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Knackpunkt Hygienefähigkeit

Totalprothetik in der Alterszahnmedizin

Oft herrscht bei Patienten der Glaube, festsitzender Zahnersatz sei „besser“ als herausnehmbarer. Aus zahnmedizinischer Sicht kann man nicht von der festsitzenden Lösung als der generell Überlegenen sprechen. Letztlich ist die Auswahl der geeigneten prothetischen Versorgungsform von vielen Faktoren abhängig. In der Alterszahnmedizin kommt der Hygienefähigkeit und Systemen, die dieser Rechnung tragen eine Schlüsselrolle zu.

Die Auswahl der Versorgungsform hängt unter anderem von Indikation, Knochenangebot und Patientenalter ab. Eine bedeutende Rolle spielt darüber hinaus die individuelle Situation des jeweils zu Versorgenden: Der Patient sollte beispielsweise dazu in der Lage sein, konventionelle Hygiene für festsitzenden Zahnersatz zu betreiben (grundsätzlich erfolgt die Zahnreinigung genauso wie die natürlicher Zähne). Ist diese Fähigkeit augenscheinlich nicht erkennbar, muss auf Behandlerseite über Alternativen nachgedacht werden. Hier sind wir Zahnärzte auch ein Stück weit als „Aufklärer“ gefragt. Es ist ungemein wichtig, den Patienten vorab umfassend über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Versorgung zu informieren und diese Vorgänge auch sorgfältig zu dokumentieren – auch um etwaigen Beschwerden im Nachhinein vorzubeugen. Eine Garantie für den nachhaltigen Erfolg gibt es in der Implantatprothetik bekanntlich nicht.

Erfolgsfaktor Hygiene

Mit Blick auf das Gelingen einer prothetischen Versorgung kommt der Hygienefähigkeit eine Schlüsselrolle zu. Demografische Entwicklungen sorgen dafür, dass sich immer mehr Patienten in einem Alter befinden, in dem sie ihre Mundhygiene sowie die Pflege des Zahnersatzes nur noch eingeschränkt selbstständig sichern können. Zudem leben ältere Menschen häufig nicht mehr in ihrem häuslichen Umfeld, sondern in Pflegeeinrichtungen. An diesem Punkt ist es unter Umständen nicht mehr ausreichend, dass die Prothese von dem Träger komfortabel zu reinigen ist, auch das Personal in den Einrichtungen muss entsprechend geschult sein.

Daneben ist es vorteilhaft, wenn der Zahnersatz den Rahmenbedingungen in Pflegeeinrichtungen Rechnung trägt. Ein Beispiel: Aus meiner Sicht ist eine aufwändige Reinigung der Prothese im Mund durch die Pflegekräfte (derzeit) in den meisten Fällen unrealistisch. Es ist bedeutend einfacher für das Personal, die Prothese einfach zu entnehmen und über dem Waschbecken gründlich zu reinigen. Mit ihrer guten Hygienefähigkeit haben herausnehmbare Prothesen in diesem Zusammenhang also durchaus Vorteile.

Es ist demnach keineswegs ein „Naturgesetz“, dass festsitzender Zahnersatz immer die beste prothetische Lösung ist, wie auch ein weiteres Beispiel zeigt: Nehmen wir an, ein jüngerer Senior (65 bis 74 Jahre), der mitten im Leben steht, wurde nach bestem Wissen und Gewissen mit einer festsitzenden Implantatprothese versorgt. Er ist mit der Versorgung zufrieden und hat keinerlei Probleme mit der Pflege. Nun nehmen wir weiter an, in zunehmendem Alter würden die motorischen Fähigkeiten des Patienten stark abnehmen, eventuell verschlechtert sich auch sein Sehvermögen. Er gelangt schließlich an einen Punkt, an dem er die Prothese nicht mehr adäquat selbstständig pflegen kann. Was passiert aber nun mit Prothese und Implantaten? Hierbei handelt es sich nicht um reine Gedankenspiele. Es sind Realitäten, mit denen wir uns täglich in der Praxis befassen müssen.

Alterszahnmedizin mit System

  • Der LOCATOR R-Tx verfügt im Vergleich zum klassischen LOCATOR unter anderem über einen dualen Retentionsmechanismus und einen erweiterten Schwenkbereich.

  • Der LOCATOR R-Tx verfügt im Vergleich zum klassischen LOCATOR unter anderem über einen dualen Retentionsmechanismus und einen erweiterten Schwenkbereich.
Diese und ähnliche Fälle verdeutlichen die Bedeutung von altersgerechten Therapiekonzepten. Mit Blick auf den „Grenzbereich“ zwischen aufwändiger, kostenintensiver Implantatprothetik und günstigeren herausnehmbaren Lösungen, habe ich positive Erfahrungen mit dem LOCATOR-System (ZDS) gemacht. Für das Konzept spricht aus meiner Sicht, dass es hohen Tragekomfort, einen stabilen Sitz und ein hohes Maß an Hygienefähigkeit zusammenführt. Die Prothese lässt sich durch den Patienten leicht entnehmen und bei Bedarf außerhalb des Mundes reinigen. Die Pflege der kleinen LOCATOR-Elemente im Mund erfolgt dabei idealerweise mit speziellen Reinigungsbürsten.

Neben dem bekannten System für die Verankerung von herausnehmbaren Totalprothesen hat der Hersteller nun auch ein Konzept für das permanente Fixieren von Vollprothesen im Angebot (LOCATOR F-Tx (F = Fixed)). Dank seines speziellen Haltemechanismus bleibt die Prothese jedoch bedingt herausnehmbar, d. h. der behandelnde Zahnarzt kann die Prothese zu Kontroll- oder Hygienezwecken in der Praxis leicht entnehmen. Somit bietet auch dieses Konzept eine gute Hygiene- und Therapiefähigkeit (beispielsweise bei der Behandlung von Prothesenstomatitis, Parodontitis oder Periimplantitis) – unter anderem lässt sich bei entnommenem Zahnersatz lokal sehr viel bequemer medikamentieren.

  • LOCATOR F-Tx: Dank des speziellen Haltemechanismus kann der behandelnde Zahnarzt die Prothese zu Kontroll- oder Hygienezwecken leicht entnehmen.

  • LOCATOR F-Tx: Dank des speziellen Haltemechanismus kann der behandelnde Zahnarzt die Prothese zu Kontroll- oder Hygienezwecken leicht entnehmen.
Betrachtet man beide LOCATOR-Systeme gemeinsam, ergibt sich insbesondere mit Blick auf die Seniorenzahnheilkunde eine interessante Perspektive. Denn es ist relativ einfach, eine festsitzende LOCATOR F-Tx- in eine herausnehmbare LOCATOR- R-Tx-Versorgung umzuwandeln (Anmerkung der Redaktion: LOCATOR R-Tx (R = Removable) ist die aktuellste Version des originalen LOCATOR Attachment Systems; im Vergleich zum originalen LOCATOR verfügt der LOCATOR R-Tx unter anderem über einen dualen Retentionsmechanismus und einen erweiterten Schwenkbereich). Damit ist es indikationsbezogen möglich, den Patienten zunächst mit einer komfortablen festsitzenden Lösung zu versorgen und die Prothese bei Bedarf in eine einfacher zu reinigende, herausnehmbare Variante „umzubauen“.

Bei vielen Senioren spielen die Kosten einer Versorgung eine wichtige Rolle. Der LOCATOR ist auch in diesem Zusammenhang attraktiv. Zum einen ist die Grundkostensituation vorteilhaft und eine LOCATOR-Versorgung damit beispielsweise deutlich günstiger als eine teleskopierende Arbeit. Zum anderen sind auch Erweiterung und Reparatur günstiger, da sich relativ problemlos neue Teile in die Prothese einbauen lassen und sich einzelne LOCATOR- Elemente bei Verschleiß gut austauschen lassen.

Fazit

Die Alterszahnmedizin erfordert angepasste Therapiekonzepte – auch in der Prothetik. Mit dem LOCATOR-System steht dem Behandler ein durchdachtes System für die Verankerung totalprothetischer Versorgungen zur Verfügung, das sich aufgrund seiner Eigenschaften (gute Hygienefähigkeit, Preisattraktivität, Aktivierbarkeit etc.) besonders für den Einsatz in der Seniorenzahnheilkunde empfiehlt. Eine zusätzliche Option erhält der Behandler in dem LOCATOR F-Tx, mit dem sich Prothesen nun auch festsitzend bzw. bedingt herausnehmbar fixieren lassen.

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Vertrieb:

SIC invent Deutschland GmbH
Willi-Eichler-Strasse 11 · 37079 Göttingen
Tel. 0551 5042940 · Fax 0551 50429455
E-Mail: contact.germany(at)sic-invent.com
www.sic-zest.com

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Prof. Dr. Ralf Rößler

Bilder soweit nicht anders deklariert: Prof. Dr. Ralf Rößler


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