Interviews

Interview, DR. Eduardo Anitua

Kurze Implantate sind ein wichtiges Thema

13.10.2009

Dr. Eduardo Anitua - der Entwickler des PRGF-Systems.
Dr. Eduardo Anitua - der Entwickler des PRGF-Systems.

Der Redaktion der DI DENTALE IMPLANTOLOGIE & Parodontologie bot sich während eines Praxiskurses im Fortbildungsinstitut in Vitoria (Spanien) die Möglichkeit mit einem Pionier der dentalen Implantologie zu sprechen. Dr. Eduardo Anitua stand gerne Rede und Antwort und plauderte übers eine Entwicklungen und Erfahrungen.

DI: Sie haben das PRGF-System, welches 2001 auf den deutschen Markt kam, entwickelt. Können Sie bitte die Hauptunterschiede zu anderen Systemen erklären?
Dr. Anitua: PRGF ist eine Weiterentwicklung der zuvor schon existierenden PRP-Produkte. Tatsächlich ist unser Produkt das erste 100-prozentig autologe. Das ist der wichtigste Unterschied. Der zweite besteht darin, dass wir eine bessere Kontrolle über die Freisetzung der Wachstumsfaktoren haben. Drittens konnten wir die Dosierungen optimieren – andere Techniken benötigen viermal höhere Dosierungen und bringen damit schlechtere Resultate hervor. Das Entscheidende ist, dass wir die Selektion der Proteine optimieren konnten, was es uns ermöglicht, 4 verschiedene Zusammensetzungen für unterschiedliche Anwendungen zu erzeugen: von der Muskelinjektion für Sportler (z. B. für Ronaldo) bis hin zu Fibrin für die Versorgung von Alveolen nach einer Extraktion.
Ich möchte anmerken, dass es schwierig ist, Ähnlichkeiten zwischen PRGF und PRP-Produkten zu finden, da ihre einzige Gemeinsamkeit im Ausgangsmaterial besteht.

Wie groß ist der Marktanteil des Systems? Wie erfolgreich ist das PRGF-System auf dem Markt?

Dr. Anitua: Das PRGF-System ist noch eine recht junge Technologie. Im Dentalbereich wird es seit etwa 10 Jahren benutzt, was für ein solches Produkt noch keine lange Zeit ist. Aber der Marktanteil ist groß genug, um optimistisch zu sein. Derzeit werden die Anwendungsgebiete ausgeweitet auf andere medizinische Bereiche, wie die Traumatologie, Plastische Chirurgie oder Ophthalmologie, was uns optimistisch stimmt hinsichtlich des Potenzials unseres Produkts. Zurzeit exportieren wir PRGF nach Europa, Asien sowie nach Nord- und Südamerika.

In welchen Fällen benutzen Sie thrombozytenreiches Plasma in Ihrer Praxis?
Dr. Anitua: Wir benutzen thrombozytenreiches Plasma bei allen implantologischen Eingriffen und bei 95 Prozent der Extraktionen. Wir setzen es praktisch bei 100 Prozent der oralchirurgischen Behandlungen ein.

DI: Sie sagen, dass es sehr wichtig ist, dass in ihrem Endprodukt keine Leukozyten vorhanden sind. Wie reagieren Sie, wenn Kritiker sagen, dass es keine Beweise gebe, dass die Leukozyten in ihren eigenen Produkten schädlich seien, sondern dass die Konzentration der Wachstumsfaktoren sinke, wenn weniger Thrombozyten und Leukozyten enthalten seien?
Dr. Anitua: Wir können nachteilige Effekte verhindern, indem wir die Interaktion zwischen Proteinen vermeiden bzw. ausschalten. Und in der Tat, wenn wir proinflammatorische Proteine kontrollieren können oder beispielsweise den Tumornekrosefaktor, ist das sinnvoll.

DI: Welche Konzentrationsstärke bzw. Konzentration haben die Wachstumsfaktoren in PRGF?
Dr. Anitua: Dies können Sie in einer unserer neuesten Studien im Journal of Biomedical Materials Research Part B nachlesen. Kein anderes Plasmakonzentrat oder System, das mit Wachstumsfaktoren arbeitet, ist wissenschaftlich und in seiner Anwendung so gut dokumentiert wie das unsere.

DI: Wie schätzen Sie die Sofortbelastung ein? In welchen Fällen bevorzugen Sie die Sofortbelastung? Wie gehen Sie normalerweise vor?
Dr. Anitua: Die Sofortbelastung ist heutzutage eine Therapie mit vorhersehbaren Ergebnissen und wir setzen sie bei vielen Patienten fast jeden Tag ein. Natürlich befolgen wir eine genaue Vorgehensweise sowohl in chirurgischer Hinsicht als auch bei der Gestaltung der Prothetik: Die Knochenstärke ist ein kritischer Punkt, der ausschlaggebend ist für die Entscheidung, ob eine Sofortbelastung auf einem Implantat oder auf mehreren möglich oder eben auch nicht möglich ist. Deshalb empfehlen wir einen Scan und z. B. unsere Software BTI-Scan für die Auswertung von CT-Aufnahmen. Ein entscheidender Punkt ist die Bohrgeschwindigkeit  (Umdrehungszahl), weil wir eine gute Primärstabilität erreichen möchten, ohne Kompression des Knochens, um Ischämien und einen Knochenverlust um das Implantat zu vermeiden. Des Weiteren wählen wir die Implantatgröße und -position sehr überlegt, um ein adäquates biomechanisches Design für die Prothetik zu erzielen.

DI: Welche Erfahrungen haben Sie mit kurzen Implantaten bei einem sehr geringen vertikalen Knochenangebot?
Dr. Anitua: Kurze Implantate sind ein wichtiges Thema. Wir haben besonders kurze Implantate mit einer Länge von 5,5 Millimetern und einem Durchmesser von 3,75 bis 6 Millimetern entwickelt, um dem Behandler die Möglichkeit zu geben, invasivere chirurgische Techniken, wie einen Sinuslift oder Nervlateralisationen, zu vermeiden, sowie zur Behandlung im posterioren, stark resorbierten Unterkiefer. Aus unserer biomechanischen Forschung wissen wir genau, dass die stärkste Belastung nach der Osseointegration in den oberen Gewindegängen liegt und dass es wichtig ist, den Implantatdurchmesser zu erweitern, um eine bessere Druckverteilung zu erreichen. Wir haben kürzlich eine Fünf-Jahres-Studie im Journal of Periodontology veröffentlicht, die zeigt, dass kurze Implantate die gleiche Erfolgsrate haben wie reguläre. Natürlich sind die Knochenqualität, die Bohrsequenz und die Wahl eines zweizeitigen Vorgehens entscheidend, um die Vorhersehbarkeit dieser Technik zu verbessern. Wenn die Knochenqualität unter 200 HU liegt, erreichen wir ein Limit für einen vorhersehbaren Behandlungserfolg.

DI: Welche Erfahrungen haben Sie hinsichtlich des Erfolgs und der Langzeitprognose? Was antworten Sie Ihren Kritikern?
Dr. Anitua: Wir inserieren mehr als 2.000 Implantate pro Jahr und unsere Misserfolgsrate liegt bei weniger als 0,5 Prozent. Trotzdem untersuchen wir unsere Misserfolge, um unsere Behandlung zu verbessern, also kennen wir alle unsere Fehler genau.

DI: In welchen Fällen ist nach Ihrer Meinung ein digitales CT unerlässlich? Immer – also bei jedem Patienten – oder nur in speziellen Fällen, z. B. wenn der Alveolarkamm sehr schmal oder stark atrophiert ist?
Dr. Anitua: Wir führen seit mehr als zehn Jahren bei jeder Behandlung ein CT durch. Darüber hinaus haben wir BTI-Scan entwickelt, eine Software, speziell für die Diagnose und Planung. Wir empfehlen sie für jeden chirurgischen Eingriff. Natürlich sind 3D-Informationen zuverlässiger als zweidimensionale und die Knochendichte ist entscheidend für eine angemessene Bohrsequenz und eine gute Implantatposition. Wir wollen die Knochenverhältnisse ganz genau kennen. Heutzutage ermöglichen neue Technologien eine bessere Qualität und eine geringere Strahlenbelastung.

DI: Welche Vorteile hat das Implantat von BTI?
Dr. Anitua: BTI-Implantate führen innovative Konzepte ein, wie etwa die selbstschneidende Spitze und die Reduzierung des Einbringdrucks. Die bioaktive Oberfläche begünstigt die Osseointegration und jetzt bieten wir auch Implantate mit geringeren Durchmessern an wie Tiny für stark atrophierte Ober- und Unterkiefer.

DI: Welche Erfahrungen haben Sie mit deutschen Zahnärzten verglichen mit Zahnärzten anderer Länder?
Dr. Anitua: Ich könnte keinen objektiven Vergleich ziehen, weil meine Erfahrungen mit Zahnärzten überall auf der Welt sehr positiv sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Zahnärzte, die zu unserem Center kommen, unabhängig von ihrer Nationalität, sehr motiviert sind und sich verbessern wollen. In diesem aktuellen Kurs haben deutsche Ärzte eine solide professionelle Basis, was unsere Beziehung sehr bereichert.

DI: Was müssen Ihre Kursteilnehmer unbedingt von Ihnen lernen?
Dr. Anitua: Sie kommen nicht nur, um mich zu sehen oder von mir zu lernen. Ich bin umgeben von einem exzellenten professionellen Team, das mich unterstützt und mir in allen diesen Dingen hilft; es ist also unser gemeinsames Verdienst. Wenn Leute in unser Trainingscenter kommen, wollen sie die neuesten Technologien sehen und die Produkte, die BTI entwickelt hat, sowie ihre klinische Anwendung. Deshalb beinhalten unsere Kurse sowohl einen Theorieteil als auch Live-Operationen.

DI: Meine letzte Frage ist eine private: Sie sind so sehr in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit engagiert. Was tun Sie in Ihrer Freizeit? Und woher kommt Ihre Motivation?
Dr. Anitua: Ich treibe seit langem Sport (sogar auf einem professionellen Level!) und ich widme mich seit 30 Jahren der Medizin, daher habe ich heute einen Punkt erreicht, an dem dies ebenfalls ein Hobby geworden ist. Meine Motivation schöpfe ich aus guten Ergebnissen und der Zusammenarbeit mit einem exzellenten Team.


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