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Strategische Pfeilervermehrung mit Mini-Implantaten


Die Versorgung mit Mini-Implantaten zur Stabilisierung von Totalprothesen im zahnlosen Kiefer hat sich mittlerweile etabliert und bildet eine sinnvolle Ergänzung des heutigen implantologischen Behandlungsspektrums. Vielversprechende Ergebnisse zur Überlebensrate von Mini-Implantaten untermauern die bisherigen klinischen Erfolge. Die Erschließung neuer Indikationen erfolgt oft anhand konkreter Einzelfälle in der Praxis.

So bedingt die Altersstruktur in der Bevölkerung immer mehr Menschen mit stark reduzierter Restbezahnung, die bereits mit hochwertigen und ästhetischen Teilprothesen versorgt sind. Je nach Verankerung und individuellem Zahnbestand treten jedoch Probleme mit deren Stabilität auf, die zu einer deutlich verkürzten Lebensdauer des Zahnersatzes und zu Verlusten der Pfeilerzähne führen können. Trotz der Unannehmlichkeiten scheuen die Betroffenen häufig Behandlungen wie z. B. augmentative Maßnahmen und die Insertion klassischer Implantate. Hier bieten MDI Mini-Dental-Implantate (3M ESPE) zur Pfeilervermehrung eine neue Chance für die Stabilisierung der Teilprothesen – eine minimalinvasive und kostengünstige Therapie, die im Folgenden anhand von Fallbeispielen aus der Praxis beschrieben wird.

Der Lückenschluss mit Teilprothesen in einem Kiefer mit natürlicher Restbezahnung ist eine sinnvolle Therapie zur Sicherung der Kaufunktion und der Okklusionsverhältnisse. Nicht zuletzt leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Sprachfunktion und verhilft zu einem ästhetischen Erscheinungsbild. Teilprothesen werden mithilfe von Verbindungselementen, z. B. Klammern, Geschieben oder Teleskopkronen, an noch vorhandenen Zähnen, auf der Schleimhaut oder durch Implantate abgestützt.

Ausschlaggebend für die Wahl der Verankerung sind unter anderem die Lage der Zahnlücke und die Qualität der vorhandenen Restbezahnung. Prothesen, die nicht zwischen zwei Zähnen platziert sind, sondern eine verkürzte Zahnreihe ergänzen (Freiendsattel), bedeuten eine besondere Herausforderung an die Befestigung, denn durch Bewegung der Prothese auf der Schleimhaut können Hebelwirkungen entstehen, die für die Pfeilerzähne schwerwiegende Folgen bis zur Steigerung der parodontalen Beweglichkeit haben können [1]. Sowohl bei der Verankerung mittels einer Klammer am natürlichen Zahn als auch bei der Fixierung mit Geschieben und Teleskopen kann es unter Belastung zur Stauchung der Prothese sowie zur Lockerung der Versorgung vom Zahn kommen. Dabei werden Material und Pfeilerzahn starken Kräften ausgesetzt. Zudem stellt dieser „Schaukel- Effekt“ eine Beeinträchtigung beim Kauen dar und ist äußerst unkomfortabel für den Patienten.

Fixierung von Teilprothesen mit mehreren Pfeilern

Unabhängig davon, ob ein Zahn oder ein Implantat als Stütze dient, verhilft die Verwendung von mehreren Pfeilern zu höherer Stabilität und bedeutet weniger Belastung auf die einzelnen Pfeiler. Daraus folgen eine längere Lebensdauer des Zahnersatzes und der langfristige Erhalt der Stützelemente. Die Versorgung mit weiteren Pfeilern ist also eine relativ einfache Lösung für Patienten mit einer unzureichend stabilen Teilprothese, bei der die vorhandene Versorgung weiterhin im Einsatz bleiben kann.

Dabei können an strategisch wichtigen Stellen, an denen Zähne fehlen, Implantate als Pfeiler eingesetzt werden. In diesem Fall sollten Verbindungselemente mit rotativen Freiheitsgraden, also Kugelkopfverbindungen, gewählt werden [1]. Trotzdem scheuen viele Patienten dieses Verfahren, weil die Insertion konventioneller Implantate mit einem gewissen Aufwand – sowohl behandlungstechnisch als auch finanziell – verbunden ist. Hier können Mini-Implantate eine schnelle und effektive Lösung sein.

Mini-Implantate als Pfeilerelemente

Um die Indikation bei einem Patienten mit Teilprothese für den Einsatz von Mini-Implantaten zur Pfeilervermehrung zu prüfen, wird die Ausgangssituation unter verschiedenen Aspekten betrachtet. Dazu zählen die Beurteilung von Lage und Art der Lücke (Freiendsituation oder Schaltlücke) und die bestehenden Belastungsverhältnisse von endständigen Pfeilern und eventuell vorhandenem Freiendsattel. Die bestehende Teilprothese wird auf die Eignung als weitere Versorgung und in Bezug auf die Möglichkeiten untersucht, Verbindungselemente für die Mini-Implantate mit Kugelköpfen zu integrieren. Für die Insertion werden die üblichen Untersuchungen zu Knochenangebot und -dichte durchgeführt.

Die geeigneten Implantatlängen und -positionen werden ermittelt und z. B. für die Herstellung einer Bohrschablone am Modell geplant. Der chirurgische Ablauf erfolgt laut Insertionsprotokoll des Herstellers der Implantate. Die Prothese erhält an den geplanten Positionen die Matrizen für die Verbindung mit den Kugelköpfen der Implantate. Die Erfahrungen in der Praxis haben gezeigt, dass eine Sofortbelastung der Mini-Implantate nach dem Eingriff - insbesondere im Oberkiefer - eine zu frühe Beanspruchung darstellen und zu mangelnder Osseointegration und späterem Implantatverlust führen kann.

Daher wird eine Einheilphase von mindestens drei Monaten eingehalten, bevor der Zahnersatz auf die Kugelköpfe der Mini-Implantate gesetzt wird. Fotos von Zahnsituation und Prothese sowie röntgenologische Aufnahmen des Kiefers ermöglichen darüber hinaus die Kontrolle und Dokumentation. Postoperativ und in regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wird der Zustand von Zähnen, Kieferknochen, Implantaten und Zahnersatz kontinuierlich überprüft.

Fallbeispiel 1

Der Zahnersatz des 75-jährigen Patienten fand durch den Verlust von Pfeilerzähnen keinen zufriedenstellenden Halt mehr. Der Unterkiefer wies im 4. Quadranten eine Freiendsituation und im 3. Quadranten eine größere Schaltlücke auf. Der Zahnersatz, der beide Zahnreihen vervollständigt, ist mit einer Klammer am einzeln stehenden Zahn 37 und an Zahn 33 mit einer Teleskopkonstruktion fixiert. Eine Behandlung mit konventionellen Implantaten schied aufgrund des unzureichenden Knochenangebots und finanzieller Einschränkungen des Patienten aus. Die Versorgung mit nur einem 3M™ ESPE™ MDI Mini-Dental-Implantat im 4. Quadranten neben den verbliebenen Frontzähnen in regio 43 ermöglichte es, den bestehenden Zahnersatz beizubehalten. Dazu wurde in die Prothese das zusätzliche Verbindungselement eingearbeitet (Abb. 1). Abbildung 2 zeigt die Situation im Unterkiefer mit Teleskop in regio 33 und dem inserierten Mini-Implantat. Die Stabilität des Zahnersatzes konnte bedeutend verbessert werden. Die Beschaffenheit des Implantates sowie des Kieferknochens wird regelmäßig kontrolliert. In Abbildung 3 ist die Situation drei Jahre nach dem Eingriff röntgenologisch dokumentiert, mittlerweile ist der Patient seit fünf Jahren mit dieser Lösung sehr zufrieden.

  • Abb. 1: Der Zustand der Prothese wird genauso dokumentiert …
  • Abb. 2: … wie das inserierte Mini-Implantat …
  • Abb. 1: Der Zustand der Prothese wird genauso dokumentiert …
  • Abb. 2: … wie das inserierte Mini-Implantat …

  • Abb. 3: … und die Situation im Röntgenbild.
  • Abb. 3: … und die Situation im Röntgenbild.

Fallbeispiel 2

Die 67-jährige Patientin war nach dem Verlust eines strategisch wichtigen Pfeilerzahnes mit der Stabilität der vorhandenen Teilprothese unzufrieden: Es lag eine unvollständige Zahnreihe im 2. Quadranten vor, lediglich Zahn 21 und 22 waren verblieben (Abb. 4).

  • Abb. 4: Der Oberkiefer weist eine Freiendsituation im zweiten Quadranten auf.
  • Abb. 5: Röntgenbild der Ausgangssituation.
  • Abb. 4: Der Oberkiefer weist eine Freiendsituation im zweiten Quadranten auf.
  • Abb. 5: Röntgenbild der Ausgangssituation.

Der Kiefer verfügte über ein geringes Knochenangebot und eignete sich daher nicht für eine Insertion klassischer Implantate, zudem überstiegen die Kosten für augmentative Maßnahmen und die Herstellung eines neuen Zahnersatzes das zur Verfügung stehende Budget der Patientin. Daher entschloss sie sich für die Fixierung des bestehenden Zahnersatzes mittels zweier MDI Mini-Dental-Implantate als Pfeilerelemente. In Vorbereitung auf den Eingriff wurde der Ausgangszustand des betroffenen Kieferbereiches geröntgt (Abb. 5).

Die Abbildungen 6 und 7 zeigen die Prothese mit den zwei eingearbeiteten Matrizen und die Röntgenaufnahme nach Insertion dient zur Kontrolle der Position der Mini-Implantate. Die eingesetzte Prothese erhielt wieder einen festen Sitz und uneingeschränkte Funktionalität - bis heute mit einem äußerst zufriedenstellenden Ergebnis (Abb. 8).

  • Abb. 6: Zahnersatz mit integrierten Housings.
  • Abb. 7: Röntgenbild nach der Insertion.
  • Abb. 6: Zahnersatz mit integrierten Housings.
  • Abb. 7: Röntgenbild nach der Insertion.

  • Abb. 8: Die eingesetzte Prothese.
  • Abb. 8: Die eingesetzte Prothese.

Die Betreuung der Patientin umfasst eine regelmäßige Kontrolle der Implantate und der Prothese, die Abbildungen 9 und 10 zeigen die intraorale Situation mit den Mini-Implantaten und die röntgenologische Kontrolle nach zwölf Monaten.

  • Abb. 9: Die Situation zwölf Monate nach Implantation intraoral…
  • Abb. 10: … und im Röntgenbild.
  • Abb. 9: Die Situation zwölf Monate nach Implantation intraoral…
  • Abb. 10: … und im Röntgenbild.

Fallbeispiel 3

Die Prothese der 70-jährigen Patientin mit beidseitigem Freiendsattel im Oberkiefer fiel nach weiterem Zahnverlust durch mangelnde Stabilität negativ auf. Befestigt war sie mit zwei Klammern in regio 15 im 1. Quadranten, im 2. Quadranten war keine Verankerung vorhanden. Für die Fixierung mittels konventioneller Implantate wären ein Knochenaufbau und ein Konzept für einen neuen Zahnersatz indiziert.

Aufgrund des Aufwandes und der Kosten entschied sich die Patientin gegen diese Möglichkeit. Stattdessen wurden im 2. Quadranten zwei MDI Mini-Dental-Implantate in regio 23 und 24 inseriert und der vorhandene Zahnersatz entsprechend umgearbeitet (Abb. 11 und 12). In Abbildung 13 sind die Positionen der Mini-Implantate zu sehen. Die Funktionalität des Zahnersatzes wurde wiederhergestellt und die Patientin ist mit dem Behandlungsergebnis sehr zufrieden.

  • Abb. 11: Zwei Mini-Implantate geben Halt im zweiten Quadranten.
  • Abb. 12: Beidseitige Verankerungen geben der Prothese Stabilität.
  • Abb. 11: Zwei Mini-Implantate geben Halt im zweiten Quadranten.
  • Abb. 12: Beidseitige Verankerungen geben der Prothese Stabilität.

  • Abb. 13: Einzelzahnaufnahme nach der Insertion.
  • Abb. 13: Einzelzahnaufnahme nach der Insertion.

Hohe Patientenzufriedenheit

  • Fortbildung

  • Fortbildung
Die Versorgung mit 3M ESPE MDI Mini-Dental- Implantaten zur Pfeilervermehrung wurde in der Praxis bei mehreren Patienten angewendet und für 25 Fälle intern dokumentiert und ausgewertet, dabei handelt es sich um Versorgungen von ein- und beidseitigem Freiendsattel sowie von Schaltlücken.

Die Beurteilung des Behandlungserfolges fand anhand von Röntgenbildern, die vor und nach der Insertion sowie im Abstand von zwölf Monaten erstellt wurden, mithilfe von Fotos der klinischen Situation und des Zustandes des Zahnersatzes sowie einer Befragung zur Zufriedenheit der behandelten Patienten statt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Mini-Implantate zur Pfeilervermehrung ein erfolgreiches Therapiekonzept darstellen und auch durch den vergleichsweise geringen Aufwand als patientenfreundliche Lösung zu einer sehr hohen Zufriedenheit der Behandelten führen.

Fazit

3M ESPE MDI Mini-Dental-Implantate zur strategischen Pfeilervermehrung stellen eine Möglichkeit zur deutlichen Verbesserung der klinischen Situation mit relativ geringem Aufwand dar. Bereits vorliegende Teilprothesen können weiter genutzt und ihre Lebensdauer verlängert werden. Die bisherigen Erfahrungen sowie die hohe Überlebensrate von Mini-Implantaten lassen auch langfristig gute Resultate erwarten.

Die gewonnenen Erkenntnisse aus den dokumentierten Fällen können für zukünftige Behandlungen wertvolle Hinweise geben. Die vorliegenden Beobachtungen und die sehr hohe Patientenzufriedenheit versprechen beste Erfolgsaussichten für dieses Therapiekonzept. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Dipl.-Psych. Bernd Mützel

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Dipl.-Psych. Bernd Mützel


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