsplanung am Patienten stehen uns grundsätzlich folgende Positionen zur Auswahl:

Beginnend mit einer vollständigen, körperlichen Untersuchung des stomatognathen Systems wäre die Position Ä6 denkbar. Alternativ wäre auch die Position 001 in Verbindung mit der Position Ä3 (Beratung mind. 10 Minuten Dauer) möglich.

Begleitend wäre bei vorhandenem Restzahnbestand (in Fallbeispiel 1 und 2 nicht vorhanden) die Position 400 (PAR-Status) sowie die Position 007 für die Vitalitätsprobe empfehlenswert. Die primäre Unterfütterung der vorhandenen, insuffizienten Vollprothese würde mit der Gebührennummer 530 (vollständige Unterfütterung einer UK-Prothese einschließlich funktioneller Randgestaltung) zzgl. der anfallenden BEB-Leistungen berechnet. Hier wäre auch die Bema Position 100f im gesetzlich versicherten Bereich zzgl. aller BEB-Leistungen und der berechenbaren Materialien möglich. Die dann angefertigten Situationsmodelle (nicht Arbeitsmodelle!) würden nach der Position GOZ 006 (Abformung beider Kiefer) sowie ggf. zusätzlich die Gebührennummer 005 (Abformung eines Kiefers) berechnet. Alle hierfür anfallenden Materialkosten für die Abformungen – auch für die Arbeitsmodelle – wären nach § 4 Absatz 3 berechenbar. Gegebenfalls wird hierzu ein konfektionierter Abformlöffel individualisiert. Somit wird die Position GOZ 517 zzgl. der anhängigen Laborkosten berechnet. Gleiches gilt, falls ein individueller Löffel angefertigt werden soll.

Die Bissnahmen sowie der Gesichtsbogen wären nach den FAL-Positionen GOZ 800-810 denkbar.

Für die dann hergestellte DVT Scanschablone wäre nach § 6 Absatz 2 die Analogberechnung ausschlaggebend, wobei diese Leistungen praxisindividuell ermittelt werden sollten. Empfehlenswert wäre aus meiner Sicht hier die Position GOZ 701 (adjustierter Aufbissbehelf).

Grundsätzlich wäre bei der Berechnung nach § 6 Absatz 2 der GOZ folgender Gesetzestext zu beachten: Erbringt der Zahnarzt Leistungen, die in den Abschnitten B I und II, C, D, E V und VI, J, L, M unter den Nummern 4113 und 4700, N sowie O des Gebührenverzeichnisses für ärztliche Leistungen - Anlage zur Gebührenordnung für Ärzte vom 12. November 1982 (BGBI. I S. 1522) - aufgeführt sind, sind die Vergütungen für diese Leistungen nach den Vorschriften der Gebührenordnung für Ärzte in der jeweils geltende Fassung zu berechnen.

Selbständige zahnärztliche Leistungen, die erst nach Inkrafttreten dieser Gebührenordnung auf Grund wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt werden, können entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses für zahnärztliche Leistungen berechnet werden.

Für die 3-D-Diagnostik stehen die Positionen Ä5370 mit dem Zuschlag Ä5377 zur Verfügung. Die hieraus resultierende Gesamtplanung erfolgt unter der Berechnung der Position GOZ 900 (implantatbezogene Analyse). Die weitergehende softwareunterstützte Planung ist eine Leistung, die erst nach 1988 entwickelt und in die Zahnheilkunde integriert wurde bzw. erst nach 1988 zur „Praxisreife“ gelangte. Deshalb erfolgt hier eine Abrechnung analog nach § 6/2 der Gebührenordnung. Alternativ auch möglich nach § 2 Absatz 3 der GOZ. Im Anschluss wurde eine Bohrschablone erstellt, diese könnte wieder analog nach § 6 Absatz 2 unter Heranziehung der Position 700 dargestellt werden.

Abrechnung der Behandlungsphase

Nach den möglichen Anästhesieleistungen GOZ Position 008 (Oberflächenanästhesie), Position 009 (Infiltrationsanästhesie) sowie 010 (Leitungsanästhesie).

Die dann inserierten Implantate werden nach der Gebührennummer GOZ 901 (Präparieren einer Knochenkavität), GOZ 902 (Einsetzen einer Implantatschablone) – unter Umständen mehrfach – sowie die Position 903 (Einbringen eines enossalen Implantates) angesetzt.

Für das Einsetzen der OP-Schablone kann die Position Ä2700 (Stütz-, Halte-, Hilfsvorrichtung) berechnet werden. Hierzu kann für das Befestigen mit den Osteosyntheseschrauben die Position Ä2697 berechnet werden. Für den nachfolgenden Tag sind chirurgische Kontrollen nach GOZ 329 (Nachkontrolle) bzw. GOZ 330 (Nachbehandlung), je nach Aufwand, berechenbar.

Der Sofortzahnersatz kann dann bei der Eingliederung nach der Position 905 (Auswechseln des Sekundärteiles, bei einem zusammengesetzten Implantat) je Pfeiler, sowie der Positionen 500/501 (je nach Ausführung) für die Pfeiler und die GOZ Position 507 für die Brückenspannen berechnet werden. Bild 1a zeigt ein Einzelzahnimplantat bei dem die Supraversorgung nach der Position GOZ 220/221 je nach Ausführung berechnet werden kann. Hierzu werden alle anfallenden Laborkosten nach § 4 Abs. 3 abgerechnet. Erwähnenswert ist auch, dass alle Implantatteile vollständig gelistet und berechnet werden. Diese stellen einen erheblichen Kostenaufwand dar.

In einer folgenden abschließenden Behandlung wäre die Gebührenposition GOZ 619 (Beratung zur Beseitigung schädlicher Gewohnheiten und Dysfunktionen) möglich.

Um dieser aufwändigen und hochwertigen Arbeit Rechnung zu tragen, sollte der Faktor der einzelnen Leistungen betriebswirtschaftlich für alle Leistungen individuell errechnet werden. Hierzu empfiehlt es sich eine genaue Kalkulation für die Kostenstunde einer Praxis je Behandler zu erstellen. Auf dieser Grundlage kann unter Berücksichtigung aller Faktoren, wie Zeit und Schwierigkeit der Behandlung, eine genaue Kalkulation erfolgen.

 

 


Information

Die Abrechungshinweise sind von der Autorin nach ausführlicher Recherche erstellt worden. Eine Haftung und Gewähr wird jedoch ausgeschlossen. Letztendlich kann nur der Behandler die erbrachten Maßnahmen entsprechend bewerten.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Martina Weidinger-Wege

Bilder soweit nicht anders deklariert: Martina Weidinger-Wege



Führungskräfte-Coaching für Zahnärzte
Teaser dentaltrainer

Machen Sie mit den DentalTrainer-Coachings Ihre Zahnarztpraxis erfolgreicher und vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch, in welchem Sie uns ganz unverbindlich all Ihre Fragen stellen können.

Kostenloses Live-Webinar

Im kostenlosen Live-Webinar „Professionelle Materialwirtschaft heute: Herausforderungen und Lösungsansätze“ von Wawibox am 06.10.2021 von 14:00–15:00 Uhr erhalten Sie einen Einblick in den Dentalmarkt Deutschland.

Aktuelle Umfrage zu Keramikimplantaten

Noch immer fehlt neben Langzeitdaten auch ein konkreter Einblick in den täglichen Umgang mit Keramikimplantaten in der Praxis. Um Antworten auf möglichst viele der offenen Fragen zu bekommen, startet die ESCI eine europaweite Umfrage.