Interviews


Matrix-Rhythmus-Therapie als neue Methode zur Periimplantitisbehandlung?


Dr. Thomas Weidenbeck aus Deggendorf sammelt seit etwa sechs Jahren Erfahrungen mit der in der Zahnmedizin noch recht unbekannten Matrix-Rhythmus-Therapie. Über die Hintergründe und seine Erfolge mit der Therapie hat der erfahrene Implantologe uns einige interessante Erkenntnisse geliefert.

DI: Herr Dr. Weidenbeck, können Sie unseren Lesern bitte das Prinzip und die Grundlagen der Matrix-Rhythmus-Therapie erklären?

Dr. Thomas Weidenbeck: Die Matrix-Rhythmus- Therapie ist eine direkt aus der zellbiologischen Grundlagenforschung (Universität Erlangen) entwickelte Basis-Therapieform. Sie geht von der Tatsache aus, dass alle menschlichen Zellen rhythmisch schwingen, solange sie leben. Unter dem Videomikroskop zeigen bereits einzelne Muskelzellen im Zellkulturmedium „Partielle Synchronisation“. Aus solchen synchronen physiko-chemischen zellulären Prozessen entstehen kooperierende Rhythmen und Pulsationen (Atemrhythmus, Herzrhythmus, Hirnwellen etc.) lebenslang. „Leben ohne Rhythmus existiert nicht“ (A. Einstein). Die Skelettmuskulatur mit 45 % Masseanteil des Gesamtkörpers hat sich während der Evolution zum größten „Antriebsorgan“ im Menschen entwickelt und ist stärkster „Taktgeber“ mikrozirkulatorischer Prozesse (Ruhetremor bzw. Muskelzittern). Diese physiologischen Fakten werden therapeutisch genutzt, weshalb die Therapie spezifisch auf dem Schwingungsverhalten der Skelettmuskulatur und ihrem Frequenz- und Amplitudenspektrum von 8-12 Hz aufbaut. Dieses Frequenzfenster ist charakteristisch für alle Warmblüterorganismen. Wenn im Krankheitsfall, zellversorgende Rhythmen und die daran gekoppelten metabolischen Prozesse verändert oder gar zum Stillstand gekommen sind, aktiviert oder re-adaptiert die Matrix-Rhythmus-Therapie diese gezielt über „Entrainment“, bis sie wieder normal takten.

DI: Wofür wurde die Matrix-Rhythmus-Therapie ursprünglich entwickelt?

TW: Die Matrix-Rhythmus-Therapie hatte Dr. Ulrich G. Randoll, Kieferchirurgie und später Unfallchirurgie in den Jahren 1989-1998 an der Universität Erlangen, entwickelt, um chronische Mikrozirkulationsprobleme, die ihm bei Osteoradionekrosen, Lappenplastiken oder Weichteildefekten begegnet sind, zu lösen. Das Muskelzittern sanft (rhythmischmikroextendierend) von extern, im körpereigenen Rhythmus zu aktivieren, lieferte ihm in den Folgejahren nicht nur hierfür den Schlüssel zum Therapieerfolg, sondern auch für viele azidosebedingte Schmerzsymptome.

  • Matrixmobil: Das Gerät zur Matrix-Rhythmus-Therapie.
  • Post-operative Röntgenkontrolle.
  • Matrixmobil: Das Gerät zur Matrix-Rhythmus-Therapie.
  • Post-operative Röntgenkontrolle.

  • Patientin kommt mit starken Schmerzen im III. Quadranten, spontane Eiterentleerung zwischen Implantat 35 und 36, Sobelin 300 mg und begleitend fünfmal MaRhyThe im Abstand von 3 Tagen.
  • Patientin kommt mit starken Schmerzen im III. Quadranten, spontane Eiterentleerung zwischen Implantat 35 und 36, Sobelin 300 mg und begleitend fünfmal MaRhyThe im Abstand von 3 Tagen.

DI: Was hat Sie dazu bewogen, die Therapieform auch in der Zahnmedizin einzusetzen?

TW: Im Rahmen meiner Ausbildung in „Kraniofazialer Orthopädie“ wurde die Matrix-Rhythmus-Therapie von Dr. Wühr, Bad Kötzting, in Theorie und Praxis vorgestellt. Die ganzen Zusammenhänge und die spürbare sofortige Wirkung an meiner vom Reitsport und berufsbedingt verspannten Halsmuskulatur waren so überzeugend, dass ich die Behandlungsmethode schon aus Eigeninteresse sofort in meinen Praxisalltag integriert habe. Neu war für mich, dass bei verspannter Muskulatur vor allem Sauerstoff zur ATP-Bildung zugeführt werden muss, um Aktin von Myosin zu lösen. D. h. die Muskellösung der eigentliche energieverbrauchende Prozess ist, was ohne intakte Mikrozirkulation nicht stattfinden kann; und nicht die Kontraktion, wie ich immer glaubte.

  • Deutlich weniger Schmerzen, beginnende Rückbildung der Osteolyse.
  • Eingliederung der geplanten Versorgung.
  • Deutlich weniger Schmerzen, beginnende Rückbildung der Osteolyse.
  • Eingliederung der geplanten Versorgung.

  • Langzeitkontrolle - Patientin ist beschwerdefrei.
  • Langzeitkontrolle - Patientin ist beschwerdefrei.

DI: Bei welchen Indikationen kommt die Therapiemethode zum Einsatz?

TW: Grundsätzlich ist die MaRhyThe bei allen Indikationen einzusetzen, die in letzter Konsequenz auf „Prozessstörungen auf zellbiologischer Regelungsebene“ zurückgeführt werden können. Dazu zählen z. B. viele Formen von Entzündungen, viele Schmerzsymptomatiken sowie die Muskel- und Sehnenverhärtungen. Weitere Indikationen sind alle Formen von Bissregistrierungen mit dem Ziel einer nachhaltigen Kiefer- und Muskelentspannung. „Gewebeverlässlichkeit“ ist hier gefragt. Der „Lymphdrainage-Effekt“ der Therapie wirkt sich prä- und postoperativ im chirurgischen und PA-Bereich aus. Effektiv ist das Verfahren auch in der Kieferorthopädie, um das Fascien- und Bindegewebe im Hals- und Nackenbereich zu lockern. Bei Kopfschmerzpatienten und allgemeinen CMD-Patienten empfiehlt es sich neben der Gesichtsmuskulatur sowohl die gesamte Hals-Nacken-Muskulatur sowie Triggerareale des Rückens in die Therapie zu integrieren.

  • Röntgenkontrolle nach OP.
  • Röntgenkontrolle: Patient kommt mit leichten Schmerzen, Sobelin 300 mg und viermalige lokale MaRhyThe.
  • Röntgenkontrolle nach OP.
  • Röntgenkontrolle: Patient kommt mit leichten Schmerzen, Sobelin 300 mg und viermalige lokale MaRhyThe.

  • Die Röntgenkontrolle zeigt eine deutliche Zunahme der periimplantären Knochendichte.
  • Die Röntgenkontrolle zeigt eine deutliche Zunahme der periimplantären Knochendichte.

DI: Wie lange arbeiten Sie schon damit? Und welche Erfahrungswerte haben Sie in dieser Zeit gesammelt?

TW: Ich habe die Matrix-Rhythmus-Therapie nun seit etwa sechs Jahren in mein Praxiskonzept integriert. Täglich sind zwei Therapiegeräte im Einsatz. Eins davon quasi „stationär“ in einem physiotherapeutisch ausgelegten Behandlungszimmer und das andere mobil, je nach Indikation. Die Behandlungserfolge im Rahmen der MaRhyThe haben mich vor über zwei Jahren veranlasst mit der gesamten Praxis umzuziehen. Nur so konnte ich in neuen Räumen das inzwischen systemisch ausgerichtete Praxiskonzept auch adäquat anbieten. Besonders bei wohl informierten Patienten kommt dieses Konzept gut an. Das Volumen und der Umfang an prothetischen Arbeiten, die nun stressfrei erledigt werden können, sind sprunghaft angestiegen. Zentriknahmen auf der Basis entspannter Muskulatur erspart nahezu alle bisherigen zeitaufwendigen und oft für alle Seiten unerfreulichen Einschleifmaßnahmen. Ein separater Besprechungsraum wurde notwendig, um Patienten über die Zusammenhänge zwischen Muskulatur, Schmerzzuständen, Schlafstörungen, Mikrozirkulation, Okklusion etc. informieren zu können. Der Behandlungsaufwand ist größer geworden, unser Patientenservice umfassender. Unser systemisches Therapiekonzept verlangt jedoch nicht nur den motivierten Chef, sondern vor allem auch motivierte, flexible und schulungswillige Mitarbeiter, die gerne solche Tätigkeiten an den Patienten durchführen.

  • Röntgenkontrolle mit eingegliederter Brücke.
  • Klinisches Bild vor Brückeneingliederung.
  • Röntgenkontrolle mit eingegliederter Brücke.
  • Klinisches Bild vor Brückeneingliederung.

DI: Welche konkreten Ergebnisse bzw. Erfolge können Sie nachweisen?

TW: Die unmittelbaren Erfolge sind in verschiedenen Bereichen zu verzeichnen: Stressfreie umfangreiche Prothetik, weniger Schwellungen und Schmerzen nach operativen Eingriffen, verlässliche Zentrikregistrate bei CMD-Patienten, erfolgreiche Behandlung bei Patienten mit allgemeinen Muskel- und Gelenkschmerzen. Netzwerkbildung mit Orthopäden, Ärzten und Physiotherapeuten.

DI: Kennen Sie weitere Anwender im zahnmedizinischen Bereich, die erfolgreich damit arbeiten?

TW: Ich persönlich kenne einige Kollegen, die ebenfalls erfolgreich dieses Konzept umsetzen und mit dieser Methode arbeiten. Ein bundesweites Anwenderverzeichnis der Matrix-Rhythmus-Therapie findet sich unter www.marhythe-systems.de.

DI: Herr Dr. Weidenbeck, wie reagieren Ihre Patienten auf diese Methode?

TW: Die Patienten empfinden die Behandlung als äußerst tiefenwirksam und angenehm. Oft tritt nach der Behandlung eine gewisse Müdigkeit auf als Ausdruck nicht nur der Muskelentspannung, sondern auch des begleitenden psychischen Loslassens. In seltenen Fällen (< 5 %) kommt es zu einer Erstverschlimmerung. Die Patienten sind freudig erstaunt, dass ihr Zahnarzt nicht nur ihre Zähne wahrnimmt, sondern sie ganzheitlich betrachtet.

DI: Wie kann die Behandlung abgerechnet werden?

TW: Die Behandlung wird im Rahmen einer freien Vereinbarung abgerechnet bzw. analog über die Position Ä 2181 („Streckung des Kiefergelenks“).

DI: Gibt es bereits wissenschaftliche Studien für die Zahnmedizin?

TW: Nachdem die Methode für die Zahnmedizin relativ neu ist, gibt es hier noch keine Studien. Erste kontrollierte Arbeiten mit dem Freekorder bestätigen die Beobachtungsergebnisse. Auf orthopädischem Gebiet wurden in Zusammenarbeit mit DaimlerChrysler und FaberCastell erfolgreiche Studien durchgeführt. Die TU München und Uni Hannover haben im Fachbereich Mathematik und Physik grundlegende Berechnungen vorgenommen, die das Wirkprinzip untermauern. In meiner Praxis wurden bisher ca. 600 CMD-Patienten behandelt, die zum größten Teil als „austherapiert“ diagnostiziert wurden. Die Erfolgsquote (Schmerzlinderung > 50 %) ergab über 80 %.

DI: Wie wirkt die Matrix-Rhythmus-Therapie bei Periimplantitis-Patienten?

TW: Im Falle der Periimplantitis werden über Resonanz-Kopplungen physiologische Pump-Saugeffekte der Kopf-Halsmuskulatur über die Periost- und Kortikalisgefäße bis in den spongiösen Knochen hinein aktiviert. Dadurch wird der durch saure Phosphatasen aktivierten Osteoklastenaktivität entgegengewirkt. Durch die Verbesserung der Logistik, insbesondere durch Öffnung des venöslymphatischen Abflusses der extrazellulären Knochenmatrix wird erreicht, dass auch Antibiosen, zugeführt über den arteriellen Schenkel, ihren Zielort erreichen können. Durch verbesserte Mikrozirkulation optimieren sich pH-Verhältnisse sowie die Sauerstoffsättigung, wodurch das Wachstum der alkalischen Phosphatasen abhängigen Osteoblasten angeregt wird.

DI: Was kann man auf den zwei Patientenfällen erkennen?

TW: Die hier veröffentlichen Implantatfälle weisen auf die Aktivierung der Knochenperfusion hin. Vor Veröffentlichung hatte ich diese an mehrere führende Implantologen geschickt mit der Bitte um Beurteilung. Die einhellige Meinung war, die Implantate zu entfernen und entsprechend zu augmentieren. Dieser Ratschlag entspricht der aktuell verfügbaren Literatur. Wie bereits in verschiedenen Studien hingewiesen, müssen wir unser Verständnis in Bezug auf das Entzündungsgeschehen noch entsprechend erweitern. Dieser Aufforderung folgend habe ich die Anwendungsprinzipien der MaRhyThe und deren klinische Ergebnisse analog in die Zahnmedizin übertragen. Die dabei erzielten Ergebnisse bei Periimplantitis ermutigten mich, die Methodik einem weiteren Kollegenkreis zugänglich zu machen als sinnvolle Alternative zur Lösung ähnlicher Komplikationen.

DI: Vielen Dank, Herr Dr. Weidenbeck, für die interessanten Einblicke. 


Was halten Sie von dieser Therapieform?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zur Matrix-Rhythmus-Therapie an carmen.bornfleth@spitta.de.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Thomas Weidenbeck

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Thomas Weidenbeck