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DG PARO Jahrestagung 2017 im Elbflorenz

13.11.2017

Logo Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.
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Vom 21. bis 23. September trafen sich in der wunderbar wieder entstandenen Stadt Dresden parodontologisch und implantologisch versierte Zahnärzte und Zahnärztinnen zur DG PARO Jahrestagung. Die wissenschaftliche Leitung im Congress Center lag in diesem Jahr bei Prof. Dr. Dr. h.c. Holger Jentsch (Leipzig) und Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Hoffmann (Dresden). Den 969 Teilnehmern und Teilnehmerinnen sowie knapp 50 Ausstellern wurde mit dem Tagungsthema „Parodontologie im zahnärztlichen Behandlungskonzept“ eine gelungene Mischung aus Wissenschaft und Praxisnähe geboten. Dabei wurde der Bogen von Diagnostik und Therapie bei Parodontitis und Periimplantitis über mikrobiologische, immunologische und inflammatorische Grundlagenforschung bis zur aktuellen Frage der Klassifikationen parodontaler Erkrankungen gespannt.

Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Infektion und Entzündung, deren Grundlagenforschung und Therapie. Mit den praxisnahen und sehr anschaulichen Vorträgen von Frau Prof. Noack (Dresden), Frau PD Dr. Bäumer-König (Bielefeld) und Frau Dr. Bäumer (Köln) wurden die Differentialdiagnostik und Therapie der aggressiven und schweren chronischen Verlaufsform der Parodontitis dem Auditorium aufgezeigt. Bei konsequent durchgeführter antiinfektiöser Therapie mit anschließender Erhaltungstherapie ist ein langfristiger Zahnerhalt möglich und voraussagbar.

Hochkarätige Hauptvorträge

In der anschließenden Vortragsreihe standen die pathobiologischen Grundlagen der Parodontitisentstehung im Mittelpunkt. Prof. Rodloff (Leipzig) referierte über die qualitativen und quantitativen Umgestaltungen der oralen Mikrobiota und Prof. Gräßler (Dresden) zeigte den Weg von einer primären Schutzfunktion gegen die bakterielle Herausforderung zu ihrer pathologischen Wirkung. Das zeitgemäße Konzept zur Parodontitisgenese der mikrobiellen Synergie und Dysbiose mit der Bedeutung der „Keystone pathogenes“ wurde von Prof. Hajishengallis (Philadelphia, USA) auch dieses Jahr einem interessierten Publikum vorgestellt.

Mit diesem Wissen wurden anschließend die etablierten Therapieverfahren evaluiert. Dass das herkömmliche Scaling noch immer der Goldstandard ist, betonte Prof. Tonetti (Hong Kong) und zusätzliche sowie kostenintensive Therapiemaßnahmen sollten sich zweifellos am klinischen Outcome orientieren. Der positive Zusatzeffekt auf den Attachmentloss von systemischer Antibiose bei initial tiefen Taschen und Patienten unter 55 Jahren wurde im Beitrag von Prof. Ehmke (Münster) aufgezeigt. Frau Prof. Kim (Heidelberg) und Frau Prof. Eick (Bern) referierten anschließend über die klinisch kaum relevanten Zusatzeffekte der lokalen Antibiotika, dem Einsatz von Lasern, photodynamischen Therapie und Hyaluronsäure. Abschließend betonte Prof. Salvi (Bern), dass der Haupttherapiepfeiler bei Mukositis und Periimplantitis die Plaquekontrolle ist.

Der Samstag wurde wieder mit einer Themenreihe zur Grundlagenforschung eröffnet. Prof. Jepsen (Bonn) zeigte den Einfluss des Alterns auf die Leistungsfähigkeit unseres Immunsystems und Prof. Chavakis (Dresden) skizzierte Wege zur zukünftigen Entzündungsmodulation. Dass die derzeitige parodontale Nomenklatur aufgrund der Erkenntnisse zu molekularen Unterscheidungsmustern überarbeitet gehört, stellte PD Dr. Kebschull (Bonn) in seinem Vortrag dar.

  • Tagungspräsident Prof. Jentsch aus Leipzig.

  • Tagungspräsident Prof. Jentsch aus Leipzig.
Die Langzeitanalysen und Therapien waren die Thematik der folgenden Beiträge von Prof. Dörfer (Kiel), PD Dr. Graetz (Kiel) und Frau Dr. Holtfreter (Greifswald). Langfristiger Zahnerhalt wird durch eine strukturierte Therapie und Langzeitcompliance ermöglicht.

Prof. Jentsch (Leipzig) eröffnete den letzten Block der diesjährigen DG PARO-Jahrestagung in dem auf das Zusammenspiel der Disziplinen eingegangen wurde. Die verschiedenen Möglichkeiten der minimal-invasiven ästhetischen Rehabilitation im parodontal erkrankten Gebiss durch die Anwendung cleverer Matrizen- und direkte Adhäsivtechnik zeigte Prof. Klaiber (Würzburg). Unter der besonderen Berücksichtigung des Prinzips der verkürzten Zahnreihe referierte Prof. Walter (Dresden) über die prothetische Rehabilitation unserer Parodontitispatienten. Abschließend zeigte Prof. Wachtel (München) mit beeindruckenden Fallbeispielen Implantat getragene prothetische Versorgungen und betonte, dass parodontale Vor- und Nachsorge zur Sicherstellung des Therapieerfolges unabdingbar sind.

DG PARO-Teamtag − Aktuelles zur Behandlungsoptimierung

  • Die knapp 1.000 Kongressteilnehmer verfolgen interessiert das Programm.

  • Die knapp 1.000 Kongressteilnehmer verfolgen interessiert das Programm.
Auch dieses Jahr fand das spezielle Programm für 220 zahnmedizinische Praxismitarbeitende großes Interesse. Dabei wurde kein Thema in der täglichen parodontalen Betreuung der Patienten ausgelassen und immer wieder die Bedeutung der laufenden Motivation zur unterstützenden parodontalen Therapie und der häuslichen Mundhygiene unterstrichen. Den Teilnehmern und Teilnehmerinnen wurden durch Frau Prof. Noack (Dresden) die Wechselwirkungen von Parodontitis auf den Gesamtorganismus ausführlich erläutert. Im Vortrag von Prof. Jentsch wurden die Aufgaben der systemischen Phase in der Parodontitistherapie aufgezeigt. Dr. Bastendorf (Eislingen) gab einen Überblick über die verschiedenen Pulver und Pulverstrahlgeräte sowie deren richtige Anwendung, welche im parodontalen Praxisalltag immer mehr die herkömmliche Politur mit Winkelstück, Kelch und Polierpaste ersetzen sollen. Das in so mancher Praxis unbeliebte Thema des richtigen Aufschleifens von parodontalen Handinstrumenten brachte Dr. Richter aus Dresden den Anwesenden nochmals sehr anschaulich nahe.

Symposien

Die in den vergangenen Jahren sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden Symposien der Dentalindustrie boten auch dieses Jahr einen großen Pool an Fachwissen gepaart mit aktueller Studienlage. Der im Vergleich zum wissenschaftlichen Hauptprogramm kleinere Rahmen bot den Zuhörern die Möglichkeit den Referenten Tipps und Kniffe in der täglichen parodontologischen und implantologischen Patientenversorgung zu entlocken. Die Themen ließen kaum Raum für Wünsche offen: Augmentationen von Hart- und Weichgewebe, der richtige und sinnvolle Einsatz von antibakteriellen Mundspüllösungen, Therapiemöglichkeiten gingivaler Rezessionen, Strategien bei Sofortimplantaten, Konzepte und Evidenz für parodontale Regeneration.

Aktuellste Studienlage in 14 wissenschaftlichen Kurzvorträgen

Im 15-Minuten-Takt wurden die Zuhörer mit der aktuellen klinischen Studienlage in der Parodontologie versorgt. Während der spannenden Vorträge bekam der Zuhörer einen Überblick über die Forschungsschwerpunkte an den Hochschulen. Dabei erstreckte sich das Themenspektrum von Zusammenhängen zwischen Parodontitis und Rheumatoide Arthritis, über den Effekt von Schmelzmatrixproteinen auf die Wundheilung nach Rezessionsdeckung sowie die molekularen Unterschiede zwischen Parodontitis und Periimplantitis. Gleich zwei Vorträge betrachteten die Langzeitüberlebensraten von Molaren mit Furkationsbeteiligung nach resektiver Parodontalchirurgie und zeigten, dass die PA-Chirurgie in der Praxis eine Therapieoption zum langfristigen Zahnerhalt darstellt. Die unterstützende parodontale Therapie (UPT) wurde in einem weiteren hochinteressanten Kurzvortrag in Hinblick auf Patientenzufriedenheit (orale Ästhetik, Kaufunktion und Hygienefähigkeit) untersucht. Die Patienten wurden über einen Zeitraum von 10 Jahren nach erfolgter systemischer Parodontaltherapie befragt. Patienten mit unregelmäßiger UPT bewerten ihre orale Ästhetik schlechter als Patienten in regelmäßiger UPT. Ein Behandlerwechsel scheint sich ungünstig auf die Adhärenz zur UPT auszuwirken. Eine weiterführende Anwendung der photodynamischen Therapie zur Behandlung eines schweren Oralen Lichen Planus wurde von Dr. Cosgarea vorgestellt. Sie berichtete über deutliche Reduktionen der Läsionsgrößen und Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.

  • Ernennung Prof. Hoffmanns zum DG PARO-Ehrenmitglied - Im Rahmen des DG PARO-Dinners erhielt der Tagungspräsident Prof. Hoffmann (Dresden) in Anerkennung und als Würdigung seines langjährigen Engagements in der DG PARO die Ehrenmitgliedschaft.
  • Ernennung Prof. Hoffmanns zum DG PARO-Ehrenmitglied - Im Rahmen des DG PARO-Dinners erhielt der Tagungspräsident Prof. Hoffmann (Dresden) in Anerkennung und als Würdigung seines langjährigen Engagements in der DG PARO die Ehrenmitgliedschaft.

Die DG PARO Jahrestagung macht Lust auf die Frühjahrstagung am 2. und 3. Februar 2018 in Berlin und ganz besonders auf die Europerio9 vom 20. bis 23. Juni in Amsterdam.

Zahnärztin Peggy Stölzel, Universität Würzburg

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WEITERE INFORMATIONEN:

Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.
Neufferstrasse 1
93055 Regensburg
www.dgparo.de