Abrechnung


Wertschöpfung der implantologischen Leistungen

Die im vorangegangenen Fallbeispiel von Dr. Robert Nölken beschriebene Behandlungsmethodik lässt sich abrechnungstechnisch folgendermaßen darstellen:

Vor Beginn der geplanten Behandlung ist es immer zwingend erforderlich dem Patienten einen Kostenvoranschlag auszuhändigen. Dieser Kostenvoranschlag muss vom Zahlungspflichtigen vor Beginn der Behandlung unterzeichnet werden. Dem Patienten muss eine Ausfertigung dieser Vereinbarung ausgehändigt werden. Selbstverständlich müssen alle weiteren rechtlichen Vorschriften, die im Paragraphen 10 der GOZ genannt sind, erfüllt sein. Wichtig wäre noch im Vorfeld zu erwähnen, dass jeder Zahnarzt die Möglichkeit hat, teilweise Leistungen der GOÄ zu berechen. Dies regelt explizit der § 6 Absatz 1 der GOZ.Bei der klinischen Voruntersuchung sollte hier mit einer vollständigen körperlichen Untersuchung des stomatognathen Systems nach der Gebührennummer Ä6 begonnen werden. Denkbar wären auch die Position GOZ 001 im Komplex mit der Position Ä3 (Beratung mind. 10 Min. Dauer). Empfehlenswert wäre hier auf der Rechnung der Vermerk, dass es sich um inhaltlich getrennte Leistungen handelt, um Rückfragen der Versicherer zu minimieren. Begleitend wären die Positionen GOZ 400 (PAR-Status) sowie die Positionen GOZ 007 (Vitalitätsprüfung) empfehlenswert. Bei der 3D-Diagnostik stehen uns die Positionen Ä 5370 mit dem Zuschlag Ä 5377 zur Verfügung. Für Einzelaufnahmen haben wir die Position Ä 5000 je Aufnahme zur Verfügung. Die Gesamtplanung erfolgt unter der Berechnung der GOZ Position 900. Modelle nach GOZ 006 sind unter Umständen notwendig. Hierzu denkbar wären auch funktionstherapeutische Maßnahmen mit der Position GOZ 808 oder alternativ die GOZ Position 601. Falls die Herstellung einer chirurgischen Schablone notwendig sein sollte, ist diese nach § 6 Abs. 2 der GOZ analog zu berechen. Hier empfiehlt sich die GOZ-Position 700 heranzuziehen, wobei Leistungen nach § 6/2 praxisindividuell ermittelt werden sollten. Es besteht auch die Möglichkeit ein sog. „Wax-up“ mit in die Planungsphase zu integrieren. Hierbei wäre dann GOZ 808 berechnungsfähig zzgl. der anfallenden Laborkosten. Zusätzlich wäre zu beachten, dass alle Materialkosten nach § 4/3 zusätzlich auszuweisen und zu liquidieren sind.

Implantatinsertion

Bei der Implantation kommen alle anfallenden Anästhesieleistungen nach der Gebührenordnung für Zahnärzte, insbesondere die Gebührennummern GOZ 008 (Oberflächenanästhesie), 009 (Infiltrationsanästhesie) und ggf. die Position GOZ 010 (Leitungsanästhesie), zum Ansatz. Hier sind nach der Gebührenordnung für Zahnärzte keine Materialkosten berechenbar (siehe GOZ §4 Abs. 3). Die Insertion des OsseoSpeed™ Profile Implantats erfolgt nach der Position GOZ 901 (Präparieren einer Knochenkavität), GOZ 902 (Einsetzen einer Implantatschablone) sowie der GOZ Position 903 (Einbringen eines enossalen Implantates). Die Implantatpositionen GOZ 901 und GOZ 903 sind je Implantatpfeiler nur einmal ansetzbar. Bei diesem extrem vorsichtigen und zeitaufwändigen Vorgehen sollten alle Positionen individuell in Hinblick auf das Faktorhandling gestaltet werden. Für die anschließend durchgeführte „Ausformung des Weichgewebes“ steht uns je nach Indikation die Position Ä2382 (schwierige Hautlappenplastik) zur Verfügung. Denkbar wäre auch die Position Ä2675 (partielle Vestibulum- oder Mundbodenplastik). Bitte an die anhängigen OP-Zuschläge denken! Das verwendete Nahtmaterial wäre bei Berücksichtigung einer dieser Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte zusätzlich berechenbar (siehe § 10 der GOÄ!) Die postoperative Wundkontrolle wäre nach der Position GOZ 329 (Wundkontrolle) in Kombination mit der Position GOÄ 2007 (Entfernen von Nähten, je Wunde) zu berechnen. Ein Provisorium wurde nicht erstellt.

Re-entry

Für das genannte Re-entry nach vier Monaten fallen wiederum alle zur Verfügung stehen Anästhesieleistungen nach der Gebührenordnung für Zahnärzte an. Des Weiteren wäre eine erneute Berechnung der Position GOZ 001 (eingehende Untersuchung) empfehlenswert. Alternativ steht auch die Position Ä6 (vollständige Untersuchung des stomatognathen Systems) zur Wahl. Die anfallenden Beratungen können nach Ä1 / Ä3 berechnet werden. Das Eröffnen des Implantates wird mit der Position GOZ 904 honoriert. Der reponierte Lappen könnte je nach Indikation und OP-Technik mit der Position GOZ 324, oder je nach Durchführung, die Position Ä 2381 zzgl. OP-Zuschlag bei ambulanter Durchführung von operativen Leistungen im Zusammenhang mit GOÄ-Leistungen, dargestellt werden. Das Auswechseln eines Sekundärteiles (GOZ-Position 905) bei einem zusammengesetzten Implantat kann nur unter der Voraussetzung der Verwendung weiterer Sekundärteile in dieser Sitzung berechnet werden. Das Nahtmaterial könnte bei Berücksichtigung der GOÄ-Bestimmungen ggf. erneut berechnet werden. In diesem Zusammenhang bitte an die Möglichkeit der Berechnung eines sog. OP-Sets zu operativen Leistungen denken. Bei der definitiven Abformung wäre dann die Position GOZ 517 (Abformung mit ind. Löffel) je Abformung berechenbar. Bitte auch an die anhängige BEB-Position (falls im Eigenlabor erbracht) sowie die notwendigen Materialkosten nach § 4/3 der GOZ denken. Für die Kontrolle und Reinigung des Implantatkörpers stehen uns die Position GOZ 330 sowie GOZ 405 zur Verfügung. Für das Einbringen des Abformpfostens können wir die Position GOZ 905 ansetzen. Zwei Wochen später kommen dann die Positionen GOZ 905 sowie GOZ 221 für das Einsetzen des Implantates sowie die Position GOZ 405 für das Reinigen der Implantatstümpfe zum Ansatz. Die im Anschluss durchgeführten Röntgenaufnahmen können nach der GOZPosition Ä5000 berechnet werden. Für die ggf. durchgeführten gnathologischen Leistungen stehen uns die Positionen GOZ 800 – 810 zur Verfügung. In einer Folgesitzung wäre die Position GOZ 619 (Beratung zur Beseitigung schädlicher Gewohnheiten und Dysfunktion) denkbar, um den Patienten ausführlich über Pflege und Anwendung seiner Arbeit aufzuklären. Folgende Posten sollten in der Rechnung enthalten sein und explizit aufgeführt werden: Kosten für Implantate (Beschaffungskosten) + MwSt., Material und Laborkosten Eigenlabor/Fremdlabor nach § 9 der GOZ zzgl. berechnungsfähige Materialien nach § 4/3 der GOZ sowie § 10 der GÖÄ.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Martina Weidinger-Wege

Bilder soweit nicht anders deklariert: Martina Weidinger-Wege



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